Wasserball

Ex-Offenbacher Sterzik: „Die Leistungsdichte ist brutal“

Uwe Sterzik.
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Uwe Sterzik.

Der gebürtige Offenbacher Uwe Sterzik, der das Wasserballspielen beim EOSC erlernte und als Aktiver sowie Trainer international Erfahrung sammelte, spricht im Interview unter anderem über seine Olympia-Erfahrungen

Offenbach – Von Offenbach in die große, weite Wasserballwelt: Uwe Sterzik reifte einst beim EOSC zum Nationalspieler und absolvierte 1996 in Atlanta seine dritten und letzten Olympischen Spiele. Im Interview spricht der 55-Jährige über die Anfänge in Offenbach, die Faszination Olympia, seine Erfahrungen als Bundestrainer und die Probleme einer Randsportart.

Herr Sterzik, wissen Sie noch, was sie vor 25 Jahren gemacht haben?

Da müssten wir im Olympia-Trainingslager in Nashville-Tennessee gewesen sein. Die Stadt ist bekannt für ihren guten Whiskey. Aber davon hatten wir natürlich nicht viel (lacht). Von dort ging es zu den Spielen nach Atlanta.

Kam die Nominierung für Sie überraschend oder war es nur Formsache?

Eine Überraschung war es nicht mehr. Ich war zu dem Zeitpunkt schon Leistungsträger. Bei den Spielen vorher musste ich noch um meinen Platz in der Mannschaft richtig kämpfen. Das war aber auch noch in der Hochzeit des deutschen Wasserballs.

Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Atlanta gereist?

Es war viel Melancholie dabei. Ich wusste, dass es meine letzte Olympiade sein wird. Entsprechend bewusst habe ich alles miterlebt und war bei der Abschlussfeier im Stadion mit dabei. In Erinnerung geblieben ist mir das temporäre Wasserball-Becken. Am Tag nach dem letzten Spiel wurde es im strömenden Regen schon wieder abgebaut.

Was macht die Faszination Olympia aus?

Für einen Sportler ist es das größte aller Ziele. Menschen, Länder, Erlebnisse. Da trifft der schlanke Leichtathlet auf den kräftigen Gewichtheber. In Atlanta wurden wir sogar in die Villa des deutschen Botschafters eingeladen. All diese Eindrücke können den Fokus verschieben, die sportliche Zielsetzung muss aber im Mittelpunkt bleiben.

Lief es deshalb dort auch nicht so rund...

Das muss man relativieren. 1992 begann ein Neuaufbau der Nationalmannschaft. Wir waren eine junge Truppe, die 1995 EM-Bronze holte. Übrigens auch die letzte Medaille der Wasserballer bei einem Großereignis. Die Leistungsdichte im Wasserball ist brutal, speziell in Europa. Wir haben in Atlanta die schwere Gruppe erwischt, in der nur die Niederlande auf Augenhöhe war. Als Neunter waren wir aus meiner Sicht aber Amateur-Olympiasieger.

Wie wird man vom Amateur-Olympiasieger zum deutschen Bundestrainer?

Ich war zur aktiven Zeit schon der Typ Spielmacher, der sich viel mit Taktik beschäftigt hat. Daher war klar, dass mich die Tätigkeit reizt. Der Job als Nationalcoach ist natürlich der Gipfel.

Ein steiler Aufstieg...

Ja, es gab damals ein unmoralisches Angebot. Nach meiner letzten EM-Teilnahme 1997 in Sevilla und nach 15 Jahren im Nationalteam war für mich klar, dass ich in der DSV-Familie bleiben möchte. Ich war damals Spielertrainer in Duisburg und habe einen Vertrag als Junioren-Nationaltrainer unterschrieben. Sechs Wochen später kam das Angebot, die Herren zu trainieren, da man sich mit dem damaligen Coach nicht einigen konnte. Eine einmalige Chance, aber auch ein Himmelfahrtskommando.

Inwiefern?

Wir sind bei der EM 1999 Achter geworden, aber der Negativtrend war unübersehbar. Nach der gescheiterten Olympia-Qualifikation für Sidney war für mich Schluss. Das hat mich zwar sehr mitgenommen, wie ich da als junger Coach verschlissen wurde, aber Niederlagen haben mich stärker gemacht.

Seit vielen Jahren kommt der Wasserball nicht auf die Beine. Woran liegt’s?

Talente fallen nicht vom Himmel. Mit Spandau Berlin und Duisburg gab es damals zwei Teams mit Ausnahmekönnern. Die fehlen heute. Zudem hat die Leistungsdichte durch die Aufteilung Russlands und vor allem Jugoslawiens zugenommen. Wasserball ist auch eine schwierige, technisch komplexe Sportart.

Sie leben seit einiger Zeit in der Schweiz und haben die Nationalmannschaft betreut. Wie ist die Lage?

Die Schweiz ist ein kleines Land, entsprechend überschaubar ist auch der Fundus an Wasserballern. Geld verdient man nur im Eishockey oder Fußball. Sonst spielt die Schweiz selten eine Rolle. Bei einer EM mit 16 Teilnehmern wären wir so auf Platz 17 bis 20. Es sind alles Amateure.

Lässt sich mit Wasserball genug Geld verdienen?

Generell kann man in Randsportarten selten soviel verdienen, dass es für später reicht. Ich konnte damals dank verschiedener Töpfe, wie der Deutschen Sporthilfe oder dem Elternhaus, zumindest problemlos studieren, ohne jobben zu müssen.

Welche Rolle hat die Stadt Offenbach und der EOSC für Ihre Karriere gespielt?

Offenbach ist meine Heimatstadt. Ich bin quasi auf der Rosenhöhe bzw. im Tambourbad groß geworden. Mein Elternhaus steht immer noch in Offenbach. Dort wurde ich sozialisiert. Und wer sich da durchsetzt, kommt überall durch (lacht). Meine Eltern hatten wenig Geld, alles wurde gespart für das Häuschen am Stadtrand. Reisen war immer ein großer Antrieb. Letztlich hat mir das der Wasserball ermöglicht.

Mit sieben haben Sie mit dem Wasserball angefangen, mit 17 sind Sie mit dem EOSC in die 1. Liga aufgestiegen. Was ist da noch hängen geblieben?

Ich war immer der jüngste, bin mit 15 ins Herrenteam gerutscht. Geprägt haben mich meine Trainer Klaus Schürmann (Nachwuchs) und Janko Tschakaloff (Herren), darüber hinaus hatten wir als Team eine Ansammlung von Egozentrikern - im positiven Sinne. Jeder war eine eigene Nummer, sowohl im als auch außerhalb des Wassers. Entsprechend früh wurde ich ins Offenbacher Nachtleben eingeführt (lacht). Ich bin besonders stolz, mein erstes von 342 Länderspielen für den EOSC in Neapel 1985 absolviert zu haben.

Heute ist Wasserball in Offenbach ziemlich von der Bildfläche verschwunden.

Da geht es dem EOSC leider wie vielen anderen Traditionsvereinen. Leider hat man den Anschluss im Nachwuchsbereich verpasst. Aber Offenbach hat viele große Sportler rausgebracht. Darauf kann man stolz sein.

Das Gespräch führte Jörn Polzin

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