„Gesundheit ist das höchste Gut“

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Tatjana Malek, Nummer drei der deutschen Rangliste.

Offenbach - Vor etwa einem Jahr, beim WTA-Turnier in Indian Wells, klagte sie über Schmerzen in der Wade. Was nach einer harmlosen Verletzung aussah, entpuppte sich bei Tatjana Malek als Blutgefäßverstopfung. Von Holger Appel

Diese kann zum Herzstillstand führen und hatte bei der 21-Jährigen bereits eine Lungenembolie verursacht. Das viele Fliegen sei der Grund dafür gewesen. Nach Operation und langem Krankenhausaufenthalt hat sich die Bad Salgauerin nun wieder herangekämpft, steht am Wochenende in Frankfurt im deutschen Fed-Cup-Team, das gegen China die Relegation für die Weltgruppe bestreitet. Malek tritt wohl mit Anna-Lena Grönefeld im Doppel an.

Tatjana Malek, wie hat sich 2008 Ihr Leben verändert?

Es hat mir auf tragische Weise gezeigt, wie schnell so etwas passieren kann, aber auch, dass es noch etwas Wichtigeres als Tennis gibt. Das höchste Gut ist die Gesundheit. Dadurch habe ich gelernt, auf meinen Körper zu hören. Trotzdem aber wurde mir in der Zeit, als ich mich mit meiner Krankheit befasste, auch klar, wie sehr ich Tennis vermisse. Ich denke, dieses Zurückwollen hat mir sehr geholfen, nie den Mut zu verlieren und hat mich gestärkt.

Wie gehen Sie als Leistungssportlerin mit diesen Erfahrungen damit um?

Ich habe mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, wie anstrengend die ganze Reiserei für den menschlichen Körper ist. Jetzt lebe ich bewusster, gehe aber auch sehr offen mit diesem Thema um. Dabei habe ich erfahren, dass viele Menschen sich vor langen Flügen Heparin spritzen. Auch dass man nicht lange sitzen, sondern sich bewegen soll, ist nichts Neues.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie nun zu internationalen Turnieren ins Flugzeug steigen?

Ich versuche, mehrere Turniere zu kombinieren und nicht mehr Woche für Woche den Kontinent zu wechseln. Das müssen dann auch einzelne Veranstalter einsehen, wenn man dann irgendwann einmal nicht bei einem Turnier dabei sein kann.

Wie reisen Sie nun nach Frankfurt an?

Wohl mit dem Zug.

Wann genau haben Sie nach der Auszeit erstmals wieder mit dem Training begonnen?

Ende Juni, Anfang Juli konnte ich leicht beginnen, Bälle zu schlagen und etwas zu joggen. Es dauerte zwei weitere Monate, bis ich endlich wieder alles machen konnte.

Waren Sie überrascht, dass Barbara Rittner Sie gegen die Schweiz und jetzt gegen China bereits wieder für das Fed-Cup-Team nominiert hat?

Tatjana Malek

Alter: 21 Jahre

Verein: TC Bad Saulgau

Weltrangliste: Platz 149

Deutschte Rangliste: Platz 3

Größte Erfolge: Viertelfinale beim WTA-Turnier in Barcelona 2009; Platz 1 beim ITF-Turnier in Stockholm 2009; Aufstieg mit dem Fed-Cup-Team in die Weltgruppe 2007; Platz 1 beim ITF-Turnier in Bratislava 2007; Mehrfache deutsche Jugendmeisterin

Barbara hat sich ihre Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Sie hatte bei den Australian Open ein ganzes Häufchen möglicher Spielerinnen beobachtet, die gegen die Schweiz in Frage kamen. Nimmt man das Ergebnis und mein Special Ranking 95, ist es keine Überraschung. Es tut aber schon gut, zu wissen, dass die Teamchefin an einen glaubt. Jetzt gegen China war die Entscheidung sicher nicht leichter. Hier hat Barbara das Team gleich gelassen und um ihre Worte zu gebrauchen, sich auf ihr Bauchgefühl verlassen. Es war eine unglaublich starke Woche in der Schweiz und wir waren ein Superteam. Wobei ich denke, dass sich die Ergebnisse aller vier Nominierten in den letzten Wochen schon sehen lassen können.

Was zeichnet Sie aus?

Meine Ruhe und Besonnenheit. Vor allem, wenn man draußen spielt, muss man sich immer wieder auf äußere Gegebenheiten einstellen. Weht der Wind stark, muss man wissen, er weht für die Gegnerin gleich stark. Entscheidet der Schiedsrichter gegen einen, hilft es nichts, ihn vollends gegen einen aufzubringen. Hinzu kommt aber auch Willensstärke.

Wie würden Sie ihre momentane Form bezeichnen?

Ich bin in einer sehr guten mentalen, aber auch physischen Form. Zuletzt war ich beim WTA-Turnier in Barcelona im Viertelfinale - das ist schon ganz ordentlich.

Welche Eigenschaften muss eine gute Doppelspielerin besitzen?

Als erstes muss die Chemie stimmen. Aber auch ein gewisser Spielwitz ist nötig, um erfolgreich zu sein.

Was kann man vom Doppel Grönefeld/Malek erwarten?

Wir konnten zwei Mal den entscheidenden Punkt gewinnen, in Japan und jetzt in der Schweiz. Das ist ein unglaublich tolles Gefühl und stärkt den Glauben an uns selbst.

Wie schätzen Sie die chinesischen Gegnerinnen ein?

China reist mit einem starken Team an. Zheng steht an 16 in der Welt und Na Li ist erfolgreichste Fed-Cup-Spielerin ihres Landes. Es wird keine leichte Aufgabe, aber wir haben Heimvorteil und die Chinesinnen tun gut daran, uns nicht zu unterschätzen.

Wie bewerten Sie die Chance, in die Weltgruppe zurückzukehren?

Mit Heimvorteil haben wir eine Chance. Auch der Gegner kocht nur mit Wasser.

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Die gute Stimmung im Team, die die guten Ergebnisse unserer Spielerinnen noch wertvoller machen.

Wann haben Sie mit dem Tennis begonnen und warum?

Ich war noch keine vier Jahre jung, als ich an einem Schnuppertag beim Tennis-Club in Bad Saulgau teilgenommen habe. Ich habe an vielen Sportarten und Musikinstrumenten geschnuppert, um zu sehen, wo meine Begabungen lagen. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass es was mit dem Ball sein muss. Während andere Mädchen mit Puppen spielten, spielte ich im Wohnzimmer Luftballons über die Schnur. Aus Zeitgründen blieben Handball und Tennis übrig.

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