RUGBY Zweitliga-Aufsteiger Offenbach strebt Durchmarsch an / Frankfurt als Vorbild

„Unser Leuchtturm soll hell strahlen“

Rugby ist Raufen nach Regeln– und manchmal undurchsichtig: Hier versuchen die Akteure des BSC 1899 Offenbach (schwarze Trikots) im Spiel beim RK Heusenstamm II, den Ball zu sichern. Bald soll es das Derby in der 1. Bundesliga geben. Foto: sperl

Offenbach – Bruno Vrga ist bei der Rugby-Abteilung des BSC Offenbach so etwas wie die Abteilung Attacke. Er prescht verbal gerne mal vor – wie bei der sportlichen Zielsetzung. „Ich weiß nicht, ob schon mal jemand direkt von der 3. VON CHRISTIAN DÜNCHER

Liga bis zur deutschen Meisterschaft marschiert ist. Aber unmöglich ist nichts“, sagt Vrga mit Blick auf den extrem verstärkten Kader der Offenbacher.

Die erste Stufe hat der BSC mit Leichtigkeit genommen, ist als souveräner Meister der Regionalliga Hessen in die 2. Liga West spaziert. Doch die soll nur eine kurze Zwischenstation sein. „Das Ziel ist der Aufstieg, wir wollen den Durchmarsch. Und in der 1. Liga wollen wir im ersten Jahr in die Top 3 kommen“, sagt Vrga. „Wir brauchen unsere erste Mannschaft als Leuchtturm und er soll hell strahlen.“ Denn: Jugendspieler benötigen Vorbilder, zu denen sie aufblicken können.

„Unser primäres Ziel ist die Nachwuchsarbeit. Und das ist nicht bloß Gerede“, stellt der ehemalige Stürmer klar. „Bis Mitte 2020 wollen wir in jeder Altersklasse eine Mannschaft stellen. Aber wir wollen nicht zum Ausbildungszentrum für andere Vereine werden, sondern die Talente irgendwann in unsere erste Mannschaft integrieren.“

Ein Nachbar hat gezeigt, wie das funktionieren kann. Der SC Frankfurt 1880 war vergangene Saison Meister in allen Altersklassen, auch bei den Herren. Deren Topspieler trainieren seit Jahren auch die Jugend. Mit Erfolg.

„Frankfurt hat das super gemacht. Wir verfolgen dasselbe Prinzip“, gibt Vrga zu. Und so wurde in Mthunzi Moloi ein Spieler vom SC 1880 geholt, der das entsprechende Knowhow hat. Der Stürmer sei „der wichtigste Zugang“, sagt Vrga: „Er wird bei uns den gesamten Jugendbereich übernehmen.“ Damit beerbt der Südafrikaner Will Esau, von dem sich der BSC Offenbach getrennt hat.

Moloi unterstützen sollen zwei weitere „Profis“: Jeffrey Heinrich Erasmus (Südafrika) und Shane Gillham (Australien). Der slowenische Nationalspieler Matev Kadunc (bis Juni 2020) und der Engländer Nigel Southcombe kommen ebenfalls zum BSC.

Neu am Eichwaldweg ist zudem ein Septett vom Meister der 2. Liga West, TGS Hausen, das sich nach dessen Rückzug in die Regionalliga (wir berichteten) dem Nachbarn angeschlossen hat. „Wir haben aber keinen dieser Spieler aktiv angesprochen“, betont der BSC-Sprecher.

Neben Tobias Apelt, Giuseppe Piano, Alex Piano sowie den Rückkehrern Lukas Schwade und Marvin Seifert kommen auch Luca Frischkorn und Robert Haase (sagte Erstligist RG Heidelberg ab) aus Hausen. Haase, mit dem Siebener-Nationalteam kürzlich Europameister geworden, wird aber wohl nur vereinzelt zur Verfügung stehen. Da auch die neun Franzosen, die vergangene Saison für den BSC spielten, bleiben, ist der Konkurrenzkampf groß: „In den Kader zu kommen, ist nicht leicht“, so Vrga.

Für den Strippenzieher aus Split geht der BSC lediglich mit der Zeit. „Wer glaubt, mit zweimal Training pro Woche in der Bundesliga spielen zu können, irrt sich. Und wer glaubt, ohne finanzielle Mittel bestehen zu können, wird mittelfristig keinen Erfolg haben. Im deutschen Rugby setzen sich immer mehr semi-professionelle Strukturen durch. Das finde ich gut, das zeigt, dass es eine Entwicklung gibt“, meint der Kroate. „Auf drei, vier Schlüsselpositionen müssen Vollprofis eingesetzt werden, die im Optimalfall die Jugend trainieren. Mir persönlich hat es als junger Spieler gutgetan, solche Leute an der Seite zu haben. Ich bin daran gewachsen.“

Genauso soll nun der BSC wachsen. Vrga sagt, dass Offenbach „noch nie ein so gutes Team“ hatte. Er kann es beurteilen, war Trainer, als der BSC 2001 in der 1. Liga spielte und ebenfalls hohe Ziele verfolgte. Damals ging es jedoch steil bergab – bis in die Regionalliga. Doch es gibt einen Unterschied. „Diesmal haben wir die entsprechenden Mittel“, so Vrga.

Los geht es am Samstag um 15 Uhr mit dem Heimspiel gegen den RC Walferdange aus Luxemburg. Die Generalprobe ist gelungen. Am Wochenende gab es einen 59:7-Testspielsieg beim niederländischen RC Haarlem. „Unser Ziel ist der Aufstieg, ich habe keinen Zweifel, dass wir es schaffen werden“, so Trainer Wynston Cameron Dow.

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