Sportwart Frank Thies im Interview

„Verein hat mir alle Freiheiten gegeben“

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Neuland Bundesliga: Patrick Himmer muss sich mit der SG Hainhausen auf eine Außenseiterrolle einstellen. „Wir waren vier Jahre lang Gejagte, das kann also auch befreiend sein“, sagt Sportwart Frank Thies.

Es ist mit Abstand der größte Erfolg der Vereinsgeschichte: Die Kegler der SG Hainhausen stehen einen Spieltag vor Saisonende als Meister der 2. Bundesliga Mitte und somit als Aufsteiger in die Bundesliga fest.

Frank Thies - Hainhausens Sportwart

Rodgau – Für Sportwart und Trainer Frank Thies ist es die fast schon logische Folge eines auf fünf Jahre angesetzten Masterplans, der nun schon im vierten Jahr gekrönt wird. Der 55-jährige Sportwart und Trainer, in Bad Vilbel wohnend und beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach für die Ausbildung der Informatiker zuständig, war 2016 zur SG Hainhausen gestoßen, um in fünf Jahren ein Team zu formen, das erstklassig kegeln kann.

2016 noch Hessenliga, dann Dritter, Zweiter und nun Meister in der 2. Bundesliga: Wie erklären Sie sich das Erfolgsmärchen der SG Hainhausen?

Der Erfolg basiert auf hartem Training - auch wenn das nicht jeder gerne macht (lacht). Als ich 2016 zur SG Hainhausen kam, hat mir der Verein alle Freiheiten gegeben. Ich konnte somit das Konzept umsetzen, mit jungen, hungrigen Spielern durchzustarten. Der Verein ermöglichte mir, viel zu trainieren, Trainingslager zu organisieren.

Wie oft trainiert denn ein künftiger Bundesligist im Kegeln?

Einige Spieler trainieren viermal die Woche, andere, die beruflich stark eingespannt sind, auch nur ein- bis zweimal die Woche vor allem die Technik. Das ist natürlich nicht das, was Spaß macht, aber es ist notwendig. Und so mancher hat sich in den drei Jahren auch entschieden, diesen Weg nicht mitzugehen.

Was erwartet die SG Hainhausen in der 1. Bundesliga?

Der Sprung von der Hessenliga zur 2. Bundesliga ist schon groß, aber von der 2. in die 1. Liga ist es nochmal ein größerer. Zudem wird die Liga in den nächsten zwei Jahren von zwölf auf zehn Teams verkleinert, sodass es zu einem verstärkten Abstieg kommen wird.

Und das heißt für die SG Hainhausen?

Das heißt, dass wir bei vier Absteigern und einem Klub, der Relegationsspiele gegen die Zweitliga-Vizemeister bestreiten muss, nicht wirklich mit dem Klassenerhalt rechnen. In dieser Liga geht es auch schon um Geld, das wir aber nicht als Anreiz bieten können.

Und was ist dann die Motivation der SG Hainhausen, das Abenteuer Bundesliga anzugehen?

Wir wollen Erfahrungen sammeln und nicht Letzter werden. Und wenn wir dann absteigen sollten, wollen wir im Jahr darauf wieder aufsteigen. Das haben einige andere Vereine auch schon erfolgreich vorgemacht.

Wie stellt sich der Klub für die Bundesliga auf?

Wir können wie gesagt finanziell keine Anreize bieten, aber wir sind dennoch an zwei, drei Spielern dran. Die Wechselfrist endet am 30. Juni. Bis dahin hoffen wir, mit einigen Verstärkungen für Konkurrenz in der ersten Mannschaft zu sorgen, aber auch unsere zweite Mannschaft zu verjüngen.

Wie gehen erfolgsverwöhnte Spieler damit um, wenn sie plötzlich mehr verlieren als gewinnen?

Ach, das wird eine neue Erfahrung. Wir waren jetzt vier Jahre lang die Gejagten, weil jeder sagte: Mit so einer Mannschaft muss man aufsteigen. Da hattest du immer Druck. Nächste Saison müssen wir nicht gewinnen, das kann auch befreiend sein. Letztlich geht es darum, Erfahrungen zu sammeln.

Letztmals spielte im SC 63 Offenbach vor mehr als einem Vierteljahrhundert ein Klub aus der Region Offenbach in der 1. Bundesliga. Was bedeutet der Aufstieg der SG Hainhausen für  den Kegelsport in der Region?

Das ist natürlich eine richtige Hausnummer. Und wir sind auch mächtig stolz darauf, das geschafft zu haben.

Woran Sie auch Ihren Anteil haben. Was bedeutet Kegeln für Sie?

Ich sage immer: Mein Familienleben findet auf der Kegelbahn statt. Ich habe bis 2002 selbst gekegelt, bin seither Trainer. Meine Frau ist Schiedsrichterin, meine Tochter spielt in der Hessenliga für Ginnheim, war in der Jugend Deutsche Mannschaftsmeisterin mit Raunheim. Und ich bin nicht nur Sportwart und Trainer in Hainhausen, sondern für den hessischen Nachwuchs der U14, U18 und U23 zuständig. Auch die Trainerausbildung im Bowling, Kegeln und Scherekegeln leite ich. Ich bin also beruflich in der Ausbildung tätig und in meiner Freizeit auch. Das passt.

Das Gespräch führte Jörg Moll

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