Verein heute meilenweit entfernt von Frauenteam

JC Samurai Offenbach  verpasste 1993 knapp den Bundesliga-Aufstieg

Das Samurai-Team vor 25 Jahren, das knapp am Aufstieg in die 1. Liga scheiterte. Oben von links: Trainer Francesco Liotta, Sabine von Heiden, Ute Dirler, Slavica Dosenovic, Karin Pfaff, und Gaby Bied. Unten von links: Melanie Goßmann, Ute Dengelmann mit Sohn, Vera Schulze,Nicole Förster und Constanze Hofsommer. Foto: Archiv

Offenbach - Im November 1993 scheiterten die Frauen des Judoclubs Samurai Offenbach in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga an Ettlingen. Ein Frauenteam stellen die Offenbacher seit dem zweiten Rückzug aus der 2. Liga Süd im Jahr 2012 nicht mehr, dafür sind die Männer umso erfolgreicher. Von Holger Appel 

2019 gehen sie in ihre zweite Saison in der Bundesliga Süd. „Das war wirklich eine tolle Zeit damals mit den Mädels. Eine klasse Truppe mit guten und engagierten Kämpferinnen, ich erinnere mich immer wieder sehr gern zurück“, sagt Samurai-Vorsitzender Francesco Liotta, damals Trainer des Teams um Vera Schulze, Sabine van Heiden und Ute Dengelmann. Liotta ergänzt: „Aber wie das damals gelaufen ist, ist das heute undenkbar. Der Aufwand war viel geringer. So funktioniert dieser Sport einfach nicht mehr.“

Damals vor 25 Jahren hatten die Offenbacher ein starkes Team zusammengestellt; fast ausschließlich aus Offenbacher Mädels, die Spaß am Judo hatten und sich dank großem Engagement stetig steigerten. Doch jede Gewichtsklasse war laut Liotta nur einfach besetzt. Bedeutet: Wenn die im Vergleich zu heute weitaus selteneren Mannschaftskämpfe auf dem Plan standen, hatte jede Athletin einfach da zu sein. Am besten topfit. Und das hat vor 25 Jahren durchaus funktioniert – auch wenn die Offenbacherinnen nach überraschenden Siegen gegen Speyer (6:1) und Kassel (4:3 und 5:2) im entscheidenden Moment an Ettlingen (2:5) scheiterten.

Francesco Liotta, Vorsitzender des JC Samurai.  Foto: A2

„Heute“, berichtet Liotta, „hat man selbst in der 2. Bundesliga Süd der Frauen neun Vereine. Das sind acht Kampftage. Im Prinzip muss man jede Gewichtsklasse doppelt und dreifach besetzten, da auch die Zahl der manchmal zeitgleichen laufenden nationalen und internationalen Einzelturniere enorm angestiegen ist.“ Schon 1994 zogen die Offenbacher erstmals die Reißleine, meldeten die Frauen aus finanziellen Gründen aus der 2. Liga ab. Sie legten den Fokus bei den Frauen auf die eigenen Talente wie Jana Grenzdörfer, 1996 und 1998 deutsche Juniorenmeisterin in der Klasse bis 70 kg sowie 1998 Zweite bei den deutschen Meisterschaften und Dritte bei der Junioren-WM in Cali (Kolumbien). Oder Özlem Acar, die mehrfach in Deutschland in den Top 3 zu finden war.

Liotta übernahm 1997 den Vereinsvorsitz von Marianne Walter, fing mit der Sponsorensuche an, „denn wir wollten als Verein größer und professioneller werden“. Mit den Männern auf Bundesebene, aber auch mit dem Frauenteam. Doch Sponsorensuche in einer Randsportart ist bekanntlich ein zähes Geschäft. Doch langsam kamen Liotta und seine Mitstreiter auch auf diesem Sektor voran. 2009 stiegen die Frauen auf in die 2. Liga, 2012 zogen sie erneut zurück.

Die richtige Kampfsportart finden

 „Einige Mädels haben an anderen Orten studiert, konnten nicht mehr trainieren. Dazu kam die eine oder andere Schwangerschaft – wir haben einfach kein Frauenteam mehr zusammenbekommen“, berichtet Liotta und gibt zu, dass er zwar gern einen dritten Anlauf starten würde, aber wenig Hoffnung hat. „Wir haben zwar wieder einige junge Mädels im Training, die so richtig gut sind. Das macht Spaß, ihnen zuzuschauen, das kann was werden. Aber sie reichen einfach nicht aus und bewegen sich alle in den niedrigeren Gewichtsklassen – von einem Offenbacher Frauenteam selbst in den unteren Ligen sind wir meilenweit entfernt“, sagt er.

Bleibt zunächst also nur die Erinnerung an die großen Zeiten mit den Frauenteams und die Vorgabe, die noch weitaus erfolgreicheren Männer in der Bundesliga Süd auf die nächste Stufe zu führen. Soll heißen: Sie 2019 im zweiten Jahr in der vermutlich besten Liga der Welt zu etablieren und starke Athleten wie den 19 Jahre alten Markus Seifert in die europäische Spitze zu hieven.

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