Hanauer Box-Funktionär sucht nach Zugpferd

„Hans Dampf“ hofft auf Felix Sturm

Hanau - WSB steht für World Series of Boxing. Seitdem der Hanauer Unternehmer Ulrich Bittner die Rechte für das deutsche Team an der Amateurbox-Weltserie gekauft hat, könnte WSB auch für die Wundersame Show Bittners stehen. Von Jörg Moll

Vor dem dritten Auftritt in der Vorrunde gegen Argentinien am Freitag (ab 19 Uhr) im Limes-Forum in Großkrotzenburg warf der selbst ernannte „Hans Dampf in Hanaus Gassen“ die PR-Maschine an. Die beiden Vertreter des Deutschen Boxverbandes gerieten bei Bittners Solo-Show schnell zu Statisten. Nach dem Boxring Hanau, den der Geschäftsführer der international agierenden Bittner Group binnen zwei Jahren in die Bundesliga geführt hat, sollen auf internationaler Ebene Erfolge her. Platz vier in der Vorrundengruppe ist das aktuelle Ziel. Die Ukraine und Italien hält Bittner für zu stark. Doch mit den USA, Algerien und Argentinien könne das deutsche Team mithalten. „Wenn unsere Hanauer Lokalmatadoren Hamza Touba und Erik Pfeifer ihre Kämpfe erfolgreich gestalten, bin ich mir sicher, dass wir gewinnen“, sagt Bittner mit Blick auf Freitag. Mit dem zweiten Saisonsieg soll Platz vier verteidigt werden. Im Viertelfinale könnte Kuba warten.

Die führende Amateurbox-Nation ist Spitzenreiter der zweiten Vorrundengruppe. Den jüngsten 5:0-Sieg gegen Russland feierten 14.000 Zuschauer. „Solche Zahlen will ich auch in Deutschland erleben“, meint Bittner. Für die kommende Saison kündigte er das Ende der Bescheidenheit an. „Ich verspreche, dass wir dann einen klangvollen Namen im Team haben werden“, sagt der Präsident des deutschen WSB-Teams, der sich für 300.000 Euro die Rechte für sieben Jahre vom Internationalen Amateurboxverband (AIBA) gesichert hat. Über ein Mitwirken von Weltmeister Felix Sturm sinniert er, auch der Darmstädter Jack Culcay-Keth ist ein Thema. In dieser Saison steht die Prominenz noch neben dem Ring. Ex-Profi René Weller wird am Freitag als Team-Koordinator ohne Sportkoordinator Graciano „Rocky“ Rocchigiani auskommen müssen. Der Ex-Weltmeister feiert mit Henry Maske 50. Geburtstag.

Dass Bittner mit in Ehren ergrauten Altstars wirbt, ist dem Umstand geschuldet, dass der deutschen Amateurboxszene ein Gesicht fehlt. Das zu ändern, ist der Wunsch des Deutschen Boxverbandes und dessen Sportdirektor Michael Müller. Und so preist er mit Pressesprecher Oliver Palme die Qualitäten der Serie und der deutschen Starter an. Wohlwissend, dass selbst ein Olympiateilnehmer wie Erik Pfeifer außerhalb der Boxszene kaum jemand ein Begriff ist. Bittner stört das nicht. „1860 München hat man auch erst wieder wahrgenommen, als Thomas Häßler kam.“

Auftakterfolg für Boxring Hanau

Auftakterfolg für Boxring Hanau

Beim Werben um Zugpferde sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. So wurde die Altersgrenze auf 40 Jahre angehoben, wer weniger als 20 Profikämpfe bestritten hat, darf auch mitboxen. Und wenn ein Weltmeister seine Profi-Karriere beendet, darf er ebenfalls in den WSB-Ring steigen. Somit soll alternden Stars wie Vladimir Klitschko (37) eine goldene Brücke gebaut werden. Doch nicht jede Brücke erweist sich als tragfähig. Bittners Idee, AIDA-Kreuzfahrer in Buenos Aires zum Rückkampf gegen die Latino-Boxer zu animieren, bleibt eine Vision. „Wir haben erfahren, dass der Kampf 600 Kilometer von Buenos Aires entfernt ausgetragen wird.“ In einer baufälligen Disco ohne Sanitäranlagen. Im ehemaligen Bürgerhaus Großkrotzenburg werden die Boxfans ungleich komfortabler empfangen. Dass sich die laut Bittner 1000 Interessenten für kostenlose Tickets um 500 Plätze streiten müssen, ist eingeplant: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Rubriklistenbild: © Archiv: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare