Fusionen immer nötiger

Vorstände in Not: Die schwierige Nachfolgersuche

Nicht nur Nachwuchs, auch Nachfolger gesucht - vor allem in der Chefetage: In vielen Vereinen der Region findet sich niemand mehr, der ehrenamtlich Führungsaufgaben übernehmen will.
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Nicht nur Nachwuchs, auch Nachfolger gesucht - vor allem in der Chefetage: In vielen Vereinen der Region findet sich niemand mehr, der ehrenamtlich Führungsaufgaben übernehmen will.

Offenbach - Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden nochmals intensivieren? Eine Fusion/Spielgemeinschaft mit einem anderen Sportverein anstreben? Diese Fragen müssen sich Vorstände heute immer wieder stellen. Von Holger Appel

Der 74 Jahre alte Peter Dinkel, Vorsitzender des Sportkreises Offenbach, ist selbst betroffen.

Peter Dinkel, Sie haben für den 27. März den nächsten Sportkreistag in Dietzenbach angesetzt. Streben Sie eine vierte Amtsperiode an?
Ja, ich habe viele positive Signale erhalten aus Politik und Sport, unbedingt weiterzumachen, bin gesundheitlich fit und bereit.
Nach Ihrer Wahl vor drei Jahren hatten Sie aber bereits angekündigt, einen Nachfolger suchen zu wollen.
Das stimmt. Die Suche war aber bisher leider erfolglos. Es gab zwar eine Möglichkeit, von der ich aber abrücken musste.
Warum?
Dazu möchte ich mich nicht weiter äußern. Fest steht aber: Die nächste Amtsperiode wird definitiv meine letzte sein. Das gilt auch für das Gros meiner Vorstandskollegen. 2018 steht ein großer Umbruch an.
Drei Jahre sind schnell um.
Klar, aber die Zeit muss genügen, um einen Nachfolger zu finden und zumindest ein Jahr einzuarbeiten. Ich bleibe dran, weiß aber selbst, dass das nicht einfach wird.
Warum ist das so?
Peter Dinkel
Das Amt eines Vereinsvorsitzenden ist arbeitsintensiv, verantwortungsvoll und zeitaufwändig, das Amt des Sportkreisvorsitzenden nahezu ein Vollzeitjob, obwohl ich in Manfred Kemper einen hauptamtlichen Mitarbeiter auf Teilzeitbasis auf der Geschäftsstelle habe. Ich vertrete letztlich 118000 Mitglieder in 366 Vereinen in Stadt und Kreis, bin Vermittler zwischen Sport und Politik, eine Art Landrat der Vereine. Wer noch voll im Berufsleben steht, kann das nicht leisten, um den Standard zu halten, alleine von der Zeit her.
Können Sie Zahlen nennen?
Ich bin seit 2006 rund 175.000 Kilometer für den Sportkreis gefahren, hatte nachweislich im Schnitt 220 bis 230 Termine pro Jahr. Ich mache das zwar sehr gern, aber trotzdem stößt hier das Ehrenamt an seine Grenzen. Deshalb ärgere ich mich immer wieder, dass das von der Politik - so habe ich den Eindruck - als selbstverständlich hingenommen wird.
Kann es dennoch sein, dass Sie zu sehr an diesem Amt hängen?
Nein, ich klebe nicht an diesem Stuhl, will ihn aber an jemanden mit großer ehrenamtlicher Erfahrung übergeben, von dem ich weiß, dass er das Amt verantwortungsvoll für die Vereine fortführt. Der Sportkreis ist die größte und wichtigste Personengesellschaft in Stadt und Kreis Offenbach. Es hat lange gedauert, dass das allen klar war. Das soll so bleiben, sonst war die viele Arbeit - auch die meiner Vorgänger - umsonst.
Auch in den Vereinen gestaltet sich die Nachfolgersuche schwierig. Zum Beispiel beim Fechtclub Offenbach mit dem Vorsitzenden Waldemar Krug.
Das ist eine große Tragödie, aber repräsentativ für viele Vereine und deren Mitglieder, die zwar gern mitrudern und dabei sind, aber nie das Steuer übernehmen wollen. Dieser Egoismus geht mir trotz aller Schwierigkeiten für die Ehrenamtler schon auf die Nerven. Grundsätzlich ist es doch so: Die künftigen Vorstände müssen sich aus den Vereinen herauskristallisieren, sie müssen intern heranwachsen. Geschieht das nicht, können wir unser etabliertes Vereinssystem bald begraben.
Trotzdem: Wagen Sie bitte eine Prognose für den FCO?
Der Fechtclub stammt ursprünglich aus Bürgel - und dort wird er als letzte Konsequenz wieder hinmüssen, wenn er überleben will: Als Abteilung des Großvereins TSG Bürgel. Besser wäre es aber, zuvor noch einen anderen Weg zu finden. Und vielleicht macht Waldemar Krug, ein hervorragender Funktionär, ja doch noch zwei Jahre weiter. Ansonsten sehe ich schwarz für den FCO, der als Aushängeschild der Sportstadt Offenbach gilt.
Das Maingold-Casino ist bereits als Tanzsportabteilung bei der DJK BW Bieber untergekommen. Ihre Meinung?
Das Maingold-Casino war früher eine große Nummer im Tanzsport. Jetzt ist es eine Abteilung in einem Stadtteilverein - da blutet mir das Herz. Aber der Vorsitzende Carlo Enders hat die einzig richtige Entscheidung getroffen. Es gab keine andere Lösung, das ist traurig. Ansonsten hätte sich dieser wunderbare Tanzsport-Verein komplett auflösen müssen.
Von welchen Kooperations-/Fusionsgedanken wissen Sie noch?
Zunächst einmal muss ich ein großes Lob aussprechen an die fünf Rodgauer Tennisvereine, die sich zusammengeschlossen haben. Sie machen das genau richtig. Ich weiß auch, dass die TGM SV und die TGS Jügesheim nach der 2011 geplatzten Fusion noch längst nicht aufgegeben haben und auf einem sehr guten Weg sind. Ich hoffe, die Vorstände gehen den Jügesheimer Großverein bis 2016 an. Wenn das klappt, ist das das Pilotprojekt für die gesamte Region. Spätestens dann ziehen vielleicht noch andere Kandidaten nach.

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