Die Runde 2020/21 gilt als nicht gespielt / Angst vor Mitgliederschwund / 20 Prozent Abmeldungen?

Saisonabbruch im Kegeln findet breite Mehrheit

Muss auf die neue Saison hoffen: Marcel Schulz, Bundesligakegler der SG Hainhausen.
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Muss auf die neue Saison hoffen: Marcel Schulz, Bundesligakegler der SG Hainhausen.

Offenbach – Die Kegler geben sich Corona erneut geschlagen: In Hessen und ziemlich sicher auch auf Bundesebene wird bis März keine Kugel mehr rollen. Der Hessische Kegler- und Bowling-Verband (HKBV) hat die Saison nach vorangegangenen heftigen Diskussionen abgesagt, auch in den 120-Wurf-Ligen ist Schicht. Das bestätigte Verbandslehrwart Frank Thies, zugleich Sportwart des Bundesligisten SG Hainhausen. Auch im Rodgau wird wohl keine Kugel mehr in der Classic-Bundesliga rollen, die offizielle Entscheidung darüber fällt aber erst am Freitag, 15. Januar, bei einer Verbandssitzung der Deutschen Classic-Union (DCU).

In Hessen sorgte die Frage nach dem Umgang mit dem Lockdown in Folge der Corona-Pandemie für ausgiebige Diskussionen. Unabhängig von dieser Diskussion waren im Herbst bereits Sektionspräsident Bernhard Wetteskind (Wiesbaden) und sein Stellvertreter Horst Obermüller (Weiterstadt) zurückgetreten. Eine folgende Umfrage unter allen Vereinen ergab schließlich eine klare Mehrheit für den sofortigen Saisonabbruch.

„Die Saison, die normal Ende März endet, hätten wir frühestens Mitte Februar beginnen können“, erklärte Thies. Bis Ende Januar geht im Kegeln gar nichts, die Bahnen sind wegen des Lockdowns zu. Training ist somit seit Ende November nicht mehr möglich. Und einen Kaltstart wollte auch niemand. „Wenn du zwei Monate nichts machen durftest und dann von null auf 200 Wurf gehen sollst, riskierst du Verletzungen“, meint Thies.

Bereits vor Saisonbeginn festgelegt wurde der Umgang mit einem Saisonabbruch. „In diesem Fall gilt die Saison als nicht gespielt“, erklärt Thies. Dieses Szenario hat auch die DCU, unter deren Dach die SG Hainhausen und der TV Dreieichenhain in der 1. bzw. 2. Bundesliga spielen, so formuliert. Sollte also auch die DCU, womit Thies fest rechnet, die Saison für beendet erklären, dann bliebe alles beim Alten. Die SGH würde weiterhin erstklassig kegeln - und der TVD im Unterhaus bleiben.

Regionalliga-Novize Grün-Weiß Offenbach traf die Absage der Saison hart. „Die Mehrheit innerhalb des Vereins war mit dem Saisonabbruch aufgrund der pandemischen Lage einverstanden. Grundsätzlich jedoch ist es ausgesprochen schwer gefallen, denn die Euphorie war auf dem Höhepunkt“, räumt Vorsitzender Thomas Dutiné ein: „Wir vertrösten uns nun auf die neue Saison und retten die Euphorie hoffentlich über den Sommer.“

Noch nicht abgesagt sind die Einzelmeisterschaften, die sich üblicherweise nach den Punkrunden anschließen. Mit Blick auf die Entwicklung der Pandemie hofft die Keglergemeinde darauf, im Frühjahr oder Sommer Zeitfenster für eine Austragung zu finden. Das gilt vor allem für die Wettbewerbe der Jugend. „Denn da ist die Angst riesengroß, dass uns die Jugendlichen weglaufen“, meint Thies.

Doch nicht nur bei den Jungen sieht er die Gefahr des Mitgliederschwunds. Auch bei den in der Mehrzahl deutlich älteren Sportlern rechnen die Verbände mit Abmeldungen. Auf bis zu 20 Prozent wird die Quote der Verluste bei diesen Sportlerinnen und Sportlern beziffert.

Auch bei dieser Problematik wird der 15. Januar Aufklärung geben. Bis Freitag müssen die Klubs ihre Spielerinnen und Spieler beim Verband gemeldet haben. Die neue Spielzeit wird dann im September beginnen. Für die Kegler heißt das im schlimmsten Fall, dass sie fast ein Jahr ohne Training und sportlichen Wettkampf auskommen müssen.

Frank Thies kann immerhin für seine SG Hainhausen Erfreuliches verkünden: „Ich denke, dass wir wieder alle 52 Keglerinnen und Kegler melden können.“ Die Hainhausener hoffen also wie viele andere Kegelfreunde, sich nur noch diese Saison Corona geschlagen geben zu müssen.

Von Jörg Moll

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