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Wolfram Rohleders Abschied von der SG Marköbel: „Jeder Klassenerhalt war eine Meisterschaft“

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Zum Abschied auch kritische Töne: Marköbels Trainer Wolfram Rohleder findet die Gruppenliga mit 20 Teams zu groß. „Es wird Zeit, dass verbandsseitig sportliche Lösungen zum Wohle der Spieler gefunden werden“.
Zum Abschied auch kritische Töne: Marköbels Trainer Wolfram Rohleder findet die Gruppenliga mit 20 Teams zu groß. „Es wird Zeit, dass verbandsseitig sportliche Lösungen zum Wohle der Spieler gefunden werden“. © Scheiber

Zwölf Jahre lang fungierte Wolfram Rohleder als Trainer der SG Marköbel. Beim Fußball-Gruppenligisten prägte der 45-jährige Westfale eine erfolgreiche Ära. Die Hammersbacher hielten mit überschaubaren Mitteln und großem Zusammenhalt jedes Jahr die Klasse und feierten mit Rohleder im Jahr 2012 den Kreispokalsieg.

Hammersbach – Im Winter entschied sich der zweifache Vater für eine neue sportliche Herausforderung. In wenigen Tagen wird der Niedermittlauer als Trainer den Gelnhäuser Kreisoberligisten SG Altenhaßlau/Eidengesäß übernehmen, sein Nachfolger bei der SGM wird Marc Außenhof (zuletzt SV Altenmittlau). Im Interview blickt Rohleder auf eine ereignisreiche Zeit bei der SG Marköbel.

Herr Rohleder, als Sie Ihren Abschied im Winter verkündeten, schien die SGM mit starken 34 Punkten das Ticket für die kommende Gruppenliga-Saison schon in der Tasche zu haben. Plötzlich schlitterte ihr Team noch mal in den in den Abstiegskampf ...

Natürlich war ich super erleichtert, ein Abstieg wäre der Super-GAU gewesen. Allerdings war mir im Winter schon bewusst, dass wir noch nicht durch sind und es durchaus noch eng werden könnte. Ich kenne die Gruppenliga, weiß wie gefährlich sie ist. Meine Warnungen sind lange nicht ernst genommen worden. Die letzten Wochen waren für mich einfacher, weil mir die Jungs wieder zugehört haben. Ich bin aber ehrlich: Ich hätte mir gewünscht, dass wir nicht mehr so unter Druck geraten und ich zum Saisonende ein paar mehr Spiele entspannt genießen kann.

So wie das 3:0 gegen die Sportfreunde Oberau in ihrem letzten Spiel?

Ja, da haben die Jungs wirklich noch mal alles reingehauen, eines ihrer besten Saisonspiele gezeigt, obwohl es für beide Mannschaften um nichts mehr ging. Das war ein schöner Abschluss. Auch vom Drumherum. Ich war überwältigt, was Verein und Spieler mir für einen Abschied bereitet haben.

War die Last-Minute-Rettung im Jahr 2016, als ein Tor gegen Meister SC 1960 Hanau den Abstieg buchstäblich in letzter Sekunde abwendete, der emotionalste Moment ihrer zwölfjährigen Amtszeit?

Ja, das kann man so sagen. So etwas habe ich zuvor noch nie erlebt. Diese Momente vergisst man nicht.

Welche sportlichen Highlights bleiben zudem in Erinnerung?

In erster Linie der Kreispokalsieg 2012. Dazu war jeder erreichte Klassenerhalt für die SG Marköbel eine Meisterschaft für sich.

Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Das Fundament sind immer charakterstarke Spieler und ein menschlicher Umgang innerhalb des Vereins. Etliche Spieler wie Michael Kuhl, Audrius Vetchel oder Sven Wesenberg haben über Jahre hinweg für den Verein Herausragendes geleistet. Erfolge erzielt man aber nur als Gemeinschaft, deswegen möchte ich keine einzelnen Spieler über andere heben.

Wenn ein langjähriger Trainer seinen Abschied ankündigt, kommt das meist für viele unerwartet. Gab es einen Moment, der die für Sie sicherlich nicht einfache Entscheidung ausgelöst hat oder war es ein längerer Überlegungsprozess?

Je länger du dabei bist, umso intensiver überlegst du jedes Jahr, wann der Zeitpunkt ist, um aufzuhören. Mir war immer klar, dass ich nicht auf ewig Trainer in Marköbel bleiben werde. Irgendwann muss man den Absprung finden. Neue Impulse sind wichtig für den Verein, aber auch für einen selbst. Es war im Endeffekt eine Bauchentscheidung von mir, die ich nach Gesprächen mit meiner Familie dem Verein dann wie gewünscht rechtzeitig mitgeteilt habe.

Die Gruppenliga ist mit vielen Absteigern und Mammutspielzeiten sehr anspruchsvoll. Mutet man Fußballern und Funktionären im Amateurbereich zu viel zu?

Die Belastungen sind ein Unding und für Vereine nur schwer zu stemmen. Mit 49 Punkten abzusteigen, ist brutal, so was findet man vermutlich deutschlandweit nirgends. Für mich ist daher die Gruppenliga Frankfurt Ost auch keine tolle Spielklasse. Es wird Zeit, dass verbandsseitig sportliche Lösungen zum Wohle der Spieler gefunden werden.

Hatten Sie überlegt, nach vielen intensiven Jahren eine schöpferische Pause einzulegen?

Absolut. Anfangs bin ich zu 95 Prozent davon ausgegangen. Meine Zusage bei der SG Altenhaßlau/Eidengesäß, war den Umständen dort geschuldet. Einen x-beliebigen Verein hätte ich nicht übernommen.

Was werden Sie nach Ihrem Weggang in Marköbel am meisten vermissen?

Ich werde viele tolle Menschen im Verein vermissen. Für mich persönlich ist es eine Herkulesaufgabe, innerhalb von kürzester Zeit die emotionale Wende hinzubekommen. In der Mannschaft sind es letztendlich alles meine Jungs gewesen, viele Spieler habe ich zur SG Marköbel geholt. Menschliche Begegnungen bleiben mehr hängen als sportlicher Erfolge.

Und auf was freuen Sie sich bei Ihrem künftigen Verein am meisten?

Auf viele junge Spieler der Jahrgänge 2003 und 2004, aber auch auf die erfahrenen langjährigen Leistungsträger. Ich freue mich auf eine neue Sportanlage, die regionale sportliche Ebene und über reichlich Unterstützung von Außen. Ich denke, das Umfeld bei der SG Altenhaßlau/Eidengesäß ist ähnlich familiär wie das in Marköbel.

Der Wechsel zur SG Altenhaßlau/Eidengesäß hat trotzdem einige überrascht. Sportlich geht es eine Etage tiefer.

Die Spielklasse alleine ist nicht ausschlaggebend. Wichtiger ist vielmehr, dass ich als Trainer zu einem Verein und den dortigen Menschen passe. Es gab in meiner Zeit in Marköbel immer mal höherklassige Anfragen, doch entscheidend ist für mich, dass ich mich in einem Verein wohlfühle.

Was geben Sie ihrem Nachfolger Marc Außenhof mit auf den Weg?

Marc muss authentisch bleiben und seinen eigenen Weg gehen. Bei mir hieß es anfangs auch, dass die von Thorsten Jäsche hinterlassenen Schuhe sehr groß seien. So was verstummt mit der Zeit. Sportlich gesehen übernimmt er eine große Verantwortung, doch er findet gute Grundlagen vor.

Das Gespräch führte Frank Schneider

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