Kerstin Bertsch will Frankfurt-Marathon mit Doppelbuggy zurücklegen

„Schnellste Mutter der Welt“ greift an

+
Gut gelaunt und laufend unterwegs: Die Heusenstammerin Kerstin Bertsch mit ihren Kindern Johanna, Anton und Emil (von links). Johanna und Emil werden auch beim Frankfurt-Marathon mit dabei sein. J   Foto: Kristina Kuhfs

Heusenstamm - Im März lief Kerstin Bertsch beim Halbmarathon ins Guinessbuch der Rekorde. Mit dabei: Zwei ihrer drei Kinder, die sie im Doppeljogger vor sich her schob. Nun stimmt sich die Heusenstammerin auf den nächsten Coup ein. Von Jörn Polzin

Die „schnellste Mutter der Welt“ will mit Laufbuggy den Frankfurt-Marathon am 28. Oktober absolvieren, unter 3:22 Stunden – das wäre Weltrekord. Im Interview spricht die 29 Jahre alte Athletin des SSC Hanau Rodenbach über die besondere Herausforderung und wie sie die Kinder auf der langen Strecke bei Laune hält.

Frau Bertsch, 42 Kilometer laufen ist doch anstrengend genug. Wie kommt man auf die verrückte Idee, dabei auch noch zwei Kinder im Buggy zu schieben?

Ach, in dem Fall kam der Impuls vom Veranstalter. Sie haben mich gefragt, ob ich mir nach dem Halbmarathon nicht auch den Marathon zutraue. Ich habe das dann mit meinen Kindern genau abgesprochen und zugesagt.

Wie haben Ihre Kinder darauf reagiert. Verstehen sie, was da auf sie zukommt?

Meine Tochter Johanna ist fünf, mein Sohn Emil drei Jahre alt. Die haben das schon verstanden. Johanna meinte: Mama, das ist doch kein Problem. Das ist wie ein Halbmarathon. Und wenn wir im Ziel sind, laufen wir nochmal (lacht). Mein einjähriger Sohn Anton ist natürlich noch zu klein. Er ist beim Training mit Dreierjogger dabei, beim Frankfurt-Marathon wird er mit seiner Tante an der Strecke stehen und uns anfeuern.

Wie bereiten Sie sich auf die besondere Herausforderung am 28. Oktober vor?

Das Training ist sehr umfangreich. Insgesamt sind es 13 Wochen, die wir uns nur auf den Wettkampf vorbereiten. Aber das Praktische ist: Die meisten Einheiten sind mittags, da schlafen die Kinder im Buggy. Zumindest Anton. Bislang hat das super geklappt und glücklicherweise sind wir alle gesund geblieben. Außerdem habe ich diesmal weniger Wettkämpfe bestritten, um den Fokus voll auf diesen Tag zu legen.

Gibt es ein spezielles Mittel, wie Sie die Kinder über die lange Zeit bei Laune halten?

Wir werden genug Spielzeug und Proviant dabei haben. Auch das Müllauto muss mit (lacht). Ansonsten mögen die Kinder gerne Hörspiele, da geht die Zeit ganz gut vorbei. Ein Babyjogger ist auf jeden Fall für jede laufende Mama eine tolle Möglichkeit, mit Kindern weiter Sport zu machen, ohne auf eine weitere Person angewiesen zu sein.

Und die Mama kommt dabei ordentlich ins Schwitzen...

Natürlich ist es mit dem zusätzlichen Gewicht anstrengender. Mit dem Doppeljogger sind es etwa 60 Kilogramm mehr, die es ins Ziel zu bringen gilt. Fußsäcke, Wärmflaschen und und und. Da ist man längst nicht mehr so leichtfüßig. Ich habe aber mit dem Dreierjogger und noch mehr Gewicht gut üben können und fühle mich richtig fit. Ansonsten ist klar ausgemacht, dass ich während des Wettkampfes nur kurze Antworten geben kann. Ins Keuchen werde ich sicher aber auch so kommen.

Frankfurt-Marathon 2017 in Bildern

Der Halbmarathon im Frühjahr mit dem Guinnes-Buch-Eintrag hat für Schlagzeilen gesorgt. Was nehmen Sie daraus mit?

Die Kinder waren super drauf, und auch die Reaktion der anderen Läufer war sehr positiv. Alle haben uns aufgebaut, teilweise sogar Kinderlieder vorgesungen. Wir konnten einige Teilnehmer überholen, die gerne Platz gemacht haben. Läufer sind tolle Menschen, das muss ich schon sagen. Nur einen kleinen Zwischenfall gab es doch.

Erzählen Sie mal...

Na ja, Emil hat sich plötzlich auf die Zunge gebissen und war untröstlich. Aber Johanna hat ihn beruhigt und gesagt: „Das wird schon wieder. Wir müssen doch den Weltrekord schaffen.“ Die beiden sind einfach ein tolles Team und passen gut im Babyjogger aufeinander auf. Sie wollen unbedingt den Rekord schaffen.

Beim Marathon in Frankfurt soll nun der nächste Weltrekord fallen. Wie realistisch ist es, die 3:22 Stunden zu knacken?

Ich denke, dass es realistisch ist, aber es müssen mehrere Faktoren zusammenpassen. Vor allem müssen wir Glück mit dem Wetter haben. Wind und Regen würden die Aufgabe erschweren und die Stimmung trüben. Ein geplatzter Reifen natürlich auch. Wir müssen gesund bleiben und sehr fokussiert sein.

Welche Erfahrungen haben Sie denn mit dem Frankfurt-Marathon?

Ehrlich gesagt keine guten. Ich bin vor drei Jahren mitgelaufen und musste nach 25 Kilometern aussteigen. Das war der einzige Wettkampf, bei dem ich nicht ins Ziel kam. Ich habe also noch eine Rechnung offen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare