Eileen Demes startet trotz „Seuchenjahr“ bei U20-Meisterschaften

Stressfraktur nach Abiprüfung

Obertshausen - „Dieses Jahr ist ein Seuchenjahr“, sagt Eileen Demes. Im Frühjahr warf die Obertshausenerin eine Stressfraktur im Kahnbein zurück, den geplanten Start bei der deutschen U20-Meisterschaft beeinträchtigte eine Magen-Darm-Grippe. Von Jörg Moll 

Über ihren Start an diesem Wochenende in Jena entschied die größte Nachwuchshoffnung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf dieser Strecke erst gestern, nachdem ein Abschlusstraining zufriedenstellend verlaufen war. Ihr Trainer Robert Schieferer hat für das Zögern seiner Athletin Verständnis: „Eileen ist es gewohnt, um Titel mitzulaufen. “ Ob die 17-Jährige aber dazu in der Lage ist, ist fraglich. „Ich habe diese Saison ja kaum trainieren können“, sagt Demes, die nur einen Freiluftstart Ende Juni bei der Mannheimer Junioren-Gala hatte. In Jena will sie sich am Samstag im Vorlauf für das Finale am Sonntag qualifizieren. Über die wahrscheinliche Ursache der Stressfraktur, die sie sechs Wochen zur Pause zwang, ist sie noch immer sauer. Es geht um eine merkwürdig missglückte Sport-Abiturprüfung. Zur Aufgabe am Heusenstammer Adolf-Reichwein-Gymnasium zählten neben Speerwurf, Weitsprung und 100-Meter-Sprint auch eine Technikprüfung in ihrer Spezialdisziplin Hürdenlauf. In der war sie 2014 deutsche U18-Meisterin über 400 Meter und bei den olympischen Jugendspielen in Nanjing (China) auf Medaillenkurs liegend gestürzt und Achte geworden. Demes sollte aufgrund falscher Tabellendaten aber jene Werte realisieren, die laut Deutschem Leichtathletik-Verband (DLV) ihren männlichen Schulkollegen vorbehalten sind. „Die Abstände zwischen den Hürden waren definitiv zu groß“, meinte sie. Normal sind in ihrer Altersklasse acht Meter zwischen zwei Hürden, gestellt wurden sie aber in 8,60 Meter Abstand. „Das ist weiter als bei den Frauen“, so Demes. Alle Einwände halfen nichts. „Ich stand vor der Wahl: Laufen oder nicht laufen und null Punkte bekommen.“ Demes lief, in einem völlig ungewohnten Rhythmus. Und klagte kurz danach über Schmerzen im Fuß.

Die Folgen waren gravierend: Wochenlang war nur Aqua-Jogging möglich. Ihr Abitur hat sie mittlerweile in der Tasche, Wehmut kam bei der Zeugnisübergabe nicht auf. „Ich bin froh, dass die Schule vorbei ist.“ Die Ereignisse rund um die Prüfung hat Demes zwar abgehakt, verärgert ist sie noch immer: „Vor allem enttäuscht mich, dass sich kein Sportlehrer entschuldigt hat.“ Nur der Oberstufenleiter habe sich gemeldet und sein Bedauern ausgedrückt. „Mir geht es um die Verhaltensweise“, betont Demes. Für ihren Trainer und vor allem ihren Vater geht es um mehr. Er reichte beim Kreisschulamt eine formelle Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Schieferer hat Verständnis dafür, denn er vermutet: „Ich habe den Eindruck, dass etwas vertuscht werden soll.“

Blick nach vorne

Demes mag sich mit dem Nachspiel nicht mehr beschäftigen und blickt nach vorne. Für die Oberts-hausenerin beginnt eine spannende Phase ihres Lebens. Um näher an ihrem Trainingsort Kalbach zu sein, wird sie nach Frankfurt-Nied ziehen. Die Leichtathletik wird weiterhin eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielen. Dank eines Stipendiums studiert sie künftig an der European Business School in Oestrich (Rheingau), gemeinsam mit ihrem Trainingspartner Constantin Schmidt (TG Obertshausen) und kann auch weiterhin ihre sportlichen Ziele verfolgen.

„Das ist natürlich toll, dass wir zu zweit sind, da kann man sich gegenseitig motivieren“, sagt Demes, die über die späte Bronzemedaille in der 4x400-Meter-Staffel ihrer Trainingskollegen Schmidt, Jaakima und Aleksi Rösler bei der U20-EM in Schweden so begeistert war, dass sie zur Belohnung Plätzchen backte. Im kommenden Jahr sollen Schmidt und Co Gelegenheit zur Revanche bekommen. Dann will Demes wieder durchstarten. Fernziel ist die U20-Weltmeisterschaft in Kasan (Russland). Spätestens, wenn sie dort um Medaillen läuft, sind „Belohnungsplätzchen“ fällig. Vielleicht aber auch schon früher. Sollte Demes das Finale am Sonntag in Jena erreichen, wäre das zumindest eine kleine Entschädigung für das „Seuchenjahr 2015“.

Europameister! Pascal Behrenbruch bei der Leichtathletik-EM

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