„Ich wollte mir selbst treu bleiben“

Sportdirektor Helmut Wolf verlässt Hanau White Wings

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Helmut Wolf

Hanau - Paukenschlag bei den Zweitliga-Basketballern der Hanau White Wings: Nach sieben Jahren ist Sportdirektor Helmut Wolf zurückgetreten. „Ich wollte mir selbst treu bleiben, nicht mehr gegen meine Überzeugung handeln“, sagt der 42-Jährige, der zwischenzeitlich auch die Rolle des Cheftrainers übernommen hatte. Von Jörn Polzin

2011 sprang der in Langen lebende Wolf nach der Trennung von Trainer Hans Beth ein, sicherte den Ligaerhalt in der Pro B. 2015 folgte als Sportdirektor der Aufstieg in die Pro A und im vergangenen Jahr die erste Play-off-Teilnahme. Nach der langen und erfolgreichen Zeit sei ihm der Schritt nicht leicht gefallen, meint Wolf, betont aber auch: „Es war definitiv die richtige Entscheidung.“ Richtig auch deshalb, weil sich aus seiner Sicht zuviel angehäuft hatte. Größtes Manko: die Kommunikation zwischen sportlicher Leitung und Geschäftsführung. „Es fehlt einfach die Balance, Entscheidungen werden nicht gemeinsam getroffen.“ Zugleich verfolge man unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung des Klubs. „Ich bin jemand, der für Weiterentwicklung steht. Und das ist gerade bei den gestiegenen Anforderungen nötig. Die Liga wird immer stärker, da müssen wir mitwachsen. Leider wird dieser Kurs nicht von allen getragen“, sagt Wolf.

Eine Aussage, die Sebastian Bartholomäus überrascht, ebenso wie der Zeitpunkt des Rücktritts. „Ich habe zwar eine Unzufriedenheit bei Helmut ausgemacht, aber nicht damit gerechnet. Er hat sich in all den Jahren für den Klub verdient gemacht. Und es hat sich einiges getan“, meint der Geschäftsführer der White Wings. Ein Kommunikationsproblem sieht er nicht, räumt aber ein: „Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht.“ So führte eine fehlende Absprache dazu, dass den White Wings ein Spieler abgesprungen ist. „Da nehme ich die Verantwortung auf mich“, sagt Bartholomäus. Gerne hätte er den Wunsch nach einem weiteren Profi im Kader erfüllt, „aber das war nicht finanzierbar“. Grundsätzlich habe Trainer Simon Cote bei der Kaderplanung das letzte Wort. „Er muss schließlich täglich mit allen arbeiten.“

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Bei der Jugendarbeit, einem wichtigen Thema für Wolf, habe der Klub nicht alle Vorgaben erfüllen können. „Aber es gibt Dinge, die sich ziehen“, betont Bartholomäus. Erst recht in einer Geschäftsstelle, in der „nur“ drei Personen beschäftigt sind. „Andere Zweitligisten haben da acht Personen sitzen.“ Vorerst werden die Aufgaben des Sportdirektors aus den eigenen Reihen aufgefangen. Einigkeit herrscht darüber, dass Wolf weiter beratend zur Seite stehen soll. „Er hilft uns mit seiner Expertise“, sagt Bartholomäus. Wolf wird zudem in der DBB-Trainerausbildung tätig sein, die Basketball-Talente der Homburger TG fördern und Bundesligisten beraten. „Und ich habe wieder mehr Zeit für die Familie,“, sagt er. Große Sorgen, dass die White Wings – nach fünf Spieltagen Schlusslicht der 2. Liga – nicht mehr die Kurve bekommen, macht er sich nicht.

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