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„Wäre eine Strafe fürs boxbegeisterte Offenbach“

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Von: Jan Lucas Frenger

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Jubel nach dem WM-Triumph: Junioren-Weltmeister Luca Cinqueoncie (Mitte) mit Manager Rainer Gottwald (Dritter von links) und seinem Vater Michael (rechts).
Jubel nach dem WM-Triumph: Junioren-Weltmeister Luca Cinqueoncie (Mitte) mit Manager Rainer Gottwald (Dritter von links) und seinem Vater Michael (rechts). © hübner

Gegner im Krankenhaus, Gürtel gestohlen - rund um die Box-Gala im Stadion Bieberer Berg in Offenbach war einiges los. Geht es nach Weltmeister Luca Cinqueoncie (Boxcamp Kickers Offenbach) und Manager Rainer Gottwald, gibt es eine Wiederholung

Offenbach – „Ich brauche jetzt erst mal ein paar Tage, um das alles zu realisieren.“ Mit diesen Worten hat sich sich der Offenbacher Junioren-Boxer Luca Cinqueoncie (20) am vergangenen Samstag aus dem Ring im Kickers-Stadion Bieberer Berg verabschiedet.

Zuvor hatte er dort im Rahmen der großen Box-Gala vor rund 3 000 Zuschauern über zehn Runden gegen den Bosnier Leon Maric (19) gekämpft. Seinen Herausforderer besiegte der Kämpfer des Box-Camps Kickers Offenbach souverän nach Punkten und verteidigte damit nicht nur seine bisherigen vier WM-Titel, sondern fügte seiner Sammlung mit dem goldenen WBC-Gürtel sowie dem Titel der IBF zwei weitere Trophäen hinzu.

Mittlerweile, knapp eine Woche später, hat der nunmehr sechsfache Weltmeister seinen Erfolg gut verdaut. „Durch die ganzen Zeitungsartikel und Berichte ist mir noch mal richtig bewusst geworden, was ich erreicht habe“, so Cinqueoncie. Sechs WM-Titel im Juniorenbereich, dazu noch ungeschlagen – das hat vor dem Offenbacher noch keiner geschafft.

Viel Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen und die Füße hochzulegen, sei ihm im Anschluss an seinen Erfolg jedoch nicht geblieben. „Ich arbeite ja nebenbei in der Abbruchfirma meines Vaters und muss jetzt auch wieder in die Berufsschule, wo bald meine mündliche Abschlussprüfung ansteht“, schildert der 20-Jährige, den sein Alltag längt wieder eingeholt zu haben scheint.

Wie es sportlich für ihn weitergeht, wisse er noch nicht – ein Termin für den nächsten Fight stehe noch nicht fest. Titeltechnisch hat der junge Boxer im Halbschwergewicht alles abgeräumt, was möglich ist. „Jetzt geht es darum, die Gürtel gegen künftige Herausforderer zu verteidigen, und sich zu beweisen, bis ich dann in zwei bis drei Jahren in den Herrenbereich wechseln kann“, berichtet Cinqueoncie, wo er dann erneut auf Titeljagd gehen will. Vielleicht wieder live vor prall gefüllten Rängen in Offenbach?

Wenn es nach dem sechsfachen Weltmeister geht, auf jeden Fall: „Wir möchten so eine Veranstaltung in Offenbach natürlich wiederholen. Man sollte es nur nicht übertreiben, da es sonst seinen Reiz verliert – es muss etwas Besonderes bleiben“, gibt Cinqueoncie zu bedenken. „Es wäre toll,könnten wir alle zwei Jahre ein ähnliches Event veranstalten. Und wer weiß, sollte mein Ruf weiter steigen, bekommen wird irgendwann vielleicht sogar das ganze Stadion voll.“

Ambitionierte Ziele. Diese dürfte Cinqueoncies Manager, Rainer Gottwald, aber mit Sicherheit unterstützen. Der Veranstalter der zurückliegenden Gala zeigt sich im Anschluss an das Event höchst zufrieden. „Wenn das kein Erfolg war, dann weiß ich auch nicht mehr. Das war alles so geil – absoluter Wahnsinn“, freut sich der 56-Jährige auch darüber, dass die planungsintensive Veranstaltung („Ich war total am Ende, haber drei Kilo verloren.“) problemlos verlaufen ist.

Dafür kam es schon im Vorfeld der Gala, genauer gesagt beim öffentlichen Wiegen im Offenbacher Ringcenter, zu einem kuriosen Zwischenfall: einer von Cinqueoncies Gürteln wurde gestohlen. „Die Person, die normalerweise auf den Gürtel aufpasst, hat ihn wohl aus den Augen gelassen“, sagt der Junioren-Boxer. Diese Gelegenheit habe vermutlich ein bislang noch Unbekannter genutzt, um die Trophäe zu entwenden – vom Gürtel fehlt seitdem jede Spur. „Das ist natürlich ärgerlich, da so ein Gürtel um die 1 000 Euro kostet“, meint Gottwald und ergänzt: „Wir haben schon einen neuen bestellt.“

Im Anschluss an das Event sorgte zudem ein weiterer Vorfall für Wirbel: „Lucas Gegner ist nach dem Kampf beim Einchecken im Hotel zusammengebrochen“, schilderte der erfahrene Box-Manager. „Wir haben dann sofort einen Notarzt gerufen und Händchen gehalten.“ Ein herbeigeeilter Rettungswagen habe Maric, der eine leichten Gehirnerschütterung hatte und dehydriert war, schließlich in ein Krankenhaus gebracht. Mittlerweile gehe es ihm wieder gut.

„Wir haben einen Abend geschaffen, an dem sich querbeet durch die Gesellschaft Menschen getroffen und friedlich für eine gemeinsame Sache gefiebert haben“, so Gottwald, der aus diesem Grund fest mit einer weiteren Auflage des „Heimspiels“ rechnet. Zwar gebe es noch keine konkreten Pläne, aber „dass so etwas einen Part zwei verdient, ist klar. Wenn wir das nicht machen würden, wäre es eine Strafe für diese boxbegeisterte Stadt“, so der Manager.

Gottwald hofft, dass dank der Gala künftig noch weitere Box-Events ihren Weg nach Offenbach finden. „Mit der Gala haben wir eine Vorreiterrolle eingenommen“, so der ehemalige Kampftaucher. Sein Schützling Cinqueoncie sieht das ganz ähnlich: „Ich glaube, das Event war ein Riesenschritt dafür, dass Boxen wieder populärer wird. Wir haben dem Sport damit etwas Gutes getan.“ Freunde des gepflegten Faustkampfs können sich also auch künftig auf heiße Duelle in Offenbach einstellen. (Von Jan Lucas Frenger)

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