Basketball

Selten eine Mannschaft auf dem Feld

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Ausweg gesucht: Can Akbayir (gelb, Nummer 12) wird von Spielern des Tabellenführers BC Neu-Isenburg umzingelt. Akbayir ist mit knapp zwölf Punkten im Schnitt zweitbester Werfer des EOSC Offenbach.

Tobias Knöfler muss kurz Luft holen und in sich gehen. Lange ist die Ausfallliste bei den Basketballern des EOSC Offenbach. Da bedarf es Zeit und Konzentration. 

Offenbach – „Wir haben schon ziemlich die Scheiße am Schuh“, formuliert es der Basketballer Abteilungsleiter des Traditionsklubs, der sich zur Winterpause im Tabellenkeller der Landesliga wiederfindet.

Topscorer Jan-Lukas Pätzold? Hat erst zweimal gespielt. Christos Katsiakis? Fehlte länger nach Fußbruch. Denis Eres? Fiel ebenfalls länger aus. Fabian Baumgarten? Ist gewechselt und spielt für Gießen in der U19-Bundesliga. Dort läuft auch Frederik Fischbach für die Frankfurt Skyliners auf, steht den Offenbachern somit nur selten zur Verfügung. In seinen bislang drei Einsätzen brachte es der 17-Jährige auf 16 Punkte im Schnitt.

„Da sind uns einige Leistungsträger verloren gegangen oder haben über weite Strecken gefehlt. Wir hatten oft keine Mannschaft auf dem Feld“, blickt Knöfler auf die durchwachsene Hinrunde mit nur drei Siegen aus elf Spielen. Die vielen Verletzungen und Erkrankungen seien Pech gewesen, anderen Spielern müsse man zugestehen, dass das Privatleben vorgeht. Wie bei Dimitrios Ourgantzidis, der per Work&Travel die Welt bereiste. „Das würde ich in dem Alter auch machen, wenn es möglich wäre“, sagt Knöfler schmunzelnd.

Für Trainer Beytullah Yesilyurt, der vor der Saison Koray Karaman ablöste, sind es alles andere als einfache Bedingungen. Zumal den Offenbachern auch das Spielglück fehlte. Bei der Negativserie im Spätherbst gab es einige knappe Niederlagen: 71:73 gegen Bad Homburg, 66:69 in Kronberg, 77:85 gegen Rüsselsheim. „Das waren alles Spiele, die wir hätten gewinnen können oder müssen“, meint Knöfler. So blieben die beiden Erfolge gegen das abgeschlagene Schlusslicht BC Darmstadt und der Zittersieg gegen die punktgleichen Aschaffenburger.

Der Blick geht bereits auf das Rückspiel gegen die Unterfranken am 25. Januar. Für Knöfler das Schlüsselspiel schlechthin. „Wenn wir das verlieren, stecken wir bis Saisonende im Abstiegskampf, wenn wir gewinnen, können wir durchatmen und uns vielleicht sogar noch unserem Saisonziel nähern.“ Nach wie vor halte man am Zwei-Stufen-Plan fest: Diese Saison in der oberen Tabellenhälfte landen, in der nächsten um den Aufstieg mitspielen. Den eingeschlagenen Kurs nach dem Umbruch im Sommer will der EOSC fortsetzen, weiter die Jugendlichen einbinden. „Wir haben die Jahrgänge 2000 bis 2002 aufgebaut, aber gegen Männerteams ist es doch etwas anderes“, erklärt Knöfler. Die Zeiten, in denen der Traditionsklub - in den 90er Jahren noch zweitklassig - auf amerikanische Kräfte setzte, sind vorbei. Das will der Abteilungsleiter ohnehin nicht zu hoch hängen. „Es war nie ein Prinzip von uns. Bezahlen konnten und können wir Spieler nicht. Die Jungs haben bei uns als erste deutsche Station Fuß gefasst und sich für andere Klubs empfohlen.“

Die Gegenwart in Offenbach heißt nun aber Landesliga-Abstiegskampf. Für den Endspurt soll sich nun das Lazarett lichten. „Unsere Bank wird sich immer mehr füllen“, zeigt sich Knöfler optimistisch. Wieder im Kader steht auch Routinier Armin Reichert, der aus Roßdorf zurückkehrt ist. Dass sich zwei Spieler aus der Reserve dem neuen Stadtrivalen FC Asteras angeschlossen haben, sieht Knöfler gelassen. Zumal sich beide Seiten gar nicht als Rivalen sehen. Auch, weil die Männermannschaften aktuell drei Ligen trennen.

„Es gibt keine Konkurrenzsituation, weil der FC Asteras keine Jugendmannschaften hat. Es ist doch schön, wenn in einer 130000-Einwohner-Stadt auch ein anderer Klub Spieler aufnehmen kann.“ Den Vorschlag des Bezirksverbandes, die Heimspieltage gemeinsam auszutragen, habe man aber abgelehnt. In der Halle am Buchhügel tummeln sich an den Spieltagen vier EOSC-Teams. Mit den Männern als abendlichen Schlusspunkt – möglichst weiter in der Landesliga.

VON JÖRN POLZIN

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