Luca Cinqueoncie und sein Vater Michael wollen Abteilung nach Neugründung puschen

Weltmeister als Zugpferd für OFC-Boxer

Zweifacher Junioren-Weltmeister aus Offenbach: Luca Cinqueoncie gewann im Dezember 2019 die Titel der Verbände WBF und GBO. Nun boxt er für den OFC.
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Zweifacher Junioren-Weltmeister aus Offenbach: Luca Cinqueoncie gewann im Dezember 2019 die Titel der Verbände WBF und GBO. Nun boxt er für den OFC.

Bei Kickers Offenbach gibt es wieder eine Boxabteilung - und die hat ein prominentes Mitglied. Luca Cinqueoncie, gebürtiger Offenbacher und zweifacher Junioren-Weltmeister, will mit seinem Vater Michael dafür sorgen, dass der OFC an die erfolgreiche Faustkampf-Tradition vergangener Jahre anknüpft.

Offenbach – Für Michael Cinqueoncie ist es „gefühlte 200 Jahre“ her, aber er erinnert sich noch sehr gut und vor allem gerne an seine Zeit als Boxer bei den Offenbacher Kickers. In den 1980er Jahren war das. Die Trainingsstätte befand sich damals im alten Stadion Bieberer Berg - unterhalb der Waldemar-Klein-Tribüne. „Das war ein ganz kleiner Raum, oldschool-mäßig“, sagt er. Zum Üben ging es oft raus: „Wir mussten dann die Tribünen hoch und runter. Das war Hardcore-Training.“

Dennoch sei es eine „schöne Zeit“ gewesen, betont Michael Cinqueoncie. Und zwar bei einem Club, der nicht nur im Fußball, sondern auch im Boxen über eine lange Tradition verfügt. „Kickers Offenbach war ein super Amateur-Verein, der in der Bundesliga ganz weit oben mitgemischt hat und Riesenboxer hatte“, schwärmt er. Heini Freytag, der in den 1960er Jahren als Hauptkämpfer drei Mal die Frankfurter Festhalle füllte, und Edgar Mey seien „Legenden im Amateurboxsport“ gewesen. Beide waren zunächst Kämpfer und später Trainer beim OFC. Das gilt auch für Georg Krenz, den mehrfachen Deutschen Meister im Schwergewicht. Doch auf die Glanzzeiten in der zweiten Hälfte der vergangenen Jahrhunderts folgte der schleichende Niedergang. Mit dem Abriss des alten Stadions verlor die Abteilung erst die Trainingsstätte und dann die Mitglieder.

Nun gibt es einen Neustart. „Wir wollen an die Tradition anknüpfen und Kickers Offenbach im Amateurboxen ganz nach vorne führen, wie es schon mal der Fall war“, kündigt Michael Cinqueoncie an. Das perfekte Zugpferd dafür hat er: seinen Sohn Luca. Der 19 Jahre alte Halbschwergewichtler wurde vor knapp einem Jahr Junioren-Weltmeister der Verbände WBF und GBO und ist ein Kind dieser Stadt. „Ich bin ein Offenbacher Junge, bin in Offenbach geboren und werde immer hier bleiben“, verspricht der Linksausleger.

„Wir haben in Offenbach erst in einem anderen Gym trainiert“, erzählt sein Vater. Durch dessen Besitzer Horst Hillingshäuser („Er ist ein alter Freund von mir“) wurden sie auf das Boxcamp Kickers Offenbach in der Geleitstraße aufmerksam. „Wir haben uns dann zusammengesetzt und beschlossen, die Kickers so weit wie möglich nach vorne zu puschen“, erzählt Michael Cinqueoncie, der die nötige Trainerlizenz für den Amateurbereich hat und nun versuchen will, „verschiedene Jungs, die meiner Meinung nach das Potenzial haben, in der Amateurliga zu boxen“, zu einer schlagkräftigen Einheit zu formen.

Der erste Schritt wurde bereits gemacht. Das Boxcamp ist nun eine offizielle Abteilung des OFC. Von anderen Protagonisten war das schon 2015 verkündet worden, die Sache platzte damals jedoch. „Jetzt haben wir unterschriebene Verträge, einen lizenzierten Trainer und sind auch versichert“, sagt Michael Cinqueoncie. Als Überbringer der Nachricht hatte das Präsidium des OFC passenderweise Schatzmeister Thomas Zahn junior entsandt. Dessen 2017 verstorbener Vater, Thomas Zahn senior, war einst in der Boxabteilung aktiv und wurde sogar Vize-Hessenmeister. „So schlage ich nun die Brücke“, erklärt sein Sohn. „Das Boxcamp besteht ja schon eine eine Weile, war aber bisher ein eigenständiges Ding und suchte einen Verein, um sich diesem anzuschließen zu können.“ Die Entscheidung für Kickers Offenbach war naheliegend. „Das Boxcamp war schon immer OFC. Hier ist alles rot-weiß vollgekleistert und die Leute hier sind alle Offenbacher Burschen. Jetzt ist es eine offizielle Abteilung des OFC.“

Und Weltmeister Luca Cinqueoncie dient fortan als Aushängeschild. „Ich hoffe, die Jungs hier trainieren erfolgreich“, sagt er. „Ich stehe zur Verfügung, gebe Tipps und bin im Ring dabei.“ Allerdings nur als Übungspartner und Trainer. Er ist 2018 vom Amateur- zum Profiboxen gewechselt, hat dort eine weiße Weste (zehn Kämpfe, zehn Siege) und will diese wahren: „Ich möchte weiterhin erfolgreich sein und meine beiden Titel verteidigen, sofern Corona es zulässt.“ Das gestaltet sich aber erwartungsgemäß schwierig. „Wir haben schon drei Titelverteidigungskämpfe abgesagt bekommen“, berichtet Michael Cinqueoncie. Einer war in Griechenland geplant. Nun soll sein Sohn übernächsten Samstag in Gelsenkirchen boxen - gegen einen 24-jährigen Leipziger. Ohne Zuschauer. Es geht nicht um die WM, sondern darum, in Form zu bleiben und Erfahrung zu sammeln.

Von Christian Düncher

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