Quarterback Sonny Weishaupt verlässt Frankfurt Universe

„Versprechen wurden nicht eingehalten“

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„Ich hätte mir mehr erwartet“. Der Dieburger Sonny Weishaupt (rechts) kam bei den Footballern der Frankfurt Universe nur selten zum Zug. Der 26-Jährige will sich nun als Spielmacher in der französischen Liga durchsetzen. 

Frankfurt - Beim Football-Erstligisten Frankfurt Universe kam Sonny Weishaupt nie über die Rolle des Ersatzspielmachers hinaus. Er hatte immer einen US- Amerikaner vor sich. In Frankreich will der Dieburger nun den Spieß umdrehen, als einziger deutscher Quarterback. Von Jörn Polzin 

Aus Frankfurt nach Frankreich: Das Football-Abenteuer beginnt für Sonny Weishaupt im Januar. Dann wird er seine Dieburger WG verlassen und nach Grenoble umziehen. Für ein Jahr. Vielleicht aber auch länger. „Das kann man im Leben nie ausschließen und im Football erst recht nicht“, lacht Weishaupt. Die Vorfreude auf seine neue Station ist dem Spielmacher anzumerken. Denn so erfolgreich die Universe in der vergangenen Saison auch sportlich war, mit dem deutschen Vizetitel und der Eurobowl-Finalteilnahme, so enttäuschend verlief sie für ihn. Einmal mehr kam Weishaupt nicht über die Rolle des Reservisten hinaus. „Die sportliche Leitung wollte einen Amerikaner als Starter, das war schon vorletzte Saison so. Und so wäre es auch in der neuen Spielzeit gewesen. Ich bin aber noch jung, will spielen und Spaß haben“, betont der 26-Jährige.

Der ging ihm zuletzt etwas ab, schließlich konnte er sich zumeist nur im Training beweisen. An den Spieltagen war sein Platz an der Seitenlinie. Aus seiner Enttäuschung macht Weishaupt keinen Hehl: „Was meine Spielzeit angeht, wurden Versprechen gemacht und einfach nicht eingehalten.“ Dennoch gehe er nicht mit „bösen Gefühlen“, spricht von einer „tollen Zeit“ in Frankfurt. Als Flucht vom sinkenden Schiff will Weishaupt seinen Wechsel nicht verstehen, auch wenn die Zukunft des insolventen Klubs (Schuldenstand circa 1,5 Millionen Euro) weiter ungewiss ist. Zeitweise stand sogar ein Lizenzentzug im Raum. „Klar ist so etwas nicht angenehm, wir wussten ja nicht, ob das nächste Spiel überhaupt stattfindet“, erzählt Weishaupt. „Aber wir haben das Beste draus gemacht.“

Der Quarterback ist optimistisch, dass in Frankfurt weiterhin erstklassiger Football angeboten wird. Dahin gehen zumindest die Signale. „Ich denke nicht, dass die Mannschaft auseinanderbricht. Es gibt sicher einige Spieler, die bleiben würden.“ Dazu zählt er nicht. Auch nicht sein Teamkollege Andreas Betza, der ebenfalls in Grenoble seine Zelte aufschlagen wird. „Er hat mich schon etwas belabert, diesen Schritt zu gehen“, gibt Weishaupt zu. Dafür schlug der Nationalspieler nach eigenen Angaben auch Angebote aus der 1. und 2. Bundesliga aus.

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Der Dieburger suchte Rückendeckung, Vertrauen in seine Fähigkeiten. Und die fand er beim Klub im malerischen Wintersportort mit knapp 9000 Einwohnern. „Die französische Liga kommt vom Niveau der GFL am nächsten“, meint Weishaupt. Dort sei er als Stammkraft eingeplant, als einziger deutscher und einer der wenigen nicht-amerikanischen Spielmacher. „Dann sehe ich mal, wie es so ist als Importspieler“, lacht er. Vorteil für Weishaupt: An der Darmstädter Partneruniversität von Grenoble kann der Student der Sportwissenschaften und Philosophie ebenfalls Kurse belegen und an seinem Abschluss arbeiten. „Natürlich bin ich weg von Familien und Freunden. Aber ich komme ja wieder. Und vielleicht gibt es ja auch irgendwann eine Rückkehr zur Universe“, so Weishaupt. Im Football weiß man ja nie.

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