INTERVIEW Neuer Baskets-Trainer Saymon Engler setzt auf Kommunikation und Kreativität

„Wir werden gemeinsam wachsen“

Taktisch geschult: Saymon Engler will den Spielerinnen aber genug Freiheiten auf dem Feld geben.
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Taktisch geschult: Saymon Engler will den Spielerinnen aber genug Freiheiten auf dem Feld geben.

Langen – Für Saymon Engler beginnt ein neues Kapitel in seiner Basketball-Karriere. Der 27 Jahre alte Trainer mit eritreischen Wurzeln übernimmt die Zweitliga-Frauen der Rhein-Main Baskets von Thorsten Schulz. Im Interview spricht der in Babenhausen lebende Engler über seinen Aufstieg als langjähriger Jugendcoach, die Arbeit mit Talenten und Perspektiven zu Coronazeiten.

Herr Engler, wie fühlt es sich an in neuen Gefilden?

Ganz unvorbereitet kommt dieser Schritt für mich ja nicht. Es war vorgesehen, dass ich zweimal in der Woche beim Training von Thorsten Schulz reinschnuppere und beim individuellen Training mit den Guards mitwirke. Mit Thorstens Wechsel nach Heidelberg ist der Plan natürlich verworfen worden und die Stelle frei geworden. Aber ich kann seinen Schritt nachvollziehen. Es ist eine besondere Chance für ihn.

Und für Sie jetzt auch. War Ihnen schnell klar, dass Sie einspringen werden?

Ich musste schon darüber nachdenken. Aber ich war zumindest gefühlt extrem lange im Jugendbereich aktiv. Jetzt kann ich den nächsten Schritt machen. Das ist nochmal ein anderes Level. Ich freue mich drauf.

Auffällig ist, dass Sie fast ausnahmslos weibliche Jugendteams trainiert haben. Was macht diese Arbeit so besonders?

Es hat damit angefangen, dass ich die Mannschaft meiner Schwester trainiert habe. Dann folgte eine Station auf die andere. Die Arbeit mit den Mädels macht mir einfach großen Spaß. Was aber nicht heißt, dass es mit Jungs anders ist. Ich habe auch mal eine männliche U16 trainiert. Das war absolut okay. Aber im weiblichen Bereich habe ich mir ein Netzwerk aufgebaut und bin drangeblieben.

Gab es für Sie von Beginn an nur Basketball?

Nein, im Gegenteil. Ich bin erst mit 14 Jahren, also ziemlich spät, zum Sport gekommen. Vorher habe ich Fußball gespielt. Über die Schul-AG gab es dann die ersten Berührungspunkte mit dem Basketball. In der Jugend habe ich noch selbst gespielt.

Dann aber schnell die Trainerkarriere eingeschlagen. Wieso?

Ich hatte damals einen super Trainer, der uns viel Spaß bereitet hat. Das hat irgendwie auf mich abgefärbt und ich wollte ihm nacheifern. Dann habe ich in relativ kurzer Zeit eine Lizenz nach der anderen gemacht. Ich wollte mehr auf Leistung gehen.

Sie sind als hessischer Jugendtrainer des Jahres 2019 ausgezeichnet worden. Was waren die größten Erfolge?

Die deutsche Meisterschaft mit der U14 von Darmstadt/Roßdorf. So einen Titel holt man nicht alle Tage. Auch die Zeit als Co-Trainer der Baskets-U18 in der Bundesliga hat mich weitergebracht.

Inwiefern profitieren Sie davon jetzt auch bei Ihrer neuen Aufgabe?

Ich kenne die eine oder andere Spielerin, die im Zweitliga-Kader steht oder dort eingebaut werden soll. Wir planen mit sieben Jugendspielerinnen aus dem Kooperationsprogramm der U18. Drei davon rücken altersmäßig auf und sollen 2. Liga und Regionalliga in Hofheim spielen. Die anderen vier spielen weiter U18-Bundesliga und können sich in der 2. Liga beweisen. Dies wird eine meiner zentralen Aufgaben sein.

Gibt es bald auch die nächste Nationalspielerin?

Malien Rolf ist auf dem Sprung zur U16-Nationalspielerin. Auch sie bekommt die Möglichkeit, neben der U18 beim Damen-Training den nächsten Schritt zu gehen. Der Standort Langen ist ja dafür bekannt, viele Talente hervorzubringen, was sicher auch an der guten Kooperation mit Hofheim liegt.

Baskets-Präsidentin Silke Dietrich bezeichnet Sie als kommunikativ, wissbegierig und sehr strukturiert. Trifft das zu?

Ja, damit kann ich gut leben (lacht). Wobei ich zugeben muss, dass ich erst lernen musste, durchorganisiert zu sein. Ich spreche viel mit den Spielerinnen und treibe sie an. Das werde ich auch in der Vorbereitung tun, um mir einen genauen Eindruck zu verschaffen und die Mädels noch besser kennenzulernen.

Skizzieren Sie doch bitte mal Ihre Spielphilosophie.

Ich will nicht zu viel verraten, aber mir ist es wichtig, dass die Spielerinnen situativ entscheiden und kreativ sind. Ich bin kein Freund davon, nur stringent Systeme vorzugeben. Wir werden sicher gemeinsam in dieser Saison wachsen.

Wie sehen Sie die Mannschaft aufgestellt?

Es gibt zwar das eine oder andere Fragezeichen, aber der Stamm bleibt uns erhalten. Dazu kommen die Talente. Also können wir personell aus dem Vollen schöpfen. Das eine oder andere Spiel aus der vergangenen Saison habe ich analysiert und bin dabei, ein Playbook zu schreiben.

Die Pandemie erforderte in der vergangenen Saison viel Geduld und Flexibilität. Womit rechnen Sie in der neuen Spielzeit?

Der Rahmenspielplan steht. Ende September wäre Saisonstart. Natürlich müssen wir abwarten, wie sich die Lage entwickelt. Ich hoffe nur, dass gespielt werden kann. Natürlich immer mit Blick auf die Gesundheit.

Das Gespräch führte

Jörn Polzin

Lucy Voss (links) zählt zu den Talenten, die in die Zweitliga-Mannschaft eingebaut werden sollen.

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