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Trainer vor Traumfinale genervt: Ljubicic schimpft über Verletzungspech, Breideband ärgert Pleitenserie

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Von: Gert Bechert

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Wieder im Finale: Dorian Ahouandjinou (weißes Trikot) erzielte vor neun Jahren im Endspiel ein Tor für Hanau 93 gegen Erlensee. Das würde er gerne am Montag wiederholen, dann aber für seinen heutigen Verein, den FCE. Tarik Sejdovic und die 93er wollen den Titelverteidiger stürzen.
Wieder im Finale: Dorian Ahouandjinou (weißes Trikot) erzielte vor neun Jahren im Endspiel ein Tor für Hanau 93 gegen Erlensee. Das würde er gerne am Montag wiederholen, dann aber für seinen heutigen Verein, den FCE. Tarik Sejdovic und die 93er wollen den Titelverteidiger stürzen. © Scheiber

Traditionell findet am Montagnachmittag das Endspiel des Hanauer Fußball-Kreispokals statt. Erstmals in der Geschichte stehen sich dabei im Herbert-Dröse-Stadion mit dem FC Hanau 93 und dem FC Erlensee zwei Hessenligisten gegenüber. Und beide Trainer sind angefressen - aus unterschiedlichen Gründen.

Hanau – Im Traumfinale des Hanauer Fußball-Kreispokals stehen sich am Pfingstmontag um 16 Uhr im Herbert-Dröse-Stadion der FC Erlensee und der FC Hanau 93 gegenüber. Ein Endspiel zweier Hessenligisten hat es im Fußballkreis Hanau noch nie gegeben. Entsprechend hoch sind die Zuschauererwartungen, sie schwanken zwischen 800 bis 1 000. Hanaus Coach Kreso Ljubicic hofft sogar auf einen neuen Zuschauerrekord, was sehr ambitioniert klingt. Den gab es 2018 im Hanauer Stadtderby zwischen Hanau 93 und dem SC 1960 Hanau (1:0 n.V.), als 1 350 Besucher gezählt wurden.

Allgemein wird ein Spiel auf Augenhöhe erwartet. In der Punktrunde siegte Erlensee vor eigenem Publikum 4:0, im Rückspiel hatten die 93er mit 3:1 die Nase vorne. Ein „unglaubliches Verletzungspech“ (Ljubicic) der 93er hat die Vorzeichen aber stark verändert. „Ich hätte uns nach der sehr gut gelaufenen Abstiegsrunde sogar in der Favoritenrolle gesehen, nach jetzigem Stand nicht mehr“, sagt Ljubicic. Im ungünstigsten Fall drohen ihm acht Stammspieler auszufallen, auch er selbst zählt dazu. „Jeder weiß, wie gerne ich im Pokalfinale dabei gewesen wäre, meine Knieprobleme lassen einen Einsatz aber nicht zu.“

Neben dem Ex-Profi stehen Tolga Ünal, Dennis Gogol (beide Schulter-OP), Niklas Biehrer (Nasen-OP), Cem Kara (Sehnenanriss), Deniz Topcu (Schulterverletzung) und der gesperrte Kristijan Bejic nicht zur Verfügung. Bei Bejic hofften die Verantwortlichen vergeblich auf eine Reduzierung der Sperre auf zwei Spiele. Der Einspruch war aber nicht umsonst. Das Sportgericht reduzierte die Sperre von vier auf drei Spiele, womit Bejic nach dem Pokalfinale wieder spielberechtigt ist.

Bei Semih Sentürk (Oberschenkelverletzung) bestehen noch geringe Chancen auf einen Einsatz. „Hier zählt jeder Tag“, hofft Ljubicic auf eine Last-Minute-Heilung. Den 33-Jährigen regt der personelle Engpass „furchtbar auf“, aus dem Saisonhighlight droht ein Albtraum zu werden.

Überraschungen in Erlensees Startelf sind denkbar

Jochen Breideband lassen die Personalprobleme des Gegners kalt. „Das ist für mich völlig irrelevant und interessiert mich nicht. Mein Fokus liegt vollkommen auf meiner Mannschaft“, sagt der Übungsleiter des FCE. Für ihn zählt einzig und alleine der Titel. Und dafür sind einige Hausaufgaben zu erledigen. Zum Beispiel das Verarbeiten der letzten drei Saisonniederlagen, die Breideband „richtig nerven“.

Er räumt ein, dass in den vergangenen Spielen der Spannungsbogen nachgelassen hat. „Sobald die Leistung um einige Punkte sinkt, bekommt man Probleme.“ Dies müsse raus aus den Köpfen, fordert er.

Überraschungen in der Startelf schließt Breideband nicht aus. Die taktische Marschroute ist dagegen klar: „Wir müssen mit viel Tempo den Gegner unter Druck setzen.“ Sofort in den fünften Gang schalten lautet die Devise Breidebands. Aber auch er hat Ausfälle zu beklagen. Nico Hixt, Maurice Koloczek, Jona Spindler und Jack Forster sind verletzt. Moritz Kreinbihl weilt noch bis September beruflich in den USA, der Einsatz von Nico Damm ist fraglich. Im Gegensatz zu Ljubicic kann Breideband aber auf einen großen Kader zurückgreifen.

Hanau 93 hat gute Erinnerungen ans Finale im Jahr 2013

Bei Adolfo Alonso weckt die Partie alte Erinnerungen. 2013 standen sich beide Vereine erstmals in einem Kreispokalfinale gegenüber, unter gänzlich anderen Bedingungen. Alonso, heute zweiter Vorsitzender der 93er, war damals Trainer des HFC, der in der Kreisoberliga spielte. Erlensee war als Gruppenligist klar favorisiert. Es sollte anders kommen. Durch zwei Tore von Nikola Mamic und Dorian Ahouandjinou gewannen die 93er vor 700 Zuschauern 2:0 und läuteten das Hessenpokal-Märchen ein, als der Kreisoberligist erst im Viertelfinale vom FC Bayern Alzenau gestoppt wurde.

Apropos Ahouandjinou. Der 29-Jährige ist der einzige Spieler, der neun Jahre später wieder im Endspiel steht, diesmal allerdings in den Farben des FC Erlensee. Nach dem Pokalsieg wechselte er zur SG Bruchköbel, wo er mit einjähriger Unterbrechung bis letzten Sommer spielte.

Für Chris Sickmann war die damalige Niederlage eine große Enttäuschung, auch weil er verletzt fehlte. „Ich musste noch acht Jahre auf den ersten Kreispokalsieg im vergangenen Jahr gegen Germania Dörnigheim warten“, berichtet der heutige sportliche Leiter des FCE.

Auch für die Erlenseer wurde der Hessenpokal zu einem tollen Erlebnis. Erst im Achtelfinale kam das Aus gegen die SG Barockstadt. Breideband und Ljubicic lockt der Hessenpokal, „das kann zu einem Präsentierteller gegen höherklassige Vereine werden“, meinen beide. Daher kann am Pfingstmontag mit kurzweiligen 90 oder 120 Minuten gerechnet werden.

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