Großer Umbruch und Verbandsliga-Rückzug möglich

Wohin führt der Weg von Germania Großkrotzenburg?

Auf dem Großkrotzenburger Sportgelände geht es derzeit nur baulich voran. Während die Verantwortlichen über die sportliche Ausrichtung nachdenken, beginnt der zweite Bauabschnitt.
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Auf dem Großkrotzenburger Sportgelände geht es derzeit nur baulich voran. Während die Verantwortlichen über die sportliche Ausrichtung nachdenken, beginnt der zweite Bauabschnitt.

Ein Mannschafts-Plakat mit Spielerporträts der ersten Mannschaft erinnert an einen florierenden Spielbetrieb, doch die Tore sind verschlossen. Bedingt durch die Corona-Pandemie ist auf dem Sportgelände des Fußballclubs Germania Großkrotzenburg derzeit nicht viel los. Doch der Schein trügt, beim Fußball-Verbandsligisten tut sich hinter den Kulissen einiges.

Großkrotzenburg – Es sind weitreichende Veränderungen in der Planung. Demnächst steht im Oberwaldstadion der zweite Bauabschnitt bevor. Das Hauptspielfeld soll verlegt, dass Vereinsgebäude energetisch kernsaniert werden. Auch im sportlichen Bereich wird es voraussichtlich einen personellen Umbruch geben.

Die Vereinsverantwortlichen diskutieren in diesen Tagen, in welcher Spielklasse sie künftig antreten wollen. Im Gespräch mit Geschäftsführer Michael Sattler sowie Jochen Tögel und Matthias Filbrich, die zuletzt als Sportliche Leiter fungierten, fällt immer wieder das Wort Identität. „Der Fußball, der angeboten wird, muss unabhängig der Liga zum Verein passen“, unterstreicht Sattler.

Schlund und Althaus hören in Großkrotzenburg auf

Da arrivierte Stammkräfte wie André Althaus oder Jens Schlund ihre Fußballschuhe langsam aber sicher an den Nagel hängen wollen, andere Stammkräfte mit Vereinswechseln liebäugeln, steht die Zukunft des Hanauer Kreisvereins in der Verbandsliga Süd auf der Kippe. Und das nicht aus finanziellen Gründen.

„Trotz Corona würde sich unser Budget nicht großartig verändern, doch ob sich damit eine verbandsligataugliche Mannschaft auf die Beine stellen lässt, ist die andere Frage“, sagt Filbrich. Er weiß: In den vergangenen Jahren haben viele talentierte Spieler, die direkt aus Großkrotzenburg oder der nahen Umgebung kamen, aus Verbundenheit zum Verein und ihren Kumpels für die Germania gekickt und bei ihren Zusagen nicht in erster Linie aufs Geld geschaut.

Muss man jedoch bei der Akquise nach Neuzugängen weiter über den Tellerrand schauen, könnte sich das schlagartig ändern.

Corona-Pandemie trägt große Schuld an Großkrotzenburger-Pandemie

Vor einem Jahr hätte Filbrich eine solche Entwicklung noch ausgeschlossen, doch dann kam die Pandemie. Weniger Gespräche, kaum mehr soziale Kontakte. Eine große Herausforderung für eine Vereinsgemeinschaft, die vor Corona mehr als vielleicht anderswo auf dem kameradschaftlichen Miteinander der Protagonisten fußte.

„Der Fußball wird sich durch Corona verändern. Bei den Profis, aber erst recht auch bei uns Amateuren. Ich glaube, in unsere derzeitige Situation werden noch viele andere Vereine kommen“, meint Tögel.

Kartenhaus könnte in Großkrotzenburg zuammenbrechen

Aktuell ist die Germania in der Verbandsliga Süd mit neun Punkten auf dem zwölften Rang gelistet. Kurz oberhalb der Abstiegsränge. Da sich aufgrund der Pandemielage ein Saisonabbruch mit Annullierung abzeichnet, wäre der Klassenerhalt sicher. Dass der Kader trotzdem bröckeln könnte, hat Filbrich als Gefahr ausgemacht. Domino-Effekte seien bei Abgängen nicht auszuschließen.

„Läuft es schlecht, fällt das Kartenhaus zusammen“, sagt der langjährige Nachwuchstrainer der Offenbacher Kickers, der die Großkrotzenburger im Juni 2019 als Coach in die Verbandsliga Süd führte und sie nach seinem Trainerrücktritt auf Wunsch des Vereins als Mitglied der Sportlichen Leitung weiter unterstützte.

Tobias Meub wechselt zum 1. FC Erlensee

Die Gerüchteküche brodelt längst, noch bevor Fakten geschaffen sind. Als einziger Abgang steht bislang Tobias Meub fest. Der Mannschaftskapitän wechselt zum Hessenligisten 1. FC Erlensee, wo er nicht der einzige Neuzugang ist. Dort spielte er in der Jugend, dort reizt ihn jetzt die glänzende Perspektive. Wer mag es dem Großkrotzenburger verdenken?

Dazu gibt es Spieler im Kader, die mit ihren Heimatvereinen in Kontakt stehen, ebenso buhlen andere Klubs um den einen oder anderen Leistungsträger. Die Zukunft von Trainer Christos Tsifnas ist noch offen.

Die beiden Sportlichen Leiter hören in Großkrotzenburg auf

Aus privaten Gründen, die nichts mit dem Verein zu tun haben, wollen Filbrich und Tögel raus aus der vordersten Reihe. Die Verantwortlichen der Germania wollen nun die zukünftige Ausrichtung des Vereins ausloten, wissen jedoch, dass die Zeit drängt. Vom einzuschlagenden Weg wird auch die Trainerfrage für die Saison 2021/22 maßgeblich abhängen. Und von ihr dann die abschließende Kaderplanung.

Auf dem Sportgelände am Oberwald mag es inmitten der dritten Corona-Welle auch in den nächsten Tagen weiterhin ruhig bleiben, doch im administrativen Bereich werden die Drähte zwangsläufig weiter glühen. Es geht für die Verantwortlichen schließlich darum, die Weichen für die mittelfristige Zukunft zu stellen.

Für die Zeit, in der auf dem dann umgebauten Sportgelände auf zwei Rasenplätzen generationsübergreifend reger und erfolgsorientierter Fußballsport geboten werden soll und Corona hoffentlich längst Geschichte sein wird. (Von Frank Schneider

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