Fußball

Torwarttalent Niklas Wenzel kehrt zu seinen Wurzeln bei der TSG Niederdorfelden zurück

Zurück im heimischen Tor: Niklas Wenzel ist nach den Stationen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 zurück in Niederdorfelden.
+
Zurück im heimischen Tor: Niklas Wenzel ist nach den Stationen Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 zurück in Niederdorfelden.

Viele junge Kicker träumen von einer Karriere als Fußballprofi. Auch wenn es am Ende nur ein minimaler Bruchteil der angehenden Maradonas, Peles oder Kahns schafft, gibt es doch einige, die zumindest einmal kurz an einer möglichen höherklassigen Laufbahn schnuppern durften.

Niederdorfelden – Einer von ihnen ist Niklas Wenzel, der nach der E-Jugend von der TSG Niederdorfelden als Torwarttalent den Sprung zur U13 von Eintracht Frankfurt gewagt hatte. Zwei Jahre entwickelte er sich in der Jugend des Bundesligisten, ehe er nach wenig Einsatzzeit sein Glück bei Darmstadt 98 versuchte. Aber auch dort kam er seinem Wunschziel nicht wie erhofft näher.

Rückblickend analysiert der hochgewachsene 18-Jährige, dass es damals bei den Lilien zu einem Bruch gekommen ist. „Ich wusste immer, dass es schwer werden würde, dass es nur ganz wenige schaffen würden. Aber ich habe mich zwischen Schule und den vier Übungseinheiten pro Woche aufgerieben. Das hat letztlich mein Körper nicht mehr mitgemacht.“

Körper des jungen Talents macht die Strapazen nicht mit

Niklas Wenzel spielt auf seine Statur an. Schon bei seinen ersten Gehversuchen zwischen den Pfosten war der Fan der SGE eher schmal gebaut und dementsprechend körperlich im Hintertreffen mit der Konkurrenz, was sich ob des immensen Trainingspensums auch in einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten bemerkbar gemacht hatte. „Ich war oft erkältet. Und irgendwann hat es auch einfach nicht mehr gelangt. Da habe ich für mich entschieden, dass es nichts bringt, es zu erzwingen. Der Wunsch, Profi zu werden, hat sich nicht mehr richtig angefühlt. Ich hatte nicht mehr den Biss, sodass es besser war, einen Schritt zurückzugehen.“

Der American-Football-Fan, der in seiner Freizeit gerne Skateboard fährt, entschied sich für Erlensee, wo er zunächst mit der U17 in der Hessenliga glücklich wurde – später aber aufgrund der Mehrbelastung in der Oberstufe erneut auf die Bremse trat und die Torwarthandschuhe an den Nagel hängte.

Seitdem ist viel passiert. Niklas Wenzel schreibt nicht nur in wenigen Wochen an der Albert-Einstein-Schule in Maintal sein Abitur. Der Schüler mit den Leistungskursen Sport und Englisch hat sich auch körperlich verändert. Vor knapp einem Jahr machte Niklas Wenzel innerhalb kürzester Zeit einen extremen Wachstumsschub von rund 15 Zentimeter, ist jetzt stolze 2,02 Meter groß und drahtiger gebaut.

Nach Fußballpause ist Niklas Wenzel zurück bei seinem Jugendverein

Außerdem hat der Schlussmann, dessen Idol Frankfurts Kevin Trapp ist, auch wieder ein neues Team gefunden. Niklas Wenzel steht nach zwei Jahren ohne Fußball wieder bei seinem Jugendverein unter Vertrag, nachdem mit Moritz Meinhardt und Alex Holhorst zwei Mitschüler aus der ersten Mannschaft Niederdorfeldens ihn überredet haben, es noch einmal zu versuchen.

„Beide haben mich gefragt, ob ich nicht wieder Lust hätte. Das war der ausschlaggebende Punkt, es noch einmal zu versuchen“, so Niklas Wenzel, der seine Stärken in Eins-gegen-Eins-Situationen, der Technik und Reaktionsschnelligkeit sieht, seinem früheren Torwart-Ich aber eine ausbaufähige Strafraumbeherrschung und Präsenz auf dem Platz attestiert.

Dass sich der zielstrebige Keeper – trotz der durchaus langen Pause, in der er vor allem im Fitnessstudio etwas mehr Muskelmasse aufgebaut hat – von einer Rückkehr überzeugen ließ, sieht vor allem seinen neuen Coach Florian Reitmaier positiv. Denn der hat nunmehr die Qual der Wahl, aus vier Torhütern seine Nummer eins zu bestimmen.

Niklas Wenzel, mittlerweile in der Außendarstellung selbstbewusster als zu Jugendzeiten, als auch Nils Pracht, Dennis Küster und Adam Özer haben dabei allesamt die gleiche Chance, sich durchzusetzen.

Vier Tormänner kämpfen um den Status der Nummer eins

„Das Torwartrennen startet bei null. Alle vier sind bei mir gleich auf. Ich freue mich auf die Arbeit mit allen. Dann werden wir sehen, wer den besten Eindruck hinterlässt“, erklärt Reitmaier, der sich über die Rückkehr von Niklas Wenzel auf den Platz freut: „Ich habe keinerlei Erwartungsdruck. Niklas soll wieder Spaß am Fußball finden und wieder reinkommen.“

Niklas Wenzel wiederum weiß ebenfalls, dass es keine Vorschusslorbeer für seine Zeit bei der Eintracht und die gute Ausbildung gibt, zumal er die vergangenen zwei Jahre außer im Schulsport nicht mehr richtig gekickt und erst vor Kurzem eine Rippen-Operation überstanden hat: „Ich will hier nicht so die Szene machen. Ich habe lange nicht mehr gespielt und muss auch erst wieder reinkommen, Spielpraxis sammeln. Ich hoffe, die Jungs behandeln mich wegen meiner Vergangenheit nicht anders.“

Aber natürlich ist die Rückkehr in den aktiven Spielbetrieb auch mit einer Erwartungshaltung verbunden, wie der Abiturient, der nach seiner Schullaufbahn zunächst ein Berufspraktikum im Sportmanagement anstrebt, ehe es auch im Studium in dieselbe Richtung gehen soll, zugibt: „Ich habe den Ehrgeiz, zu spielen. Ich komme nicht hierher, um dann die ganze Saison auf der Bank zu sitzen. Das habe ich in Frankfurt und Darmstadt schon erlebt. Das ist nicht schön. Ich bin entschlossen, mich durchzusetzen.“ (Von Oliver Kraus)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare