Region Hanau

Die Vrancics: Das Aufstiegs-Gen liegt in der Familie

Vedran Vranic (linkes Foto, rechts) kann verletzungsbedingt zwar nicht selbst spielen, will als Coach aber mit dem TSV Niederissigheim in die Gruppenliga aufsteigen. Rechtes Bild: Mario Vrancic (vorne), dahinter Cousin Drazen Milosevic, Vedran (in Weiß) und Damir (hinten). Fotos: Privat

Fußball. Der Name Vrancic ist in der Welt des Fußballs weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Das liegt vor allem an Mario Vrancic, der zwei Jahre lang für Darmstadt 98 spielte und mit Norwich City kürzlich den Aufstieg in die englische Premier League geschafft hat.

Von David Lindenfeld

Und an dessen älterem Bruder Damir, der einst für Mainz 05 und Eintracht Braunschweig in der ersten und zweiten Liga kickte. Ihr Cousin, der in der kommenden Saison neuer Trainer des TSV Niederissigheim wird, stand nie im Rampenlicht: Vedran Vrancic ist 31 Jahre alt und ist nach den Stationen Hanau 93, Germania Dörnigheim, Germania Niederrodenbach und FSV Bischofsheim nur im Fußballkreis Hanau kein Unbekannter. Auch für ihn hätte es möglicherweise für eine größere Fußball-Bühne gereicht – der Mittelfeldspieler entschied sich jedoch für einen anderen Weg.

In der Jugend kickte er mit seinen Cousins mehrere Jahre beim VfR Kesselstadt, ehe es Mario und Damir zu Mainz 05 zog. Zu dieser Zeit machten Gerüchte die Runde, dass Mainz auch an Vedran Interesse zeige – das sei jedoch nicht mehr als heiße Luft gewesen, sagt dieser heute. Erst etwas später bot sich ihm die Chance, zu einem ambitionierten Klub zu wechseln.

Peter Schmidt holte Vrancic nach Issigheim

„Mich hat beim nachgeholten Meisterschaftsspiel von Hanau 93 gegen Viktoria Berlin im Jahr 2007 ein Scout von Union Berlin angesprochen“, sagt Vrancic, der das Angebot der Berliner, die damals in der Regionalliga spielten, jedoch ablehnte. Aus Erzählungen von seinen Cousins wusste er, wie schwierig es ist, im Fußballgeschäft dauerhaft Fuß zu fassen. Zudem wollte er nicht so weit von der Familie getrennt sein und hatte gerade sein Bauingenieurswesen-Studium begonnen.

Also spielte Vrancic weiter für Hanau 93. Dorthin zog es ihn wegen eines alten Bekannten, mit dem sich die Wege in den darauffolgenden Jahren immer wieder gekreuzt haben: Peter Schmidt, der aktuell den TSV Niederissigheim trainiert, coachte Vrancic in der Jugend in Kesselstadt, holte ihn dann zu Hanau 93, später nach Rückingen und schließlich auch zum TSV.

„Wir haben uns nie aus den Augen verloren“, sagt Vrancic, der in Niederissigheim schon in der vergangenen Saison in die Rolle des Co-Trainers geschlüpft ist. Schmidt ist sein Förderer, hat ihn nun auch ans Traineramt herangeführt. Eigentlich wollte der Fußballlehrer, der den TSV in den vergangenen Jahren zu einem Aufstiegsaspiranten in der Kreisoberliga geformt hat, schon ein Jahr früher aufhören und Vrancic das Ruder überlassen. Dieser überredete Schmidt aber, noch ein Jahr dranzuhängen.

Bedenken, dass er mit 31 Jahren zu jung für das Traineramt ist, hat er nicht: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft“, sagt Vrancic und verweist auf Sven Reuter, der mit 30 Jahren zu den ältesten Spielern im Team gehört und so etwas wie die verlängerte Hand der beiden Trainer auf dem Platz ist.

Wunshc Trainer zu werden

Auf Einsätze als Spieler will Vrancic in der kommenden Saison trotz seines jungen Alters verzichten. „Wenn es so ist, dass wir nur zwölf Mann sind, setze ich mich auf jeden Fall auf die Bank“, sagt Vrancic. Sein Ziel ist es jedoch, den Fokus auf das Trainergeschäft zu legen, woran auch Beschwerden im Knie nicht unschuldig sind. In der Hinrunde stand er noch regelmäßig auf dem Feld – seit der Rückrunde macht ihm jedoch eine Verletzung des Außenbandes im Knie zu schaffen. „Ich kann normal gehen, aber keinen Sport machen“, sagt Vrancic.

Der Gedanke, Trainer zu werden, ist beim zentralen Mittelfeldspieler und Innenverteidiger früh gereift, als dieser sich überlegte, was nach der aktiven Zeit kommen könnte. „Ich kann einfach nicht ohne Fußball und bin nicht der Typ, der Sonntag für Sonntag auf den Sportplatz kommt, um zuzuschauen.“ Bei seiner Station in Dörnigheim trainierte er eine C-Jugend, was ihm „gut gefallen“ hat. Nun steigt er entweder als Kreisoberliga- oder als Gruppenliga-Trainer in den Seniorenbereich ein.

Höhepunkt für Niederissigheim

„Wir wollen alle den Aufstieg“, sagt Vrancic, der jedoch betont, dass dieser „kein Muss“ ist. In Niederissigheim fühlt er sich wohl. Der Klub sei wie eine Familie, was vor allem auch an Schmidt liege, der ihn nach seinem Rücktritt im Sommer weiter aus dem Hintergrund unterstützen werde. „Wo Peter ist, ist immer Leben im Verein. Da blüht vieles auf.“

Sollte dem TSV der Aufstieg gelingen, wäre dies der Höhepunkt in der Geschichte des Klubs, der noch nie so hochklassig gespielt hat. Für Vrancic stehen nach dem Sommer neben seiner ersten Saison als Cheftrainer weitere sportliche Highlights an: Mindestens für ein Premier-League-Spiel will er seinen Cousin in England besuchen. „Da muss man dann schauen, dass es sich nicht mit den Spielen von uns überschneidet“, sagt der 31-Jährige, der jedoch schon einen ungefähren Zeitraum ins Auge gefasst hat: „Dort gibt es ja keine Winterpause. Von daher sollte das klappen.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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