"Jetzt geht's los": Freie Wahl nur bei der Unterwäsche

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Die Eisschnellläuferin Daniela Anschütz-Thoms bei der Einkleidung 

Erding - Mit einem farbenfrohen Mix aus strahlendem Gelb, leuchtendem Pink und frischem Aqua-Blau wollen die deutschen Wintersportler bei der Medaillenjagd in Vancouver auch modisch glänzen.

“Jetzt geht's los! Mit diesem Augenblick beginnt das Kribbeln“, sagte vier Wochen vor den Winterspielen in Kanada Präsident Thomas Bach vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) beim offiziellen Einkleidungstermin am Donnerstag im Bundeswehr- Fliegerhorst Erding bei München. “Diese Einkleidung macht die Nominierung erst greif- und fühlbar.“ Rund 350 Athleten, Betreuer und Funktionäre absolvieren seit vergangenen Montag in der zu einer riesigen Kleiderkammer umfunktionierten Sporthalle ihren kostenlosen Shopping-Marathon.

“Ich schwitze wie im Training“, gestand Eisschnellläuferin Daniela Anschütz-Thoms bei ihrem Gang durch die Kleiderkammer. Jacken werden dort angezogen, Schuhe ausprobiert, Mützen aufgesetzt. “Passt schon!“, sagte Anschütz-Thoms einmal fast schon erleichtert. Jedes Detail bis zur einheitlichen Sonnenbrille wird den deutschen Vertretern, die etwa bei der Eröffnungsfeier die kanadischen Gastgeber mit einem schwarz-rot-goldenen Ahornblatt modisch grüßen, vorgeschrieben. Nicht nur der Herren-Schnürschuh ist einheitlich, auch das dazugehörige Pflegeset händigen die freundlichen Bundeswehr- Soldaten aus. Allein die Unterwäsche bleibt in Vancouver freie Wahl.

Wie beim Winterschlussverkauf ist das Gedränge an den olympischen Wühltischen. “Das ist mir jetzt echt zu voll“, stöhnte Curlerin Mélanie Robillard, die bei ihren ersten Winterspielen fast ein Heimspiel hat. Immerhin ist die Athletin des SC Riessersee Franko- Kanadierin - und freut sich schon unbändig auf ihre ganz besonderen Spiele. “Ich kann gar nicht erwarten, dass es endlich losgeht. Ich habe ja auch noch Familie dort.“

“Sie ist jung, sie ist frisch, sie ist sympathisch“, lobte DOSB- Präsident Bach die modische Olympia-Ausstattung der Ausrüster adidas, Bogner und Sioux. “Mir gefällt am besten die bunte Jacke“, sagte Robillard und wanderte weiter von Tisch zu Tisch. Anschütz-Thoms probierte derweil eine beidseitig tragbare Wickelweste an - außen in schwarz-rot-gold, innen in schwarz. “Dort werde ich wahrscheinlich bunt außen tragen, zivil aber schwarz“, sagte sie und gab zu: “Einige Sachen gefallen mir gut, andere sind etwas gewöhnungsbedürftig.“

Gleich vier verschiedene Sortimente von der “Reisekleidung“ bis zur “Einmarschkleidung“ erhalten die Sportler. Insgesamt sind es rund 60 Einzelteile für die am 12. Februar beginnenden Winterspiele. Mit einem prall gefüllten Einkaufswagen verließ Anschütz-Thoms nach rund eineinhalb Stunden die Sporthalle. Und damit bei Olympia auch ja nichts schiefgeht, erhielt sie wie alle anderen zum Schluss ein dickes Handbuch mit allen notwendigen Informationen für den Saisonhöhepunkt - inklusive eines knappen Kleidungsknigges. 

dpa

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