Fokus auf Nachwuchsarbeit

Rugby-Abteilung des BSC Offenbach zieht Mannschaft zurück

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Szenen wie diese gehören vorerst der Vergangenheit an: Der BSC Offenbach (schwarze Trikots, gegen den Heidelberger RK II), der zuletzt ohnehin nur noch in einer Spielgemeinschaft in der Regionalliga Hessen aktiv war, stellt derzeit keine Rugby-Mannschaft mehr. Die Spieler haben sich zum Teil anderen Klubs angeschlossen.

Offenbach - Kein Team, kein Abteilungsleiter – es ist derzeit alles andere als rosig bestellt um die Rugby-Sparte des BSC 1899 Offenbach. Man gibt sich allerdings kämpferisch beim Ligapokalsieger von 1994. In Zukunft soll es wieder aufwärts gehen, wenn auch langsam. Von Christian Düncher 

Nils Schlesinger ist die Angelegenheit spürbar unangenehm. „Wir bedauern es sehr, dass es in dieser Saison keinen Spielbetrieb mehr für unsere erste Mannschaft geben wird“, sagt der Sprecher der Rugby-Abteilung des BSC Offenbach. Nach dem freiwilligen Rückzug aus der 3. Liga wollte der einstige Erstligist, der vor gar nicht all zu langer Zeit noch zwei Teams gestellt hatte, eigentlich zumindest mit einer Spielgemeinschaft in der Regionalliga Hessen antreten. Doch dieses Thema hat sich inzwischen ebenfalls erledigt, nachdem man zu den ersten Partien nicht angetreten war.

„Leider mussten wir die SG Südhessen vom Spielbetrieb abmelden“, sagt Schlesinger und führt dafür gleich „mehrere Gründe“ an. „Wir hatten aufgrund der Abgänge zahlreicher Leistungsträger von uns aus nicht die Möglichkeit, eine volle Mannschaft zu stellen. Die Vorbereitung auf die Saison verlief unbefriedigend. Außerdem hatten Eintracht Frankfurt und der RC Mainz nur wenige Spieler, um uns zu helfen.“

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Gefühlt begann der Niedergang 2014 mit dem Abschied von Trainer Lofty Stevenson. Der Neuseeländer hatte drei Jahre erfolgreich Entwicklungshilfe beim BSC geleistet, den Verein in die 3. Liga geführt, dann aber einen Job beim österreichischen Verband übernommen. Die „große Lücke“, von der damals die Rede war, versuchte man durch interne Lösungen zu schließen, was jedoch nicht gelang.

„Der Abgang von Lofty war ein Faktor, aber bestimmt nicht der einzige“, so Schlesinger. „Es mangelte auch an einer breit aufgestellten und koordinierten Nachwuchsarbeit. Zudem bestand unsere Mannschaft vornehmlich aus Studenten, die jetzt in ein Alter kommen, in dem Familie oder Job wichtiger werden.“ So wechselte in Firas El Chami bereits vor einiger Zeit einer der Leistungsträger nach Heidelberg zum Erstligisten TSV Handschuhsheim, weil er im benachbarten Mannheim studiert. Joshua Sayson und Vedad Garanovic (beide RK Heusenstamm) sind inzwischen auch im Oberhaus aktiv. Marvin Seifert, Patrick Dunkley, Hans Kwol und Daniel Georghiu haben sich Zweitligist TGS Hausen angeschlossen, kamen dort auch schon zum Einsatz. Das zeigt, was beim BSC alles möglich gewesen wäre.

TGS Hausen gewinnt gegen Offenbach

Schlesinger hofft, dass sich die Spieler nur „vorerst“ den Teams in der Umgebung angeschlossen haben, und der eine oder andere wieder zurückkehrt, sobald die Offenbacher wieder eine Mannschaft stellen. „Daran arbeiten wir mit aller Kraft“, betonte er. In Zukunft wolle man auch der Nachwuchsarbeit wieder mehr Aufmerksamkeit schenken und versuchen, auf diesem Gebiet besser mit Clubs aus der Region zusammenzuarbeiten. Dabei gilt der HSV Götzenhain als Vorbild, wo in Tobias Quick ein einstiger Spieler und Trainer des BSC Offenbach erfolgreiche Aufbauarbeit leistet.

Schlesinger weiß aber, dass es nicht einfach wird. „Rugby ist in Deutschland aufgrund seines Randsportcharakters kein Selbstläufer, es gibt weder viel öffentliche Aufmerksamkeit, noch Geld.“ Zudem steht die Abteilung nach dem Rücktritt von Thomas Roth bis zur Mitgliederversammlung im Februar ohne Leiter da. „Man kann die Entwicklung natürlich nicht schönreden, aber das Schöne am Rugby ist: Nach jedem Hinfallen steht man wieder auf.“

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