RUGBY-BUNDESLIGA RK Heusenstamm droht der Abstieg / BSC Offenbach winkt der Aufstieg

Die verflixte 13. Erstliga-Saison

Kampf ums Ei: Lediglich im Heimspiel gegen Pforzheim (grün-weiße Trikots, grüne Hosen) ging der Rugby-Erstligist RK Heusenstamm dieses Saison bislang nicht als Verlierer vom Platz. Das Spiel endete unentschieden - 31:31. Foto: sperl

Offenbach – Vor allem für einige langjährige Mitglieder des RK Heusenstamm ist es ein Horrorszenario. Markus Walger, der Präsident des Rugby-Klubs, sieht dem Fall der Fälle aber recht gelassen entgegen. „So ist das eben: Manchmal geht es hoch, manchmal runter“, sagt er. VON CHRISTIAN DÜNCHER

„Sollten wir in der Relegation auf den BSC Offenbach treffen, wäre das eben so. Und falls sie uns dann schlagen? Sie waren ja schon mal vor uns. “.

Seinerzeit wurde hierzulande noch mit D-Mark bezahlt. 2001/02 spielte der BSC zuletzt eine Liga über den damals zweitklassigen „Füchsen“. Und genau diese Konstellation droht dem RKH, der 1979 von abtrünnigen Offenbachern gegründet wurde, nun erneut.

Während die Heusenstammer nach der ersten Hälfte der Saison Schlusslicht in der 1. Bundesliga Süd/West sind (punktgleich mit dem Vorletzten RC Luxemburg und zehn Zähler hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz), marschiert der BSC als souveräner Spitzenreiter der 2. Bundesliga West mit großen Schritten den Aufstiegs-Play-offs entgegen. Dass den Offenbachern die Rückkehr ins Oberhaus gelingt, scheint derzeit realistischer als der Klassenerhalt des RKH.

Kein Wunder, dass Walger den bisherigen Verlauf der Saison als „sehr bescheiden“ bezeichnet. „Wir hatten uns das anders vorgestellt. Es ist allerdings auch doof gelaufen. Wir hatten viele Verletzte.“ Bereits in der Auftaktbegegnung erwischte es Gino Gennaro. „Dann kam quasi in jeder Partie mindestens ein weiterer Spieler hinzu. In der Spitze fehlten uns 15 bis 16 Leute, die mehr oder weniger zum Stamm zählten.“ Den Grund sieht der Vereinsboss, der auch zum Trainerteam zählt, in den unterschiedlichen Voraussetzungen. „Wir trainieren zwei-, dreimal pro Woche, unsere Gegner zum Teil fast täglich. Verletzungen bleiben da nicht aus. Das ist Erstliga-Niveau, da müssen wir durch.“

Das Oberhaus scheint für den RKH ausgerechnet in dessen 13. Erstliga-Saison in Folge eine Nummer zu groß zu sein. Von den bisherigen acht Spielen verlor Heusenstamm sieben, gegen die SG TV/CFR Pforzheim gelang ein Remis (31:31), wobei man wie so oft eine Führung verspielte.

In der Restsaison wollen es die „Füchse“ besser machen. „Ich gehe davon aus, dass wir stärker sein werden, vor allem im Sturm“, sagt Walger, der in diesem Teil der Mannschaft unter anderem mit der Rückkehr von Chris Howells, Gino Gennaro und Markus Otterbein rechnet. Auch Lucas Schmitt, Lars Schreiber und Nationalspieler Zinzan Hees stehen wieder parat. „Wir haben dadurch wieder mehr Konkurrenzkampf. Alle sind willig“, hat der Vereinspräsident unlängst beim Trainingsstart festgestellt.

Die Vorbereitung auf die Restsaison wird „sehr lang“ sein, betont Walger. Das erste Punktspiel findet Mitte März statt. Das Ziel ist klar: „Wir wollen die Klasse halten. Den Abstieg direkt zu verhindern, wird sehr schwer. Die Relegation ist aber ein Muss.“ Und in der könnte es zum Duell mit dem BSC kommen, falls dieser das Aufstiegsfinale erreicht und dort verliert. Davon geht Walger zwar nicht aus, sieht in der Offenbacher Dominanz aber ein potenzielles Problem, weil das Team in den Play-offs erstmals auf ernsthafte Konkurrenz treffe und dies nicht gewohnt sei.

Beim BSC geht man auf Nummer sicher und hat den hochkarätig besetzten Kader in der Winterpause verstärkt. Für die dritte Sturmreihe kommt Coen van Rossum (The Dukes/Niederlande), für die Position des Verbinders der Schotte Stephen Gillies, der zuletzt in Kanada aktiv war. „Wir wollen unsere Ambitionen bestätigen, aufsteigen und peilen kommende Saison in der 1. Liga die Top-Vier an“, fasst Peter Schäfer vom Abteilungsvorstand des BSC die Ziele zusammen.

Aktuell liegt man voll auf Kurs, führt die Tabelle mit dem Maximum von 35 Zählern sowie 429:36 Spielpunkten an. „Es läuft super“, schwärmt Schäfer. „Ich gehe davon aus, dass es in der Rückrunde so weitergeht. Die Mannschaft ist so erfahren, dass ich da keinerlei Bedenken habe.“ Das trifft auch auf die Spieler zu, die in der vergangenen Saison mit der TGS Hausen in den Play-offs gescheitert waren und sich dann dem BSC angeschlossen hatten. „Die können mit dieser Situation umgehen“, meint Schäfer.

Der einstige Erstligaspieler ist positiv davon überrascht, dass sich der Kader nach dem großen Umbruch „so gut zusammengefunden und die Integration so schnell geklappt hat. Das ist eine Mannschaft, die Spaß hat und gewinnen will.“ Möglicherweise gibt es sogar einen Doppel-Aufstieg. Die zweite Mannschaft, die in der Hessenliga eine Spielgemeinschaft mit der TGS Hausen bildet, ist ebenfalls Erster. „Da muss man aber abwarten, wie sich das in Hausen entwickelt“, so Schäfer.

Die Entwicklung beim RK Heusenstamm bedauert der BSC-Sprecher – trotz aller Rivalität. „Ich fände es schade, wenn Heusenstamm absteigt. Mir ist ein Derby lieber als ein Spiel, zu dem man weit fahren muss. Auch für die Zuschauer wäre das reizvoller. Mit dem SC Frankfurt 1880, Heusenstamm und uns hätte man dann zudem auf engem Raum drei Erstligisten. Das gibt es nicht in vielen Sportarten. Wir hätten hier eine echte Rugby-Hochburg.“

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