„Trainerqualität ist große Baustelle“

Tim Michel verlässt TV Langen nach zwei Jahren

Langen - Zwei Spielzeiten trainierte Tim Michel die Regionalliga-Basketballer des TV Langen. Nach dem letzten Spiel am Freitag in Limburg ist Schluss. „Wir hätten gerne mit Tim weitergemacht“, sagt Manager Jürgen Barth.

Tim Michel

Im Interview mit Redakteur Jörn Polzin spricht der 28-jährige Michel über seine Beweggründe, große Baustellen und Perspektiven.

Herr Michel, der TV Langen hat den Ligaerhalt vorzeitig geschafft, der Manager lobt Sie für die gute Arbeit. Warum haben Sie sich entschieden, den Klub zu verlassen?

Die Entscheidung ist mir wirklich nicht leicht gefallen. Aber letztlich war es die Summe der Dinge, die mich zu dem Schritt veranlasst hat.

Wie meinen Sie das?

Ich arbeite Vollzeit bei einer Großbank und gehöre zum Betreuerstab des U18-Nationalteams. Außerdem darf ich an einem Ausbildungsprogramm des europäischen Basketball-Verbands teilnehmen. Etwas Zeit für die Familie sollte bleiben. Daher habe ich mich entschieden, einen Schritt zurückzumachen und etwas Tempo rauszunehmen.

Haben die überschaubaren Möglichkeiten in Langen Ihre Gedanken beeinflusst? Stichwort Perspektive

Das war nicht ausschlaggebend. Es ist aber so, dass man in Langen nach wie vor eine Perspektive haben kann. Dafür müsste man sich etwas professioneller aufstellen.

Die Frage ist nur wie...

In Langen wird die meiste Arbeit von Ehrenamtlichen getragen. Das war schon immer so, bricht aber irgendwann etwas weg. Das ist dann schwierig aufzufangen. Ein wichtiger Punkt: Wie bilde ich die Spieler richtig aus?

Ihre Antwort...

Eine große Baustelle ist sicher die Trainerqualität. Die Anzahl wirklich qualifizierter Kandidaten ist überschaubar. Es wird auch leider wenig in dieser Richtung getan.

Wie lässt sich das beheben?

Es würde helfen, mehr in Trainer zu investieren. Klar kostet das. Aber vielleicht bringt beispielsweise ein junger Assistenztrainer, der über die Jahre von älteren lernen kann mehr, als das Geld für einen Spieler auszugeben.

Ist das ein Grund, warum die Bundesligateams der U16 und U19 im Abstiegskampf stecken und die größten Talente den Verein wechseln?

Das Abwandern kann man nicht verhindern. Klar ist es schade, wenn Spieler wie Jona Hoffmann, Leon Püllen oder Niklas Pons den Klub verlassen. Aber sie würden wohl zurückkommen, wenn sie den Sprung anderswo nicht schaffen. Daher ist es wichtig, den Jungs eine sportliche Heimat zu geben, den anderen Vereinen auf Augenhöhe zu begegnen und das Miteinander zu fördern. Es gibt ja auch Spieler, die von den Skyliners zu uns gekommen sind. Und die sind gut ausgebildet. Wie Leander Sielaff und Lukas Beuschlein.

Aber könnte ein ausschließlich mit Talenten gespicktes Team in der Regionalliga überhaupt oben mitspielen?

Wenn man sich Schwenningen anschaut, die nur mit ausländischen Spielern Meister geworden sind, wohl eher nicht. Aber auch das wird sich wieder normalisieren. Dass man auch mit nur einem Amerikaner, Preston Ross, durchaus mitspielen kann, sieht man an uns.

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Dennoch reicht es nicht zum angepeilten Platz unter den Top 5. Woran liegt das?

Wir haben unser Ziel nicht erreicht, das stimmt. Das lag auch daran, dass wir auf den Schlüsselpositionen etwas Probleme hatten. Ich hätte gerne einen Ersatz für Center Davor Karamatic gehabt, dann wäre es entspannter geworden. (lacht).

Ist ein Aufstieg in die ProB mittelfristig überhaupt denkbar? Oder bräuchte man dafür drei Preston Ross?

Ob man drei Preston braucht, weiß ich nicht (lacht). Aber er könnte sicher auch in der ProA ein guter Rollenspieler sein, was für seine Qualität spricht. An den Aufstieg in die ProB glaube ich eher nicht, wobei es auch ohne prall gefüllten Geldbeutel möglich wäre. Mit Änderungen auf zwei, drei Positionen.

Sieht man Sie denn künftig nicht mehr als Vereinscoach?

Ausschließen kann ich nicht, dass ich im September wieder in der Halle stehe. Es gibt das eine oder andere Angebot, aber meine Intention ist es erstmal nicht.

Rubriklistenbild: © dpa

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