Tempo, Technik, Taktik als Erfolgsrezept

„Black Knights“ Dreieich sind  Nummer eins im Elektrorollstuhlhockey

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Weil sportlicher Erfolg und soziales Engagement bei dem Verein Hand in Hand gehen, ist er im Juni mit dem Rotary-Sozialpreis ausgezeichnet worden.

Dreieich - Rollstühle flitzen durch die Sporthalle. Gespielt wird „Powerchair-Hockey“. Tempo, Technik und Taktik, darauf kommt es an. Richtig gut können das die „Black Knights“ des 1. Elektrorollstuhl-Hockeyclubs (ERHC) Dreieich. Sie sind dreifacher Deutscher Meister. Von Chiara Kaldenbach 

National und international schwimmen die Dreieicher auf der Welle des Erfolges: 2016, 2017 und 2018 waren sie Bundesliga-Meister, zuletzt gewann das Team mit fünf Nationalspielern ein Turnier in Zürich. Trotz ihrer schweren körperlichen Behinderungen beweisen die „Black Knights“, dass Teamsport auch im Elektrorollstuhl funktioniert. „Mit dem Sport werden unsere Spieler von ihren Alltagsorgen abgelenkt. Sie kommen aus ihrer Isolation heraus“, erklärt Vorstandsvorsitzender Günter Keller. E-Hockey trage zu ihrer körperlichen und geistigen Stabilität bei.

Keller gründete den ERHC 1994, um seinen körperlich behinderten Söhnen Gregor und Florian Keller einen Sport zu ermöglichen. Die Schwarzen Ritter, die mit 23 Mitgliedern aus einer Schulmannschaft hervorgingen, sind einer der erfolgreichsten Clubs in Deutschland. „Doch das war nicht immer so“, erzählt Kapitän Armin Ceric, der seit 1996 aktiv ist. Gerade am Anfang „haben wir oft auf den Deckel bekommen“, erinnert sich der Offenbacher.

Die Niederlagen haben den Bürokaufmann geärgert. „Ich bin einfach ein Gewinner-Typ und kann schlecht verlieren.“ Den Spaß am Sport habe er aber auch in schlechten Zeiten nicht verloren. Es gehe schließlich auch um „Nervenkitzel, Herausforderung und Gemeinschaft“, ergänzt Trainer Gerd Autenrieth. Seit acht Jahren trainiert der Behindertenbetreuer das Dreieicher Team.

„Es ist wahrscheinlich für jeden Sportler etwas Besonderes, wenn man sagen kann, ich bin, in dem was ich tue, einer der Besten der Welt“, sagt Autenrieth. „Besonders“ fühlt sich auch Black Knights- Torhüterin Jessica Trommer. Die 29-jährige Bürokauffrau aus Rüsselsheim wurde bei der Weltmeisterschaft in Italien, bei der das deutsche Team den vierten Platz belegte, als beste Torhüterin ausgezeichnet.

Einmal in der Woche wird drei Stunden lang in der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich trainiert. Bei den „Black Knights“ vermischen sich im 20-köpfigen Team Männer und Frauen aus unterschiedlichen Altersklassen. Insgesamt ist es eine zusammengewachsene Gruppe, die Günter Keller gerne als „Familie“ bezeichnet. Der Jüngste ist gerade mal zehn Jahre alt, der älteste 48.

Zudem gibt es verschiedene Behinderungen, die die Spieler unterschiedlich stark einschränken. Die Sportler werden daher für die Wettbewerbe in ein Punktesystem eingeordnet. Dieses bewertet die körperlichen Voraussetzungen. Kriterien: Wie beweglich ist der Spieler? Wie viel Kraft hat er? Die Skala reicht von 0,5 bis 5,0 Punkte. Ein Spieler mit 0,5 Punkten ist nach der Regel deutlich eingeschränkter als ein Spieler mit fünf Punkten. Außerdem bestimmt das System, welche Art von Schläger benutzt werden darf. So sind für Spieler mit bis zu einem Punkt feste Schläger am Rollstuhl montiert. Akteure über dieser Marke dürfen hingegen Handschläger benutzen. Um Chancengleichheit zu gewährleisten, darf eine Mannschaft insgesamt nicht mehr als zwölf Punkte aufweisen.

„Tempo, Technik und Taktik“, sind laut Trainer Autenrieth das Erfolgsrezept beim E-Hockey. Mit bis zu 15 Kilometern pro Stunde flitzen die Rollstühle auf internationalen Turnieren auf der Spielfläche hin und her. Je niedriger die Spielklasse, desto strenger ist die Geschwindigkeitsbegrenzung. So dürfen die Rollstuhlfahrer in der ersten Liga 13 Kilometern pro Stundeund in der zweiten Liga nur noch zehn Kilometern pro Stunde fahren.

Trotz der vielen Erfolge fehlt es dem Verein an Geld und Sponsoren. Allein ein sportgerechter Rollstuhl kostet an die 20 000 Euro. Finanziert wird dies hauptsächlich durch Spenden. „Es ist ein Kampf“, sagt Autenrieth über die Finanzierung des Sports, in dem die Dreieicher große Ambitionen haben. Das Ziel der Dreieicher „Black Knights“ ist nach der Dominanz in der Bundesliga nun international ausgerichtet: Europas beste Mannschaft werden oder am liebsten gleich der ganzen Welt.

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