„Ehrenhafter Abstieg“

Samurai-Judokas feiern Unentschieden gegen Erlangen wie eine Meisterschaft

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Jubel trotz des Abstiegs aus der Bundesliga. Die Offenbacher Judokas mit Teammanager Markus Horn (5. von links) rennen gemeinsam auf die voll besetzte Tribüne der Bürgeler Sportfabrik zu, bedanken sich für die tolle Unterstützung. Die Offenbacher wollen laut Horn gern auch in der 2. Liga in der Sportfabrik antreten. Manfred Ginder, Leiter des Sportmanagements der Stadt, kündigte an, sich „mit der TSG Bürgel abzustimmen, wie wir das bewältigen können“.

Offenbach - „Spektakulärer kann man eine Saison wohl kaum beenden“, rief Bastian Ehret in sein Mikrofon. Der Hallensprecher des Judoclubs Samurai war wie die 450 Fans nach dem 7:7 am letzten Kampftag der Judo-Bundesliga gegen den TV Erlangen begeistert. Dabei standen die Offenbacher nach dem 5:9 in Leipzig am Samstag vor einer Woche bereits als Absteiger fest. Von Holger Appel 

Die Athleten des JC Samurai, die im achten und letzten Anlauf unbedingt den ersten Saisonsieg holen wollten, lagen vor den beiden abschließenden Einzelkämpfen 5:7 zurück. Keine Chance mehr auf den Premierensieg im Oberhaus. Maximal ein Unentschieden war noch drin und somit der Sprung auf den vorletzten Tabellenplatz. Und diesen zweiten Punkt in der Bundesliga holten sie sich mit großartigen Würfen: David Tsokouris (Klasse bis 81 kg) verkürzte in nur 53 Sekunden mit gewohnter Coolness gegen Manuel Ilschner auf 6:7. Und Markus Seifert (Klasse bis 90 kg) setzte im letzten Einzelkampf der Saison nach nur 37 Sekunden gegen Vincent Dotzler den Schlusspunkt - 7:7. Der zweite Zähler der Saison nach dem Unentschieden am dritten Kampftag gegen das Judoteam Heidelberg Mannheim, das den JC Samurai als Tabellenletzter in die 2. Liga Süd begleitet.

Und dann? Jubel, Trubel, Heiterkeit; Extase in der Bürgeler Sportfabrik. Seifert sprintete zur Tribüne, ballte die Faust und schrie seine Freude heraus. Von den Zuschauern saß schon lange niemand mehr auf den Plätzen. Sie jubelten ihm zu. Anschließend rannten alle Samurai-Athleten Hand in Hand auf ihre Fans zu, machten mit dem Publikum die Welle. Mehrfach. Das sah alles mehr nach einer gewonnenen Meisterschaft denn nach der Rückkehr in die 2. Liga aus. Markus Seifert spracht hinterher denn auch von einem „ehrenhaften Abstieg“. Wie alle seiner Kollegen hält er dem Club in der 2. Liga die Treue. „Samurai ist mein Verein und wird es auch bleiben“, versicherte er.

Zu Beginn des Kampftages hatte Christoph Meier, Vorstandsvorsitzender der Energieversorgung Offenbach, einem der Samurai-Sponsoren, via Mikrofon zum Publikum und den Athleten gesprochen. Er zeigte sich zusammen mit EVO-Sprecher Harald Hofmann „beeindruckt von allem, was wir von Samurai gesehen haben. Wir sind sehr froh, dass wir einen Verein in der 1. Liga hatten und drücken die Daumen, dass der Club die positive Energie mitnehmen kann, dass nach dem Abstieg sofort der Wiederaufstieg gelingt“.

Genau das ist das Ziel der Offenbacher für das Jahr 2019. „Wir wären gern dringeblieben in dieser Bundesliga, waren in der kompletten Saison leider nur einmal in bester Besetzung am Start. Das war beim 6:8 gegen Rüsselsheim. Wir müssen uns in der Breite verstärken, müssen da einfach besser werden. Es hat in dieser Saison nicht sollen sein, aber wir müssen die Bundesliga nochmal machen. 2020 – ganz klar“, sagte Samurai-Trainer Francesco Liotta nach den Einzelsiegen von Tsokouris (2), Seifert (2), Kamil Grabowski, Daniel Gleim und Lorenz Fuchs.

Bilder: Judoclub Offenbach feiert Aufstieg in erste Liga

Grabowski (Klasse über 100 kg) verlor einen Kampf gegen Salim Kasabaki nach umstrittener Entscheidung der Wertungsrichter. Brian-Miles Smith lieferte Dominik Röder in der Klasse bis 60 kg zweimal einen großen Kampf, unterlag jeweils erst in der Verlängerung. Bitter: Den zweiten Kampf in der Klasse bis 66 kg konnten die Offenbacher nicht besetzen. In Alexander Bimmermann, Andreas Fischer, Daniel Sudermann (verletzt), Fabian Kühn (beruflich verhindert) und Leon Ehmig (Auslandssemester) fehlten gleich fünf Kämpfer aus den unteren Gewichtsklassen.

JC Samurai: Grabowski (1), Smith, Herbst, Gleim (1), Puzik, Tsokouris (2), Seifert (2), Gerber, Fuchs (1)

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