Segeln in Zeiten von Corona: Viele einsame Stunden auf dem Main

Offenbacher Felix Laukhardt vermisst Trainingsgruppe

Deutscher Meister 2020: Der für den SC Undine startende Frankfurter Felix Laukhardt feierte trotz Corona-Krise den größten Erfolg seiner Karriere. Auch für 2021 hat er sich einiges vorgenommen - wenn es die Lage zulässt.
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Deutscher Meister 2020: Der für den SC Undine startende Frankfurter Felix Laukhardt feierte trotz Corona-Krise den größten Erfolg seiner Karriere. Auch für 2021 hat er sich einiges vorgenommen - wenn es die Lage zulässt.

Offenbach – Ob in der Halle, auf dem Feld oder im Wasser. Die Pandemie schränkt die Möglichkeiten vieler junger Sportler ein. Auch Undine-Segler Felix Laukhardt musste zurückstecken, blickt aber auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Im Interview spricht der 21-Jährige über seinen Triumph bei den deutschen Meisterschaften, fehlende Wellentrainings und was er sich für 2021 wünscht.

Herr Laukhardt, welche Auswirkungen hatte Corona auf Ihr sportliches Jahr?

Wir hatten deutlich weniger Trainingslager. Das macht im Segeln viel aus. Wir trainieren meistens blockweise an verschiedenen Orten. Auch beim Fitnesstraining unter der Woche musste ich improvisieren, weil die Studios über weite Strecken geschlossen waren und sind. Da ging viel über Home-Workouts und Fahrradfahren. Da war ich aber sehr fleißig (lacht).

In welchem Rahmen war es 2020 überhaupt noch möglich, zu trainieren?

An Fasching haben wir noch etwas gemacht. Im März war dann alles verboten und wir durften nicht mehr aufs Wasser. Im Mai war ich dann viel alleine auf dem Main segeln, ab Juni war eingeschränktes Training in Gruppen möglich. Dann lief es teilweise normal. Seit Ende Oktober ist aber wieder alles eingeschränkt. Insgesamt habe ich in dem Jahr viele Stunden auf dem Main verbracht.

Fehlt einem da das Training mit den Kollegen?

Sehr sogar. Vor allem, gegen andere zu fahren und sich mit anderen messen zu können. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, der gefehlt hat. Alleine kann man zwar Manöver und Technik üben, aber das kann es nicht ersetzen. An der Ostsee oder in Niedersachsen, wo wir normalerweise unterwegs sind, herrscht ein ganz anderer Wellengang als auf dem Main. Außerdem fehlt natürlich die Geselligkeit. So haben wir uns mehr virtuell beim e-sailing ausgetauscht.

Trotz der Einschränkungen gab es aber auch einige Wettkämpfe. Was bleibt davon hängen?

Die erste Regatta bin ich im Juni in Rheinland-Pfalz gefahren. Dann kamen noch paar weitere, unter anderem die Süddeutschen Meisterschaften am Bodensee - natürlich mit einigen Einschränkungen. Durch die längere Pause mussten dann leider auch die deutschen Jugendmeisterschaften abgesagt werden. Bei der Kieler Woche war ich dann wieder am Start. Dort lief es leider gar nicht gut.

Wieso?

Dort herrscht ein raueres Klima und ich war gegenüber der internationalen Konkurrenz im Nachteil. Das war mein erstes Wellentraining des Jahres, das erste Mal, dass ich aufs Meer konnte. Das hat man dann auch gemerkt.

Wenige Wochen später haben Sie mit dem deutschen Meistertitel in der olympischen Bootsklasse Laser Standard den größten Triumph Ihrer Karriere und gleichzeitig des Segelclubs Undine gefeiert. Schon kurios oder?

Ja, das kann man so sagen. Aber die Bedingungen auf dem Zwenkauer See in der Nähe von Leipzig waren auch ganz andere und haben mir in die Karten gespielt. Da gab es viele Winddreher. Das liegt einem, der vom Main kommt. Meine Konkurrenten, die nur gleichbleibende Winde gewohnt sind, hatten da größere Probleme.

Welche Auswirkungen hat der aktuelle zweite Lockdown auf den sportlichen Alltag?

Ich muss und bin gerade dabei, Gewicht aufzubauen. Mit Fitnesstraining wäre das natürlich leichter, aber das ist derzeit ja nur privat möglich.

Warum Gewicht aufbauen und wo soll es hingehen?

Man braucht als Segler ein gewisses Gewicht, um dem Segeldruck richtig entgegenwirken zu können. In meiner Klasse wäre das Idealgewicht bei 85 Kilogramm, ich bin noch knapp unter 80.

Wie sehen Ihre sportlichen Wünsche und Ziele für 2021 aus?

Ich hoffe natürlich, dass es deutlich mehr Trainingslager geben wird und man so wieder in einen vernünftigen Rhythmus kommt - mit weniger Einschränkungen. Maske zu tragen macht mir wenig aus, aber das gemeinsame Training und der Wettstreit fehlt schon sehr. Außerdem habe ich die Kieler Woche und die Deutschen Meisterschaften im Oktober im Auge. Da will ich voll angreifen.

Das Gespräch führte

Jörn Polzin

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