Schwimmen

Schwimmtrainerin aus Leidenschaft: Anette Schmidt-Smith hat eine eigene Trainingsmethodik

Im Hallenbad fühlt sie sich zu Hause: Schwimmtrainerin Anette Schmidt-Smith gibt ihre Leidenschaft seit bald 25 Jahren an Kinder und Erwachsene weiter.
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Im Hallenbad fühlt sie sich zu Hause: Schwimmtrainerin Anette Schmidt-Smith gibt ihre Leidenschaft seit bald 25 Jahren an Kinder und Erwachsene weiter.

Seit mehr als 25 Jahren bringt Anette Schmidt-Smith Kindern und Erwachsenen das Schwimmen bei. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde die Trainerin der Wassersportfreunde Großkrotzenburg im Oktober mit dem August-Schärttner-Preis der Sparkassen-Sportstiftung Main-Kinzig ausgezeichnet.

Großkrotzenburg – Bei der Preisverleihung wurde Schmidt-Smith als „Urgestein der Vereinswelt“ gewürdigt, wobei sie den Sport und das Miteinander mit ihren Mitmenschen zum festen Bestandteil in ihrem Leben gemacht habe. Die Preisträgerin selbst bezeichnet sich als „Vollblutsportlerin“, der ihre Leidenschaft in die Wiege gelegt wurde.

Schon im Alter von fünf Jahren nahm sie ihr Großvater mit zum Skifahren nach Österreich. Ebenfalls inspiriert vom Opa folgte kurz darauf die Leichtathletik, dann Tennis, später Basketball, Rennradfahren und Laufen. Zum Schwimmsport brachte sie ihre Tochter Jana, die von ihrer Mutter mit fünf Jahren zum Schwimmen beim Großkrotzenburger Wassersportverein angemeldet wurde.

„Der Verein kam damals auf mich zu, weil er zu wenige Trainer hatte.“ Da Schmidt-Smith bereits die Trainerlizenz hatte, sprang sie damals, 1995, ein. Kurz darauf übernahm sie bereits die Leitung der „Seepferdchen-Gruppe“. Aus dem Aushelfen wurde mehr - die Vollblutsportlerin mit dem Faible für Trainingslehre entwickelte eine echte Leidenschaft für den Schwimmsport.

Brustschwimmen sollte laut Schmidt-Smith aus Anfängerkursen verbannt werden

Als die Gemeinde sich Anfang der 2000er Jahre entschied, das Hallenbad zu schließen, musste der Schwimmverein eine Weile in andere Bäder in der Region ausweichen. Später gründeten Mitglieder einen weiteren Verein, die Wassersportfreunde, die ihr örtliches Hallenbad retteten, sanierten und sich bis heute um dessen Betrieb kümmern. Schmidt-Smith war bei diesem Projekt als Trainerin von Anfang an dabei. Sie hält es grundsätzlich für wichtig, „früh ein Wassergefühl kennenzulernen“. Die von ihr bevorzugte Methodik, das Schwimmen zu lehren, weicht dabei etwas von der gängigen Praxis ab. „Die komplexe Lage Brust sollte aus den Anfänger-Schwimmkursen verbannt werden“, findet die 59-Jährige. Das Brustschwimmen sei belastend für die Kniegelenke, Hüfte und Halswirbelsäule.

Die erfahrene Trainerin bringt Kindern zunächst das Tauchen bei und geht dann direkt zum Kraul- beziehungsweise Freistil über. In der Folge lernen die Anfänger den sogenannten Dreierzug, also das richtige und effiziente Atmen während des Kraulens. Gerade bei dieser finalen Phase des Lernens verlange sie von ihren Schützlingen auch „eine gewisse Disziplin, zum Beispiel bei Details wie der richtigen Kopfhaltung“.

Generell sei Disziplin im Training eines der zentralen Elemente ihrer Arbeit. Sich an die Vorgaben der Trainerinnen und Trainer zu halten, sei nicht nur für den Trainingsfortschritt wichtig, sondern „auch mit Blick auf die Sicherheit“. Das erkläre sie regelmäßig auch Eltern: Eine wichtige Regel sei, „dass sich Eltern während des Trainings nicht in der Schwimmhalle aufhalten“. Den einen oder anderen Vater habe sie diesbezüglich schon zurechtweisen müssen.

Von ihrer Leidenschaft profitierten auch immer wieder Erwachsene. Einige Jahre leitete Schmidt-Smith Schwimmkurse für Geflüchtete. Diese seien nach dem zweiten Lockdown im vergangenen Jahr jedoch eingeschlafen. „Ich freue mich, dass wir diese Kurse nächstes Jahr wieder im Rahmen der regulären Erwachsenen-Schwimmkurse anbieten können.“ Ein Ausbau des Trainingsangebotes scheitere zu oft am generellen Mangel an Trainerinnen und Trainern. Alleine könne sie das Angebot für Geflüchtete nicht mehr stemmen. Dabei seien diese Anfängerkurse für Erwachsene ebenso wichtig wie für Kinder. Es müsse nicht immer um Leistungssport gehen. Schwimmen sei generell eine der gesündesten Sportarten, „gerade mit Blick auf die Gelenke“.

Von ihrer Neugierde für Trainingsmethodik profitierte auch ihre Familie. Schmidt-Smith, geborene Hofmann, war zweimal verheiratet und hat drei Kinder, deren Nachnamen sie behalten hat. Ihrem jüngsten Sohn Noah habe sie das Schwimmen auf die von ihr bevorzugte Art beigebracht, wodurch er sich schon früh zu einem sehr guten Schwimmer entwickelt habe. Ihren Sohn Joel zog es ebenfalls zum Leistungssport, der Kunstturner ging für Eintracht Frankfurt in der zweiten Bundesliga an den Start. Bei dessen anspruchsvollem Training beziehungsweise „bei seinen Trainern habe ich mir damals auch einiges abgeschaut“. Turnen sei eine extrem trainingsintensive Sportart, die ihren Athleten traditionell viel Fleiß und Disziplin abverlange.

Turnen sei eine gute sportliche Ergänzung zum Schwimmen

„Es ist auch beim Schwimmen wichtig, dass früh gewisse Grundlagen gelegt werden, von denen die Sportler ein Leben lang profitieren.“ Neben viel Zeit im Wasser sei auch das Training im Trockenen sehr wichtig - Kraft-, Stabilitäts- und Beweglichkeitsübungen „sollten so früh wie möglich gemacht werden“, erklärt Schmidt-Smith. Noch besser sei „ein zusätzliches Turntraining“ als Ergänzung zum Schwimmen - regelmäßig versuche sie Eltern von diesem Ansatz zu überzeugen. „Die Rolle zum Beispiel, die Kinder im Turnen üben, ist ähnlich wie die Wende beim Schwimmen“, erklärt sie die Gemeinsamkeiten. „Die schwierige Kombination von Kraft und Beweglichkeit“ sei ein zentrales Element der beiden Sportarten.

Ihre Leidenschaft für den Sport hat Schmidt-Smith in der Vergangenheit nicht nur an ihre eigenen Sprösslinge weitergeben, unzählige Kinder anderer Eltern sowie zahlreiche Erwachsene profitierten in den vergangenen knapp 25 Jahren ebenfalls davon. (Von Per Bergmann)

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