Christopher Rink

Spezialist für Rennautos und Nordschleife

So feiert er Siege: Christopher Rink aus Frankfurt.
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So feiert er Siege: Christopher Rink aus Frankfurt.

Christopher Rink hat sich einen Namen gemacht. In der Motorsport-Szene ist der 32 Jahre alte Rennfahrer als „Nordschleifenspezialist“ bekannt. Das ist seit 2018 so, eine große Anerkennung und Würdigung seiner Leistung: Damals gewann er die zwei wichtigsten Rennserien, die jährlich am Nürburgring auf der Nordschleife stattfinden, in einem Jahr. Er war der Erste, dem dieses Kunststück gelang, ist bis heute der Einzige und wurde im selben Jahr mit der BMW Sports Trophy als weltbester BMW-Privatfahrer ausgezeichnet.

Maintal/Frankfurt – Die Nordschleife: Das ist mit über 20 Kilometern Länge eine der bekanntesten Rennstrecken Deutschlands. Oft wird von einem Mythos gesprochen. „Grüne Hölle“ heißt es im Volksmund, weil der in der Eifel gelegene Rundkurs den Fahrern alles abverlangt. Asphalt, Randsteine, Leitplanken und Bäume: Mehr nehmen die Piloten im Rausch der Geschwindigkeit nicht wahr, wenn sie Runde für Runde ans Limit gehen auf einer Strecke, deren Tücken Rink schon lange kennt und bezwingen kann.

Wegen Corona: Pokale kommen mit der Post

Das hat der Frankfurter auch in diesem für den Rennsport nicht einfachen Corona-Jahr gezeigt. Zum zweiten Mal gewann er nach 2018 mit dem Team Adrenalin Motorsport aus Heusenstamm und seinen Teamkollegen Philipp Leisen und Danny Brink die VLN-Langstreckenserie, die inzwischen Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS) heißt.

Christopher Rink

„Für den Rennfahrer ändert Corona im Rennen selbst erst mal nichts. Aber das ganze Drumherum war anders. Vieles hat gefehlt: die Zuschauer, das Familiäre. Das war schon traurig“, sagt Rink, der die Pokale per Post zugeschickt bekam und an Siegerehrungen nur virtuell via eines Videoübertragungsdienstes teilnehmen konnte.

Bei den Rinks ist Rennfahren Familientradition

Das kennt der Motorsportler anders, bei dem das Rennfahren Familientradition ist. Schon der Großvater drehte in den 40er-, 50er- und 60er-Jahren seine Runden. Rinks Vater folgte ihm in den Motorsport, fuhr wie Christopher Rink zunächst Slalom-, später aber auch Rallye und schließlich Rundkursrennen am Nürburgring.

Rink junior fing deshalb auch früh mit dem Kartfahren an. Erst kurz vor der Volljährigkeit stieg er in den Slalomrennsport ein. 2009 dann der Einstieg ins Generationen-Team „Rink Racing“. Mit einem eigens gebauten Auto nahm die Familie an der VLN-Langstreckenserie teil, die Rink 2018 erstmals gewann.

Rink: Kleine Teams haben es schwer

„Vor zehn Jahren war das alles noch ein bisschen einfacher“, erzählt er dieser Tage am Telefon. Viele Aspekte sorgten dafür, dass sich kleinere Teams die Teilnahme an der Serie damals noch eher leisten konnten als heute. Inzwischen ist es viel schwieriger, den Aufwand, den die Familie damals betrieb, finanziell mit einer kleineren Sponsorenbasis zu stemmen.

Auch deshalb löste sich das von 1999 an existierende Generationen-Team 2012 auf. Rink wechselte ein paar Mal das Team, kam vor fünf Jahren schließlich bei Adrenalin Motorsport unter. Rink Racing war Geschichte – aber nie wirklich ganz weg. Im Hintergrund wurde geplant. 2014 gründete der Frankfurter schließlich die Rink Automotives GmbH mit Sitz in Maintal-Dörnigheim, wo die Familie auf einer Gewerbefläche Jahre lang an den selbst gebauten Autos geschraubt hatte. Das Grundstück gehörte einst dem als Möbelfabrikant tätigem Großvater.

Werkstatt in Maintal-Dörnigheim

Dort repariert Rink nun Kundenfahrzeuge, bereitet als Dienstleister aber vor allem auch Rennwagen für die Strecke vor. Als gelernter Kfz-Mechatroniker – ausgebildet im Porsche-Zentrum Frankfurt mit anschließendem Meister – kennt er sich bestens aus. Sein Antrieb, die Firma zu gründen, war seine Leidenschaft zum Motorsport. Der in der Szene bekannte Name seiner Familie sollte zudem auf diese Weise erhalten werden, sagt er.

Ursprünglich arbeitete Rink Vollzeit im Familienunternehmen seines Vaters, das Immobilien vermietet und verpachtet. Mit der Werkstatt hat sich der 32-Jährige ein zweites Standbein aufgebaut, das immer weiter wächst. Inzwischen bietet Rink auch Ausbildung und Coaching von Rennfahrern an, gibt so seine Erfahrungen weiter, die er auf und neben der Strecke gemacht hat. In den vergangenen Jahren hat er viel Geld in die Hand genommen, um sich als Instruktor mit zahlreichen Lizenzen weiterzubilden.

Christopher Rink wurde 2018 als bester BMW-Privatfahrer ausgezeichnet.

Rennfahren, das heißt für Rink: Emotionen, Mut, akribische Arbeit, Selbstkritik, Optimierung, Leidenschaft. Viele dieser Aspekte spiegeln sich in seinem alltäglichen Leben wider und lassen sich gut weitergeben an die jüngere Generation. Von seinem technischen Fachwissen und seinem fahrerischen Können sollen seine Kunden profitieren, seine Teams, für die er an den Start geht, und letztlich auch er selbst.

Rink: GT3 oder GT4 das Ziel

Denn im Alter von 32 Jahren liegt noch einiges vor Rink. Seinen Titel bei der NLS möchte er 2021 verteidigen. Darüber hinaus würde er gerne im professionelleren Bereich der GT3 oder GT4 an den Start gehen. Und den dritten Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring strebt Rink an. Dann hätte er genauso viele wie sein Vater, sagt er am Telefon und lacht.

Die Ziellinie der „Grünen Hölle“ vom Nürburgring hat Rink schon unzählige Male passiert. Die letzte schwarz-weiß-karierte Flagge wurde für den „Nordschleifenspezialisten“ aber noch lange nicht geschwenkt.

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