Leichtathletik

U20-Europameisterin Sarah Vogel holt auch nationalen Titel

Beeindruckende Flugshow: Die Seligenstädterin Sarah Vogel überquerte als einzige Stabhochspringerin bei den Meisterschaften in Rostock die 4,15 Meter.
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Beeindruckende Flugshow: Die Seligenstädterin Sarah Vogel überquerte als einzige Stabhochspringerin bei den Meisterschaften in Rostock die 4,15 Meter.

Wenige Tage nach ihrem Triumph bei der U20-EM hat sich Stabhochspringerin Sarah Vogel (Seligenstadt) auch zur deutschen Meisterin in ihrer Altersklasse gekürt. Eine harte Schule führte derweil Constanze Paoli (SSC Hanau-Rodenbach) zu Bronze über 2000 Meter Hindernis.

Seligenstadt/Hanau – Kälte, Regen, starker und wechselnder Ostsee-Wind? Nicht gerade die besten Bedingungen für Leichtathleten, erst recht nicht für jene, die es in die Höhe zieht. Doch eine U20-Europameisterin wie Sarah Vogel kann in diesen Tagen so schnell nichts aus der Bahn werfen. So meisterte die Seligenstädterin auch am Samstagabend den „mysteriösen Wettkampf“ von Rostock mit Bravour und krönte sich zwei Wochen nach dem Triumph in Tallinn zur deutschen U20-Meisterin.

„Ich wollte noch mal zeigen, dass ich Stabhochspringen kann und freue mich, dass ich so gut mit den schwierigen Bedingungen zurechtgekommen bin“, sagte Vogel, die damit einen kleinen Fluch beendete. „Die letzten drei Jahre kam immer etwas anderes dazwischen, da stand ich mit der DM schon auf Kriegsfuß“, betont die 19-Jährige. Nach ihrem U16-Titel von 2017 schließt sich damit im letzten Jugendjahr ein Kreis. Genug Aufwind für kommende Aufgaben gibt Vogel auch die Siegeshöhe von 4,15 Metern, mit der sie die Konkurrenz deutlich distanzierte.

Nach übersprungenen 3,92 Metern standen die Medaillengewinnerinnen fest: Laura Giese (TSV Bayer 04 Leverkusen), Chiara Sistermann (TSV Gräfelfing) und eben Vogel von der LG Seligenstadt. Doch während die Rivalinnen anschließend patzten, überquerte die Favoritin als Einzige die 4,02 Meter und sogar die 4,15 Meter. Im Gefühl des sicheren Sieges versuchte sich die Seligenstädterin noch an der Rekordhöhe von 4,31 Metern (Bestmarke: 4,30 Meter) – vergeblich. „Ohne Zuschauer, Stimmung und Gegnerdruck hat das nicht mehr so geklappt, aber das spielt keine Rolle.“

Entspannung ist für Vogel nach der erfolgreichen Titeljagd noch nicht angesagt. Das verhindern alleine die studentischen Verpflichtungen. „Daher haben wir entschieden, die Saison noch etwas zu zu verlängern und ein paar Wettkämpfe zu springen“, so die U20-Meisterin.

Für einen Paukenschlag am Sonntagvormittag sorgte Constanze Paoli vom SSC Hanau-Rodenbach, die ihren Trainer und Vereinsvorsitzenden Sascha Arndt völlig euphorisch zurückließ. Sein Fazit nach Paolis Bronzelauf über 2000 Meter Hindernis: „Das war sicher das stärkste Rennen, das Constanze je gezeigt hat.“ Dabei ging es denkbar unglücklich los für die SSC-Athletin, die erst in diesem Jahr in die U20 aufgerückt ist und bis dato eine Bestzeit von 6:52,90 Minuten zu Buche stehen hatte. Am ersten Wassergraben stürzte Paoli, berappelte sich aber und lief die Lücke zur Konkurrenz schnell wieder zu. „Sie hat sich offensiv gezeigt, ist kraftvoll gelaufen und hat in der Verfolgergruppe immer alles im Blick gehabt“, lobt Arndt die taktische Ausrichtung seines Schützlings.

Als es dann richtig zur Sache ging, hielt Paoli dagegen und schaffte es, als Dritte die eine oder andere Favoritin hinter sich zu lassen. Im Ziel hatte sie ihre Bestzeit um mehr als vier Sekunden auf 6:48,48 Minuten verbessert. „Bronze ist super und kommt unerwartet“, sagt Arndt. Die Steigerung führt der SSC-Trainer auf die besondere Vorbereitung in Oberstdorf zurück. „Da ist Constanze zweimal das Nebelhorn hochgelaufen. Wenn man auf zehn Kilometern 1400 Höhenmeter zurücklegt, ist das eine harte Schule. Da wirft einen so ein Sturz nicht aus der Bahn. Die Dauerläufe haben das I-Tüpfelchen gebracht.“

Beinahe hätte es dieses auch für Paolis Vereinskollegin Vanessa Mikitenko gegeben. In der U18-Konkurrenz kam sie über 3000 Meter als Vierte ins Ziel und knackte in 9,57,14 Minuten erstmals die 10-Minuten-Marke. Nur eine Sekunde fehlte Mikitenko bei ihrer Meisterschaftspremiere zu Bronze. Die 16 Jahre alte Tochter der einstigen Marathon-Olympiateilnehmerin Irina Mikitenko war zugleich schnellste Läuferin ihres Jahrgangs (2005). „Sie ist ein sehr gutes Rennen gelaufen und war immer in der Spitzengruppe zu finden“, lobte Arndt. Nach 2000 Metern lag Mikitenko exakt auf 10-Minuten-Kurs, ehe sie nochmals beschleunigen konnte. Arndt: „Klar ist es schade, wenn man Bronze so knapp verpasst, aber wer beim Saisonhöhepunkt Bestzeit läuft, hat alles richtig gemacht.“

Von Jörn Polzin

Unaufhaltsam zu Bronze: Constanze Paoli.

Dellert nach Fehlstart disqualifiziert

Sie verzog die Miene, stemmte die Hände in die Hüfte und ahnte, was folgen würde: die Rote Karte. Aus im Halbfinale über 100 Meter. Für Vize-Europameisterin Antonia Dellert endete der letzte Saisonhöhepunkt mit einer herben Enttäuschung. Die für das Sprintteam Wetzlar startende Seligenstädterin war einen Tick zu früh aus dem Startblock gekommen und wurde disqualifiziert. Dabei zählte die 19-Jährige zu den Titelkandidatinnen und hatte im Vorlauf in 11,79 Sekunden die schnellste Zeit aller Athletinnen erzielt. So triumphierte Cheyenne Kuhn (Neubrandenburg) im Finale in 11,80 Sekunden.  (jp)

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