Davis-Cup-Team

Hoffnungsträger mit Makel

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Gestern gemeinsam im Römer, heute Gegner in der Ballsporthalle: Philipp Kohlschreiber trifft erstmals überhaupt in einem Pflichtspiel auf Roberto Bautista Agut (rechts). Das zweite Einzel bestreiten heute Florian Mayer und Feliciano Lopez.

Frankfurt - Zunächst ohne Tommy Haas startet das deutsche Davis-Cup-Team am Freitag in die Erstrundenpartie gegen Spanien. Philipp Kohlschreiber, in der öffentlichen Gunst klar im Schatten von Haas, geht in der Fraport Arena in Höchst als Nummer eins auf den Hartplatz. Von Jörg Moll

Für Kohlschreiber bringt der 23. Davis-Cup-Auftritt eine Premiere mit sich. Der 30-Jährige trifft heute (14 Uhr) im Eröffnungseinzel erstmals auf Roberto Bautista Agut. „Ich habe nur ein-, zweimal gegen ihn trainiert“, berichtet der 30-Jährige: „Er ist ein untypischer Spanier.“ Das heißt: Der Weltranglisten-52. fühlt sich auch auf schnelleren Belägen wohl. Im zweiten Einzel wartet am Sonntag Feliciano Lopez, der heute zunächst gegen Florian Mayer aufschlägt. Kohlschreiber hat Respekt vor den Iberern, Furcht flößen sie ihm aber nicht ein. „Es gibt keinen, den ich gar nicht haben will“, sagt der Weltranglisten-27., der nun anstelle von Haas das deutsche Davis-Cup-Team als Nummer eins führen wird. Nach der Absage der spanischen Topspieler Rafael Nadal, David Ferrer und Tommy Robredo ist die Zuversicht groß: „Wir sind vom klaren Außenseiter in eine deutlich positivere Rolle gerückt.“

Für Kohlschreiber soll seine Davis-Cup-Routine vor ausverkauftem Haus ein wichtiger Pluspunkt gegen Debütant Bautista Agut werden. „Ich hoffe, dass mir diese Erfahrung hilft.“ Die Oberschenkelverletzung, die ihn in Melbourne zur Absage zwang, ist ausgeheilt. Teamkapitän Carsten Arriens attestierte ihm bärenstarke Trainingsleistungen auf dem schnellen Rebound-Ace-Hartplatz in Frankfurt.

Kohlschreiber, der mit 9:7 Siegen eine positive Bilanz im Teamwettbewerb hat, ist ein Hoffnungsträger mit Makel. Beim letzten Duell mit den Iberern auf der Ferieninsel Mallorca war er 2009 trotz der 2:3-Niederlage mit zwei Einzelerfolgen gegen Robredo und Fernando Verdasco der überragende deutsche Akteur. 2012 zeigte Kohlschreiber seine streitbare Seite: Die Davis-Cup-Partie gegen Argentinien (1:4) sagte er krank ab. Weil er auch auf einen Besuch der Partie verzichtete, kam es zum Streit mit Tommy Haas, in dessen Folge Kapitän Patrik Kühnen zurücktrat. Doch das ist Vergangenheit. „Wir sind sicherlich keine ‘best buddys’, aber wir verstehen uns viel besser“, sagte Kohlschreiber. Wie sehr die Rollenverteilung im deutschen Tennis fixiert ist, spürt der Augsburger in den Tagen von Frankfurt überdeutlich. Beim Pressegespräch war Haas von einem Dutzend Journalisten umringt, an Kohlschreibers Tisch verloren sich zwei. Schlechter erging es nur Florian Mayer, Daniel Brands und Andre Begemann. Sie hatten erst gar nicht den Gang zum Tisch gewagt.

Wir berichten per Live-Ticker vom Davis Cup in Frankfurt...

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