Leichtathletik

„Wollte dem Sport etwas zurückgeben“

Paul Gast

Mitte der 60er zählte er zur Sprint-Elite der Republik, seit 1984 ist er Vorsitzender „seiner“ LG Seligenstadt. Vor 25 Jahren übernahm er das Zepter beim Leichtathletik-Kreis Offenbach/Hanau - das er noch heute schwingt.

Seligenstadt – Kaum einer steht für seine Sportart wie Paul Gast. Im Interview spricht der 72-Jährige über den Wandel, fehlende Impulse und das Thema Doping.

Welche Erinnerungen haben Sie noch an den Januar 1995?

Da habe ich von Norbert Engel, heute Ehrenvorsitzender, nach seinem Umzug den Vorsitz im Leichathletikkreis übernommen. Ich war dran und habe mich auch nicht geziert, Verantwortung zu übernehmen.

Was war Ihre Motivation?

Ich war ja selbst einige Jahre Athlet und habe quasi von den Funktionären profitiert. Da wollte ich dem Sport etwas zurückgeben und meinen Spaß an der Leichtathletik sowie meine Erfahrung an die Jugend vermitteln. Ich gehöre schon seit 1989 dem Kreisvorstand an und die engsten Mitarbeiter sind bis heute dabei. Es sind Freundschaften entstanden. Es geht einfach nur im Team.

Wie hat sich die Leichtathletik im Laufe der Zeit gewandelt?

Man muss zugeben: Leichtathletik ist keine boomende Sportart. Das liegt auch an der fehlenden TV-Präsenz. Bis auf die Großereignisse wie Olympia, WM oder EM wird wenig übertragen. Heute zählt fast nur Fußball. Früher gab es noch mehr Turnen und die Leichtathletik. Es gibt aber auch andere Gründe für das überschaubare Interesse.

Die da wären?

Das Freizeitverhalten hat sich geändert, das Ehrenamt wird nur noch verbal hochgehalten. Es gibt mehr Sportarten und soziale Medien. Die Leistungsbereitschaft im Sport hat nicht gerade zugenommen. Es gibt weniger Spitzensportler und auch der zweite Anzug ist dünner geworden.

In Maleika Mihambo und Niklas Kaul sind aber zwei Leichtathleten Sportler des Jahres geworden...

Das stimmt, aber das Interesse ist schnell wieder vorbei. Mit der LG Seligenstadt und dem SSC Hanau-Rodenbach gibt es zur Zeit Vereine in der Region, die Top-Athleten stellen. Aber die Masse ist weniger geworden. Auch bei den Kampfrichtern und Trainern. Es fehlt der Impuls für die jungen Leute.

Wie könnte der aussehen?

Mit der Kinderleichtathletik haben wir einen wichtigen Schritt gemacht. Die Kreis-Kila-Liga gibt es seit fünf Jahren. In Seligenstadt findet am 8. März die 21. Schulolympiade statt. Vor zwei Jahren schickten sechs Grundschulen mehr als 300 Teilnehmer. Wichtig ist es, die Athleten bei der Stange zu halten, den Leistungssport zu fördern und die Bereitschaft zu wecken, auch später der Leichtathletik in einer Funktion treu zu bleiben - etwa als Trainer oder Kampfrichter.

Hand aufs Herz: Gab es schon Momente, in denen Sie über einen Rückzug aus dem Vorstand nachgedacht haben?

Natürlich gab es Hochs und Tiefs, aber an Aufgabe habe ich nie gedacht. Dafür bin ich zu lange dabei, in Seligenstadt, im Kreis und beim Hessischen Leichtathletik-Verband. Wir müssen dranbleiben, Ideen entwickeln, Fairness und Teamgeist vorleben und vor allem einen sauberen Sport fordern.

Stichwort Doping...

Ich bin ein absoluter Gegner davon und der Meinung, dass die Verbände da hart durchgreifen müssen. Alles andere ist für das Image unserer Sportart schädigend. Da müssen wir auch bei Gesprächen die Leute sensibilisieren.

War das Thema früher auch so beherrschend?

So groß wie heute sicher nicht, aber gedopt wurde schon immer. Und natürlich gab es einige Gerüchte.

In den 60ern zählten Sie unter den Junioren in zu den Top-Sprintern der Republik. Was ist aus dieser Zeit hängen geblieben?

1966 bin ich handgestoppte 10,60 Sekunden auf einer Aschenbahn gelaufen, natürlich ohne Doping. Mit meinem Zwillingsbruder Peter, mit dem ich einen Doppelsieg bei den Hessenmeisterschaften errang, galten wir als schnellste Zwillinge Deutschlands. Mit der LG-Staffel wurden wir zeitgleich hinter Kassel deutscher Jugendvizemeister. Ich war von 1962 bis 1973 aktiv, habe eine zehnjährige Auszeit von der Leichtahletik genommen und bin dann Vorsitzender in Seligenstadt geworden.

Sie sind jetzt 72. Wie lange wird man Sie noch an der Spitze der LG und dem Kreis sehen?

Ach, ich denke die 75 werde ich voll machen und dann soll es auch gut sein (lacht). Im Kreis und in Seligenstadt haben wir so viele Erfolge gehabt. In meiner Heimatstadt haben wir 2008 ein schönes Sportzentrum bekommen, dessen Funktionsräume für Wettkampfbüro und Kraftraum erweitert werden sollen. Es bleibt also spannend.

Das Gespräch führte Jörn Polzin

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