Basketball-ProA:

Schwieriges Puzzle für White Wings

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Bleibt er oder geht er? Till-Joscha Jönke (rechts) zählte in der vergangenen Saison zu den besten deutschen Spielmachern in der Pro A. Dem 26-Jährigen liegen Angebote aus der 1. Liga vor. „Aber ich kann mir gut vorstellen, in Hanau zu bleiben.“

hanau - Christian von Fintel? Weg. Paul Albrecht? Ebenfalls. Die Hälfte der deutschen Achse ist den Hanau White Wings weggebrochen, nur drei Spieler sind aktuell unter Vertrag. Von Jörn Polzin 

Doch verunsichern lassen will man sich beim Basketball-Zweitligisten gut zwei Monate vor dem Saisonstart nicht. Weit oben auf der Liste steht der Verbleib des besten Spielmachers.

Neue Spieler, neuer Co-Trainer, ein hauptamtlicher Jugendtrainer und am besten noch eine neue Halle: Gut gefüllt ist die Wunschliste bei den Hanau White Wings. Da gilt es die richtigen Prioritäten zu setzen. Speziell für Helmut Wolf. Am Montag ist der Hanauer Sportdirektor in den Urlaub gestartet. Doch der gestaltet sich vorrangig so: Telefonieren, verhandeln, Abschlüsse erzielen. „Ende Juli hätten wir gerne den Kader komplett“, sagt Wolf. Keine einfache Aufgabe, denn den White Wings fehlt im Vergleich zu Mitbewerbern das Geld, um hochkarätige Transfers über die Bühne zu bringen. „Andere können ihr gesamtes Budget in den Kader stecken. Wir müssen viel investieren, um Spieler zu einem Wechsel zu bewegen“, erklärt der Sportdirektor.

Dabei geht es um weiche Faktoren wie Förderung, Teamgeist und Perspektive. Ein Paket, das einige zum Play-off-Teilnehmer lockte, die nun aber den nächsten Schritt wagen. So zog es Leistungsträger wie Christian von Fintel und Paul Albrecht zu neuen Klubs. Wobei Wolf unterscheidet. „Christian war schon länger bei Ludwigsburg im Gespräch. Wir freuen uns für ihn, dass er seine Chance in der 1. Liga bekommt“. Bei Albrecht sei der Impuls für einen Wechsel nach Quakenbrück von beiden Seiten ausgegangen. Auch, weil mit Alexander Angerer ein neuer Flügelspieler im Anflug war. „Auf der deutschen Position unter dem Korb wäre es sonst sehr eng geworden“, so Wolf. Neben Center Josef Eichler und Guard Luquon Choice („Er kann den Unterschied ausmachen“) ist Angerer erst der dritte Spieler unter Vertrag.

Grundsätzliche nehme der Markt im Juli erst so richtig Fahrt auf, weiß Wolf. Priorität beim Transfer-Puzzle haben die deutschen Profis, allen voran der Verbleib von Spielmacher Till-Joscha Jönke. „Wir sind in Gesprächen mit ihm und seinem Agenten und wissen, dass er ein begehrter Spieler ist“, sagt Wolf. Die Chancen auf einen Verbleib sieht er bei „50:50“. Auch der 26-Jährige kann sich trotz Angeboten aus der 1. Liga eine weitere Saison bei den White Wings vorstellen. „Hanau hat mir viel gegeben und es ist auch wichtig, dankbar zu sein. Ich fühle mich wohl und wir haben einen super Trainer“, sagt Jönke, der sich mit Chase Adams die Aufgaben als Regisseur teilt. Beim erfahrenen Amerikaner ist wie bei dessen Landesleuten offen, ob sie nach Hanau zurückkehren.

Klar ist: Einen entwicklungsfähigen Center wie Chris Brady (22) würden die White Wings gerne halten. Trainer Simon Cote reist Ende der Woche zur großen Basketball-Messe in den USA, wo sich Talente den Klubs präsentieren. Zudem ist man nach dem Abgang von Tuna Isler (Quakenbrück) auf der Suche nach einem neuen Co-Trainer.

Dass diese Position in der Sommerpause wieder mal verwaist ist, nimmt Wolf gelassen. „Es zeigt, dass hier Menschen mit viel Qualität arbeiten, die sich für andere Aufgaben empfohlen haben. Uns muss klar sein, dass wir sie nicht ewig binden können“, so der Sportdirektor.

Zur hohen organisatorischen Belastung, die Wolf als „Rucksack“ bezeichnet, zählt auch die Beschäftigung eines hauptamtlichen Jugendtrainers. Der ist von der Liga neben weiteren Standards für die neue Saison vorgeschrieben. Kooperationspartner TG Hanau verfügt zwar in Sven Witt über einen, aber das reicht nicht. Auch diese Personalie muss gut überlegt sein, nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. „Ein hauptamtlicher Jugendtrainer entspricht von den Kosten her einem Platz im Spielerkader“, rechnet Wolf vor.

White Wings unterliegen in Crailsheim: Bilder

Doch wie neue Gelder generieren und den nächsten Schritt machen? Für den Sportdirektor steht und fällt vieles mit der Hallenfrage. Schon länger bemühen sich die White Wings um eine neue Spielstätte. Die Kinzig-Halle, in der sie bisher spielen, genügt nicht mehr den Anforderungen an professionellen Basketball. Geduld ist gefragt. „Man sieht ja am Beispiel der Skyliners, wie lange so etwas dauern kann“, so Wolf. „Wenn uns der Durchbruch gelingt, zieht das sicher neue Sponsoren an.“

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