„Wir haben keine Lobby“

Thomas Sinnß über die Faszination und Schattenseiten des Kegelsports

Offenbach - Der demografische Wandel ist in vollem Gange. Und er trifft Sportarten, die lange als deutsche Domänen galten. Von Jörg Moll

Wie bewerten Sie die Lage bei den Hainstädter Keglern?
Wir haben fünf Mannschaften und auch dank guter Bahnen und eigener Räumlichkeiten eine gute Basis. Unsere erste Mannschaft spielt wie auch das Damenteam in der Hessenliga, die zweite Herrenmannschaft in der Gruppenliga. die dritte in der Bezirksliga. Die zweiten Damen treten in der Bezirksoberliga an. Aber wir haben keine Jugendmannschaft und nur einen Jugendlichen, der in der zweiten und dritten Mannschaft aktiv ist.
Fußball, Handball, Basketball, Tennis - alles Sportarten, die Nachwuchs auch über Starkult und TV-Präsenz locken. Wie aber gelingt das Keglern?
Das ist schwierig. Ich selbst merke zwar, dass ich nach meinem Deutschen Meistertitel öfter angesprochen werde. Aber die breite Masse weiß davon nichts, weil die Medienpräsenz fehlt. Wir haben keine Lobby. Früher war es oft so, dass die Kinder der kegelnden Eltern auch zu diesem Sport gekommen sind. Mein Vater hat mich auch dazu gebracht. Heute ist das nicht mehr zwingend der Fall.
Stimmt die Formel: Wer kegelt, muss Zeit haben?
Das kann man so sagen. Ein Punktspiel mit der Mannschaft dauert schon mal fünf, sechs Stunden. Das kann schon mal langweilig werden. Ein anderes Problem ist: Wenn man in dieser Sportart oben mitspielen will, muss man mindestens sechs, sieben Jahre viel trainiert haben. Denn Kegeln besteht aus sehr komplexen Abläufen. Da kostet es viel Energie, die Leute bei Laune zu halten. Man muss eigentlich viel mehr bieten.
Ihr Verein, der sich seit einiger Zeit „Hainstädter Haie“ nennt, wirbt auf seinem Facebook-Auftritt mit der Faszination Kegeln. Was ist für Sie das Faszinierende?
Es ist die Gemeinschaft, die mich fasziniert. Ich treibe Sport unter Gleichgesinnten, kann mich im Wettkampf messen. Ich selbst strebe immer nach der perfekten Bewegung. Es gibt Tage, da erreicht man diese 100 Prozent. Dazu ist auch mentale Stärke wichtig. Bei den Deutschen Meisterschaften habe ich am zweiten Tag einen solchen Flow gespürt. Siegen gehört natürlich zur Faszination. Wichtig ist mir aber auch, andere zu führen und zu formen. Ich möchte meine Mitspieler und Mitspielerinnen weiterentwickeln.
Wie sind Sie denn zum Kegeln gekommen?
„Bewegungsmonster“ Thomas Sinnß zählt seit vielen Jahren zu den herausragenden Keglern des KSC Hainstadt.

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