HSG Rodgau

Spieler des Jahres: Ein junges Trio

Hart im Nehmen: Johannes von der Au (rechts) gegen die Hanauer Björn Christoffel (links)und Marc Strohl. F: Scheiber

Die Frage, wen er zum Spieler des Jahres in seiner Mannschaft ernennen würde, will - und kann - Jan Redmann, Trainer beim Handball-Drittligisten HSG Rodgau Nieder-Roden, nicht beantworten. „Da haben wir einige positive Überraschungen dabei“, sagt er.

Nieder-Roden –  „Schade, dass die Saison so abrupt endete, weil wir eine überragende Runde gespielt haben. Wir haben fast in jedem Spiel unsere Leistung gebracht. Und uns hat immer ausgezeichnet, dass wir als Mannschaft aufgetreten sind, das war und ist unsere Stärke. “ Deshalb ernennt Redmann gleich ein Trio zu den Spielern des Jahres. Eines haben Sam Hoddersen, Henning Schopper und Johannes von der Au gemeinsam: Sie waren gefordert, als andere Spieler längerfristig ausfielen.

 HENNING SCHOPPER

Der 22-jährige Linkshänder, der 2016 vom damaligen Oberligisten Tuspo Obernburg nach Nieder-Roden wechselte, spielte bereits in der vergangenen Saison eine wichtige Rolle im HSG-Team - und startete in dieser Saison im rechten Rückraum nochmals richtig durch. „Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, nachdem sich Timo Kaiser bereits nach dem ersten Spiel verletzt hatte und längerfristig ausfiel.“ Schopper erhielt fortan reichlich Einsatzzeiten - und spürte jederzeit das Vertrauen seines Trainers - Redmann trainierte Schopper bereits in der Jugend beim TV Großwallstadt. Um die Weihnachtszeit herum lag er auf Platz zwei der Torjägerliste (ohne Siebenmeter), aktuell nimmt er mit 102 Feldtoren in 23 Partien den 18. Rang ein.

Zuletzt warfen Schopper eine Schlüsselbeinprellung sowie eine langwierige Achillessehnenentzündung zurück. Nur gut, dass Timo Kaiser seit Dezember wieder zur Verfügung steht und sich 2020 in glänzender Verfassung zeigte. „Die Rückkehr von Timo hat Henning natürlich entlastet“, meint Jan Redmann. „Das ist das einzig Gute an dieser Phase: Dass ich die Verletzungen auskurieren kann“, sagt Schopper über die Zwangspause durch die Corona-Krise. Ansonsten ist er froh, aktuell zu Hause zumindest ein bisschen trainieren zu können - auch ohne Ball. „Wir hatten die ganze Saison über viele Verletzte, die wir aber gut kompensiert haben. Und wir haben viele Highlights erlebt. Etwa die beiden Partien gegen den TV Großwallstadt, auch wenn wir die verloren haben. Oder unser Heimsieg gegen die SG Nußloch, als die noch in Bestbesetzung gespielt haben“, zählt Schopper auf: „Schade, dass die Saison so endet, wir waren auf dem besten Weg, unseren Punkterekord aus der vergangenen Runde zu brechen.“

JOHANNES VON DER AU

Der 21-jährige Ur-Nieder-Rodener, der über die TVG-Akademie und die HSG Hanau 2016 zurück nach Rodgau kam, zählte bereits in der vergangenen Spielzeit zu den Stützen der HSG-Abwehr. In dieser Saison machte der Rückraumschütze (links, Mitte), der wie Henning Schopper bereits in der Jugend in Großwallstadt unter Jan Redmann trainiert hatte, auch im Angriff einen gewaltigen Sprung nach vorne.

