INTERVIEW Baskets-Trainer Schulz über eine anspruchsvolle Saison / Team bleibt zusammen

Zwischen Zweifeln und Vollgas

Kampf um den Ball: Ex-Nationalspielerin Svenja Greunke (links) avancierte in der vergangenen Saison zum „Leitwolf“ der Rhein-Main Baskets. Gut möglich, dass sie weitermacht. Auch die US-Amerikanerin Hannah Whitish (rechts) wusste zu überzeugen.
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Kampf um den Ball: Ex-Nationalspielerin Svenja Greunke (links) avancierte in der vergangenen Saison zum „Leitwolf“ der Rhein-Main Baskets. Gut möglich, dass sie weitermacht. Auch die US-Amerikanerin Hannah Whitish (rechts) wusste zu überzeugen.

Langen – Eine außergewöhnliche Saison in der 2. Basketball-Bundesliga der Frauen ist am Wochenende mit den Aufstiegsspielen zu Ende gegangen. Bei den Rhein-Main Baskets ruhte der Ball schon etwas länger, nachdem sie im Anschluss an ihre Quarantäne auf weitere Spiele verzichtet hatten. Im Interview versucht Trainer Thorsten Schulz, trotz aller Unwägbarkeiten eine sportliche Bilanz zu ziehen, bewertet den Ist-Zustand und beleuchtet die Perspektiven in Langen.

Herr Schulz, die Pandemie überlagerte eine Saison, die nach Absagen, neuen Anforderungen und mit einem schiefen Tabellenbild zu Ende gegangen ist. Was bleibt hängen?

Na ja, man passt sich eben den Umständen an und versucht, das Beste herauszuholen. Aber natürlich war alles auch für mich als Trainer viel anspruchsvoller als in einer normalen Saison.

Was war die größte Herausforderung?

Ganz klar die Spielerinnen bei Laune zu halten. Das wurde auch bei den virtuellen Sitzungen mit den anderen Trainern der Liga deutlich. Am Wochenende gab es die Spielabsagen und montags musste man dann seine Mannschaft so gut wie möglich auf die nächste Partie vorbereiten und Vollgas geben, obwohl man innerlich zweifelte, ob sie überhaupt stattfindet. Das war immer ein schmaler Grat. Und die Punktabzüge nach unserem Verzicht im Endspurt waren der letzte Motivationskiller.

Wie hat Ihre Mannschaft diese Aufgabe gemeistert?

Da kann ich nur ein Kompliment aussprechen. Die Mädels sind immer positiv geblieben und haben mitgezogen, auch wenn es mental nicht leicht war. Das Positive ist, dass sich die jungen Spielerinnen weiterentwickeln konnten und einen großen Schritt auf Zweiliga-Niveau gemacht haben.

Lassen sich die Leistungen angesichts der Umstände überhaupt bewerten?

Natürlich haben andere Themen die Saison bestimmt. Aber man hat bei der einen oder anderen gesehen, was sie dazugelernt hat. Sari Cornelius zum Beispiel. Sie hatte vorher mit Rückenproblemen zu kämpfen und kam häufiger in der Regionalliga für Hofheim im Einsatz. Sie gehört nun zur festen Rotation und hat einen stabilen Eindruck hinterlassen. Auch Monika Wotzlaw ist aggressiver und selbstbewusster geworden. Oder Jule Seegräber, die zu einer Leaderin gereift ist und als Spielmacherin auch verbal den Ton angibt.

Eine Rolle, die eigentlich auf Pia Dietrich zugeschnitten ist, die aus gesundheitlichen Bedenken kürzer getreten ist...

Ja, Pia hat in den wenigen Spielen, die sie gemacht hat, sehr gut und smart agiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie wieder einsteigt, wenn die Bedingungen passen. So eine Abschiedssaison will ja keiner erleben.

Wie sieht es bei Svenja Greunke aus?

Für sie war es wichtig, dass der Körper mitmacht. Die neue Rolle als Leitwolf hat sie gut ausgeführt. Sie will sich erst mal offenlassen, wie es weitergeht. Aber auch da bin ich guter Dinge. Ein Großteil des Teams wird definitiv zusammenbleiben. Saskia Stegbauer wechselt aufs College in die USA.

Gibt es trotz der unsicheren Zukunft personelle Gedankenspiele, wie das Team weiter verstärkt werden kann?

Klar ist, dass wir weitere Talente wie Lucy Voss, Marlen Weber und Louisa Groth aus unserer U18 in die 2. Liga hochziehen werden. Die Ausbildung dieser Spielerinnen auf höherem Niveau wird unsere Philosophie bleiben. Ansonsten sehe ich uns gut aufgestellt, gerade auf den kleinen Positionen. Wenn sich bei den Tryouts aber jemand hervortut, sind auch noch Verstärkungen denkbar.

Rechnen Sie überhaupt mit einer normalen Saison 2021/22?

Ich bin ein positiver Typ, aber das Durcheinander gerade stimmt einen schon nachdenklich. Durch die Bundesnotbremse durften zunächst nur noch Berufssportler in die Halle, seit dieser Woche ist der Status wieder geändert worden und wir können trainieren. Beim Basketball-Teilzeit-Internat waren erst offiziell dokumentierte Schnelltests aller Teilnehmer vor jeder Trainingseinheit Voraussetzung, jetzt reichen eigene Schnelltests. Wie es im Herbst aussehen wird, weiß keiner. Wir arbeiten daher gerade mehr an den Rahmenbedingungen.

Inwiefern?

Es laufen Gespräche mit potenziellen Sponsoren. Wir wollen die Strukturen verbessern und uns so auch die Möglichkeit geben, in der neuen Saison vielleicht wieder mal oben anzugreifen.

Das Gespräch führte

Jörn Polzin

Trainer Thorsten Schulz

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