„Vieles ist Kopfsache“

Klettern: Frankfurterin Käthe Atkins träumt von Olympia

Adrenalinkick an steilen Wänden: Die 17-jährige Käthe Atkins tritt bei den offenen hessischen Bouldermeisterschaften im Frankfurter Dynochrom erstmals in der Damenklasse an. Foto: Renée Oberkirch
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Adrenalinkick an steilen Wänden: Die 17-jährige Käthe Atkins tritt bei den offenen hessischen Bouldermeisterschaften im Frankfurter Dynochrom erstmals in der Damenklasse an.

Frankfurt – Eine Reise nach Nepal hat das Leben von Käthe Atkins nachhaltig beeinflusst. Die 17-jährige Frankfurterin hat mit acht Jahren im Himalaya ihre Leidenschaft fürs Klettern entdeckt. Mittlerweile gehört sie dem Nationalkader an - und träumt von der Olympiateilnahme. VON JÖRG MOLL

Am Samstag hat sie ein „Heimspiel“ bei den Hessischen Meisterschaften. Klettern ist eine boomende Breitensportart. Rund zwei Millionen Europäer gehen regelmäßig indoor, also in Kletterhallen wie der Kletterbar21 in Offenbach, oder klassisch am Berg klettern. In Deutschland versuchen sich nach Angaben des Deutschen Alpenvereins (DAV) derzeit rund 500 000 Athleten am waghalsigen Aufstieg an steilen Wänden. Doch Klettern ist nicht mehr nur ein ambitioniertes und anstrengendes Hobby. Es ist längst ein Leistungssport geworden, der durch die Aufnahme ins olympische Programm 2020 in Tokio eine weitere Aufwertung erhalten hat.

Auch Käthe Atkins träumt von einer Olympiateilnahme. „Tokio 2020 würde ich nicht unbedingt als realistisch einschätzen, aber Paris 2024 ist schon ein großes Ziel.“ Atkins gehört als eines der vielversprechenden Talente in Deutschland dem Nationalkader des DAV an. Mit 17 Jahren startet sie national erstmals in der Damen-Klasse, international zählt sie noch bis zum 19. Lebensjahr zu den Juniorinnen.

Die offenen Hessischen Meisterschaften im Bouldern an diesem Samstag (ab 9 Uhr) im Frankfurter Dynochrom in der Flinschstraße, eine von drei großen Kletterhallen in Frankfurt, werden ihre erste Meisterschaft in der Damenklasse sein. Allzu große Furcht hat sie nicht. „Wenn man einen Wettbewerb bestreitet, will man gewinnen - einen Platz auf dem Podest rechne ich mir schon aus“, sagt sie selbstbewusst. Dabei gehört Bouldern, eine von drei Disziplinen neben Lead und Speed, die zusammen ab 2020 in Tokio als „Kombined“-Wettbewerb olympisch werden, nicht mal zu ihrer stärksten Disziplin. Ihre favorisierte Variante ist „Lead“, das Klettern mit Seil nach einer bestimmten Route in Wänden zwischen zehn und 20 Metern Höhe. Beim Bouldern geht es ohne Seil darum, die Boulder, also echte oder in Hallen eben künstliche Felsbrocken, akrobatisch emporzuklettern. Wer sich - immer in Absprunghöhe - nicht mehr halten kann, landet dabei auf Weichmatten. „Da ist alles gesichert“, betont Atkins. Das Wertungssystem ist durchaus kompliziert und ambitioniert. Am Samstag geht es zunächst in einer Qualifikationsrunde darum, sich für das Finale der besten acht zu qualifizieren. Während in der Quali Zuschauen bei den Konkurrentinnen erlaubt und das Zeitfenster größer ist, werden im Finale die Schrauben angezogen. Dann darf Atkins nicht den Problemlösungen ihrer Konkurrentinnen zusehen und muss die Boulder in viel kürzerer Zeit erklimmen. Fitness und Bewegungstalent sind Voraussetzung. Doch im Wettkampf kommt noch eine andere Qualität hinzu. „Vieles ist Kopfsache“, sagt die Frankfurterin. Ganz zu schweigen davon, dass das Adrenalin an den steilen Wänden auch immer eine Rolle spielt. „Aber ich mag das einfach“, sagt Atkins.

Ihre Leidenschaft fürs Klettern hat sie in Nepal entdeckt. Die Gymnasiastin war mit ihren Eltern im Himalaya Bergwandern, als sie ihr Bergführer an eine Felswand brachte. „Wie sich herausstellte, war es der beste Kletterer Nepals - und mir hat das super Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Nachdem Familie Atkins ihren Wohnsitz Dubai gegen Frankfurt eingetauscht hatte, stand der Kletterkarriere der Tochter nichts mehr im Weg. Mittlerweile stehen vier bis fünf Einheiten in Kletterhallen auf dem wöchentlichen Plan. Weil Kletterer sich immer wieder an anderen Wänden probieren sollten, muss Atkins weite Fahrten in Kauf nehmen. Dazu kommen 15 bis 20 Wettkämpfe quer durch Europa. „Meine Mutter unterstützt mich sehr“, sagt Atkins. Zum wöchentlichen Trainingspensum an den Wänden kommen regelmäßige Stretcheinheiten und Ausdauerläufe. „Meine Freunde haben längst akzeptiert, dass ich oft erst die letzte bin, die zu Partys kommt, weil ich noch mit Klettern beschäftigt war“, sagt Atkins lachend.

In diesem Jahr wird der Aufwand auch noch durch das anstehende Abitur an der Europäischen Schule in Frankfurt getoppt. „Das macht es natürlich schwieriger“, meint Atkins. Doch auf die Zeit danach freut sie sich schon jetzt. „Ich werde vor meinem Medizinstudium ein Jahr Auszeit nehmen“, sagt sie. Geplant ist auch ein achtwöchiger Trip nach Tokio. „Dort gibt es die besten Klettermöglichkeiten“, sagt Atkins. Das ansteckende Lachen unterstreicht dabei die große Vorfreude.

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