Vor allem, als Philippe Kohlstrung ab Dezember vergangenen Jahres mehrfach ausfiel, war von der Au gefordert, spielte teilweise 60 Minuten durch. Eine Herausforderung, die ihm aber nichts ausmachte. „Ich habe die Aufgabe angenommen, mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Ich übernehme lieber die Verantwortung, als mich in den Schatten zu stellen und die anderen machen zu lassen. Und das hat gut geklappt“, sagt er. Mit dem Saisonverlauf ist er mehr als zufrieden: „Wir haben eine überragende Runde gespielt, es war kaum ein Spiel dabei, in dem wir nicht unsere Leistung gebracht haben. Die mannschaftliche Geschlossenheit war der Schlüssel für diese gute Saison.“

In der Vorbereitung fuhren die Rodgauer „erstmals ein bisschen weiter weg“ (von der Au). Das Trainingslager in Rostock „hat uns zusammengeschweißt“, erklärt der Rückraumschütze, der in 24 Spielen 70 Treffer erzielte. „Nach einer sehr guten Vorbereitung war diese Entwicklung bei Johannes abzusehen. Er lernt viel von Mitspielern wie Philipp Keller und Philippe Kohlstrung, profitiert von ihnen“, sagt sein Trainer.

SAM HODDERSEN

„Ich hatte deutlich mehr Spielzeit als in den vergangenen beiden Jahren“, erklärt der 22-jährige Linksaußen, der mit 150 Toren (29 Siebenmeter) hinter Michael Spatz (TV Großwallstadt, 176/79) zweitbester Torjäger und hinter Mario Stark (ebenfalls TVG, 124) zweitbester Feldtorschützen der Liga ist. Dass Hoddersen, der 2016 aus der Jugend der HSG Hanau nach Nieder-Roden zurückkehrte, eine wichtige Rolle spielen würde, wurde bereits Ende der Spielzeit 2018/2019 deutlich, als sich abzeichnete, dass Michael Weidinger nach einer Operation mehrere Monate ausfallen würde. Hoddersen ergriff seine Chance und warf sich mit seinen zum Teil spektakulären Toren in die Herzen der Fans. „Ich habe mich sportlich gut entwickelt“, sagt er. Und Trainer Redmann bestätigt diese Aussage: „Im Unterschied zu Henning und Johannes hat Sam nicht bei mir in der Jugend gespielt. Aber jetzt weiß er, was ich will. Wie er die Bälle ins Tor wirft, ist mir egal. Die Hauptsache ist, dass er sie ins Tor wirft. Sam hat unheimlich an Effektivität gewonnen.“ Sam Hoddersen, der bereits als Zwölfjähriger für die Nachwuchs-Nationalmannschaft der USA am Ball war und dessen großer Traum die Olympia-Teilnahme mit dem US-Team ist, sagt: „Wir haben eine sehr gute Saison gespielt. Aber wir sind in einigen Spielen noch abgefangen worden, in denen wir schon geführt hatten. Dennoch haben wir von der Entwicklung her einen großen Schritt nach vorne gemacht.“ Jan Redmann meint: „Sam hat sehr viel Talent, dieser große Sprung war aber nicht zu erwarten.“

Alle drei Youngsters betonen die Entwicklung der Mannschaft, die deutlich konstanter spielt als in der Vergangenheit, als die HSG pro Saison für fünf, sechs Auswärtsspiele, in denen wenig zusammenlief, gut war. Dass sieht auch Trainer Jan Redmann so, der über das Trio sagt: „Alle drei haben große Schritte nach vorne gemacht und stehen erfolgreich in der Verantwortung. Sie haben bewiesen, dass sie in der 3. Liga mithalten können. Und sie haben das Ende ihrer Entwicklung noch nicht erreicht.“

Und die Jungs der „nächsten Generation“ stehen in den Startlöchern, auch wenn sie schon 22 oder 23 Jahre alt sind. Mit Torhüter Maverick Weiß, Niklas Geck nach seinem Kreuzbandriss, Magnus Hofferbert, der eine erfolgreiche erste Saison in der 3. Liga absolvierte, Jannik Schneider und Sven Schultheis aus der zweiten Mannschaft sowie Nachwuchstalent Ketil Horn (18) setzen die Nieder-Rodener ihren Umbruch fort. Mit Alexander Weber hört nun ein weiterer Routinier auf. „Es zeichnet Nieder-Roden aus, dass wir die Lücken mit jungen Spielern schließen“, zeigt sich Trainer Jan Redmann zufrieden. Und wenn 2021 wieder mehrere seiner Jungs das Zeug zum Spieler des Jahres haben, kann ihm das nur recht sein.

VON PATRICK LEONHARDT

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