„Einer der wichtigsten Vereine“

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Eine Szene vom Finale der deutschen Florettmeisterschaften 2011 vor großer Kulisse in der Offenbacher Stadthalle: Der Tauberbischofsheimer Benjamin Kleibrink, Olympiasieger 2008 in Peking (vorn), setzt sich gegen Marius Braun ( OFC Bonn) durch. Foto:

Offenbach - Dr. Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hält am Samstag (ab 11 Uhr) im Frankfurter Römer die Festansprache zum 100-jährigen Bestehen des Deutschen Fechterbundes. Von Holger Appel.

Der Fechtclub Offenbach von 1863 zählt mit dem Wiesbadener FC und dem Darmstädter FC zu den drei Gründungsmitgliedern des Verbandes. FCO-Präsident Waldemar Krug erhält heute für den Fechtclub die Sportplakette des Bundespräsidenten.

Der 57 Jahre alte Bach kommt aus dem Fechtsport. Er gewann bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal mit der deutschen Florett-Mannschaft den Titel. Er war zudem zweimal Weltmeister.

Herr Bach, wie schätzen Sie die sportliche Entwicklung bei den Fechtern im Leistungsbereich ein?

2008 haben die Fechter zwei Olympiasiege zum guten Resultat der Deutschen Olympiamannschaft beigesteuert. Doch gerade in den Kampfsportarten liegen Sieg und Niederlage besonders dicht beisammen, im Bruchteil einer Sekunde kann sich alles entscheiden. Eben auch gegen unsere Fechter, das hat sich gerade wieder bei den jüngsten Weltmeisterschaften gezeigt. Aber gerade deshalb sehe ich durchaus Möglichkeiten zum Erfolg in London 2012.

Was gibt es zu verbessern? Wie und wo kann man ansetzen?

Da müssen Sie die Experten des Verbandes fragen. Ganz allgemein ist aber sicher richtig, so schnell wie möglich die Konsequenzen aus den Erfahrungen der Weltmeisterschaften zu ziehen; denn die Konkurrenz wird erfahrungsgemäß bei den Olympischen Spielen noch besser vorbereitet und noch stärker sein als in diesem Jahr.

An welche Konsequenzen denken Sie?

Ich halte es einfach für nötig, dass Konsequenzen aus dem WM-Abschneiden gezogen werden. Das sehen ja auch die Fechter so. Nur welche Konsequenzen das sind, ist Sache der Trainer, die sich mit der Analyse beschäftigen.

Der Deutsche Fechter-Bund feiert sein 100-jähriges Bestehen. Was fällt Ihnen zu einem der Gründungsmitglieder, dem Offenbacher Fechtclub, ein?

Einiges. Der Fechtclub Offenbach ist nicht nur als Gründungsmitglied einer der wichtigsten Vereine in Deutschland, sondern vor allem, weil er großen Einfluss aufs nationale und auch internationale Fechten hatte und einige der größten Fechterinnen und Fechter des Landes hervorgebracht hat.

Wer fällt Ihnen da ein?

Jakob Erckrath-de-Bary, der Begründer und erste Präsident des Deutschen Fechter-Bundes, war Offenbacher. Er war Taufpate bei der Gründung des internationalen Verbandes FIE 1913 in Paris und holte die ersten italienischen Fechtmeister nach Deutschland. Und er hat mit seinem Vereinskameraden August Petri in der Säbelmannschaft 1906 auch die erste deutsche Goldmedaille im Fechten erkämpft. Erster großer Star war sicherlich Helene Mayer, die blonde He, die Olympiasiegerin 1928 und Zweite von 1936, die zwar während der NS-Zeit nach Amerika emigrieren musste, aber immer Mitglied des FCO blieb.

Zu Ihren aktiven Zeiten stand auch die Offenbacherin Cornelia Hanisch auf der Planche...

Natürlich erinnere ich mich gern an meine Nationalmannschafts-Kollegin Cornelia Hanisch. Wir haben beide darunter gelitten, dass die Spiele 1980 in Moskau dem Boykott zum Opfer fielen. Aber Conny hat ihre Karriere danach noch fortgesetzt, war noch dreimal Weltmeisterin, Mannschaftsolympiasiegerin und Zweite im Einzel in Los Angeles 1984. 1985 wurde sie sogar zur Sportlerin des Jahres gewählt.

Wie sehen Ihre aktuellen Verbindungen nach Offenbach aus?

Mit dem Offenbacher Fechten verbinde ich vor allem Hans Hubert, den langjährigen Vorsitzenden und mittlerweile Ehrenpräsidenten, der seit nunmehr 70 Jahren im Verein aktiv ist.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in Offenbach?

Es gibt ja schon wieder neue Talente, wie ich gehört. habe. Erst gerade ist ja die Degenfechterin Nadine Stahlberg deutsche Jugendmeisterin geworden. Eine solche Kontinuität können nicht viele Vereine vorweisen.

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