VOLLEYBALL Fünf Arten zur Wertung der aktuellen Saison in der Diskussion / „Beschwerden wird es so oder so geben“

Saisonabbruch könnte TG Hanau den Aufstieg kosten

Zu früh gejubelt? Die Volleyballer der TG Hanau müssen nach dem vorzeitigen Saisonabbruch noch um den Aufstieg in die Regionalliga bangen. Foto: scheiber

Offenbach – Ebenso wie der Hessische Handball-Verband hat auch der Hessische Volleyball-Verband als Folge der aktuellen Coronavirus-Krise den sofortigen Abbruch der laufenden Saison verkündet. VON DIETER HÖHN, DAVID LINDENFELD UND STEFAN MORITZ

Die Runde nach der Pandemie-Pause später zu Ende zu spielen, war keine Option, da im Volleyball auf die Hallensaison direkt die Beachvolleyball-Saison folgt.

Im Gegensatz zu den Handballern haben die Volleyballer aber noch nicht über die Wertungsregularien für Auf- und Abstieg entschieden. Aufstiegsträume, beispielsweise bei der TG Hanau, Tabellenführer der Oberliga der Männer, oder der SSG Langen II, Spitzenreiter der Landesliga, könnten platzen, bittere Abstiege besiegelt werden. Andererseits könnten auch noch bereits abgeschlagene Teams jetzt unter Umständen auf einmal doch noch in ihrer jeweiligen Liga bleiben.

In dieser Woche soll bezüglich der Auf- und Abstiegsregelung eine Telefonkonferenz zwischen dem Deutschen Volleyball-Verband und den Landesverbänden stattfinden, verkündete jetzt der hessische Landesspielwart Timo Geppert.

Für Frank Werner, den Trainer der ersten und zweiten Herrenmannschaft der SSG Langen, sind fünf Lösungen vorstellbar:

Annullierung der Saison: „Das wäre absolut nicht vertretbar, da alle Beteiligten viel Freizeit in ihr Hobby gesteckt und Leistungen erbracht haben, die nun einfach annulliert würden“, findet Werner, der damit auch für seine Spieler spricht.

Wertung der aktuellen Tabelle als Abschlusstabelle: Um das Problem einer ungleichen Anzahl absolvierter Spiele zu kompensieren, könnten die noch ausstehenden Partien mit dem durchschnittlich erreichten Punktequotienten hochgerechnet werden.

Wertung der aktuellen oder hochgerechneten Tabelle, aber nur für den Aufstieg, Verzicht auf Absteiger: „Das wäre die fairste Variante“, findet Werner.

Wertung nur der Hinrundentabelle: Bildet zwar nur die erste Hälfte der Saison ab, aber jeder hätte gegen jeden jeweils einmal gespielt. „Daher halbwegs fair“, findet Werner.

Nachholen der ausstehenden Spieltage in verkürzter Form an einem Turnierwochenende: „An sich sportlich fair, aber mit großem organisatorischem Aufwand verbunden“, meint Werner. Zudem ist fraglich, wann die aktuelle Virus-Krise soweit überwunden ist, dass wieder gespielt werden darf.

„Leider gibt es für eine solche, noch nie dagewesene Situation keine perfekte Lösung“, bilanziert Werner.

Eine Annullierung der kompletten Saison, bei der es weder Auf- noch Absteiger geben würde. wäre für die Volleyballer der TG Hanau als Tabellenführer der Oberliga die denkbar schlechteste Option. Mit drei Punkten Vorsprung auf den DSW Darmstadt führen die Hanauer die Tabelle an. Dass sie diesen in den Partien gegen den Tabellenvorletzten SSVG Eichwald und den Achten TG Rüsselsheim III noch verspielt hätten, erscheint angesichts der Hanauer Dominanz in dieser Spielzeit äußerst unwahrscheinlich. „Wir haben die ganze Saison über geführt und sind auch jetzt mit drei Punkten vorn, deswegen gehe ich schon davon aus, dass wir Meister der Oberliga werden“, sagt Teamsprecher und Zuspieler Maximilian Bieri: „Es wird letztendlich keine Entscheidung geben, die alle Mannschaften zufriedenstellen wird. Es wird Teams geben, die das stillschweigend hinnehmen und solche, die sich lautstark beschweren werden.“

Bieri hofft vor allem, dass möglichst schnell eine Entscheidung fällt, um die Planungen für die nächste Runde vorantreiben zu können. Der Sprung von der Oberliga zur Regionalliga ist groß. „Die Mannschaft wird größtenteils zusammenbleiben, eine Oberliga-Mannschaft haben wir also“, erklärt Bieri: „Aber für die Regionalliga brauchen wir Verstärkungen und diese Verstärkungen zu integrieren, wird eine schwierige Aufgabe.“

Den Abbruch des Spielbetriebs erachten durch alle Ligen und Vereine hindurch alle Beteiligten für alternativlos richtig. Unterschiedliche Meinungen gibt es nur zur Wertung für den Auf- und Abstieg.

Oliver Weber, der Sprecher der Männermannschaften des VC Ober-Roden, dessen erstes Team in der Oberliga um den Klassenerhalt kämpfte, sieht „nur zwei halbwegs vernünftige Varianten“: Entweder werde die Saison in gleicher Ligenbesetzung noch einmal gespielt, als Wiederholung nach unverschuldetem Abbruch. Oder man findet eine Möglichkeit, die Meister zu ermitteln, der die Tabellenzweiten aber zustimmen müssten, und verzichtet aber auf den Abstieg. Die Anzahl der Teams in den aufgestockten Ligen würde dann durch mehr Absteiger in den nächsten Jahren wieder reduziert werden.

Für die erste Frauenmannschaft des VC Ober-Roden war der Abstieg aus der Landesliga bereits besiegelt. Trainer Alex Strübig, Teamführerin Anke Müller und Zuspielerin Laura Noltenius sehen nun eine Annullierung der Saison als fairste Lösung an, da alle anderen Entscheidungen in ihren Augen mehr Nachteile mit sich brächten. „Beschwerden wird es aber so oder so geben“, meint Strübig.

Keine allzu großen Gedanken über die Wertung der Saison machen sich die Volleyballerinnen des TSV 1860 Hanau. „Für uns ist es relativ egal, ob wir Dritter geworden wären, wenn es noch gut gelaufen wäre in den letzten beiden Spielen, oder Sechster“, sagt Trainer Reiner Elmrich. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga und einer starken Saison hatten die Hanauerinnen in einer ausgeglichenen Liga schon vor Kurzem den Klassenerhalt gesichert und können deshalb nun etwas entspannter die Entscheidung abwarten, wie mit der abgebrochenen Spielzeit umgegangen wird.

„Oberste Priorität hat jetzt erstmal, dass diese Krankheit überwunden wird“, sagt Elmrich. Und bis das so weit ist, bleiben im Durcheinander rund um die Corona-Pandemie auch im Volleyball zunächst einmal noch einige Fragen offen.

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