Vom Kneipensportler zum Millionär

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Die absolute Nummer eins unter den Dartspielern: Phil „The Power“ Taylor trifft seit Jahren so gut wie kein anderer.

Offenbach ‐ Wie eine lebende Legende sieht er nun wirklich nicht aus, dieser Phil Taylor. Blasse Haut, tätowierte Arme und einige Kilo Übergewicht – würde man dem 49-Jährigen irgendwo im Urlaub begegnen, man könnte ihn glatt für einen typischen englischen Touristen halten. Taylor ist aber mehr als das.  Von Christian Düncher

Er gilt als bester Dartspieler aller Zeiten und hat gerade zum 15. Mal seit 1990 den WM-Titel gewonnen.  „Es ist der beste Job der Welt, und ich liebe, was ich mache“, hat Taylor unlängst in einem Interview mit sport1.de gesagt. Kein Wunder, hat er doch sein Hobby zum Beruf gemacht. Zu einem äußert lukrativen noch dazu. 225.000 Euro Siegprämie hat er allein für den Gewinn der Weltmeisterschaft eingestrichen. Insgesamt waren es 2009 bei 22 Turnieren rund 800.000 Euro. Kein schlechter Jahresverdienst für einen, der kleine Pfeile auf eine Scheibe wirft.

Gelegenheitsarbeiter und Bodybuilder

Angefangen hat die Karriere des sympathischen Ausnahmesportlers in der englischen Kleinstadt Burslem in der Region West Midlands. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, verließ Taylor mit 16 Jahren die Schule, verdingte sich fortan als Gelegenheitsarbeiter und war – auch wenn man es ihm heute nicht mehr ansieht – lange Zeit Bodybuilder. Den Weg an die Korkscheibe fand er erst durch seine Frau Yvonne, die ihm riet, lieber in die Pubs zu gehen. Denn dort käme man beim Darts-Spielen wenigstens unter Leute. Leute wie Eric Bristow, einen der populärsten Dartspieler der 80er Jahre. Bristow förderte Taylor mit umgerechnet knapp 15.000 Euro und ebnete so den Weg zu dessen steiler Karriere.

1990 stürmte Taylor bei der WM als ungesetzter Außenseiter ins Finale und besiegte dort seinen Mentor Bristow klar mit 6:1. Insgesamt nahm der Mann mit dem Spitznamen „The Power“ („Die Macht“) an 19 Weltmeisterschaften teil, stand dabei 18 Mal im Endspiel und gewann 15 Mal den Titel – zuletzt am 3. Januar mit 7:3 gegen den Australier Simon Whitlock.

60 Prozent Talent, 40 Prozent harte Arbeit

Dart ist ein Präzisionsspiel, bei dem mit kleinen Pfeilen („Darts“) auf eine Scheibe geworfen wird, die in Segmente mit unterschiedlichen Wertigkeiten unterteilt ist. Neben dem klassischen Steeldart hat sich auch eine Variante etabliert, bei der mit Plastikpfeilen auf einen Automaten geworfen wird - das so genannte Electronic-Dart. In der Region werden beide Varianten auch in Vereinen gespielt. Informationen finden Sie auf den Internetseiten Steeldart und Dart Deutschland.

Ich habe gegen einen Computer gespielt“, meinte einst einer seiner Gegner. Der Vater von vier Kindern wurde aber nicht einfach auf Sieg programmiert. „60 Prozent sind Talent und 40 Prozent harte Arbeit“, meint Taylor, der früher zum Teil sieben Stunden pro Tag trainierte. Inzwischen hat er das Pensum auf rund drei Stunden reduziert, von seinem Ehrgeiz jedoch noch lange nichts eingebüßt: „Ich will mich weiter verbessern, denn ich bin ein Perfektionist.“ Für Leute, die der Meinung sind, Darts sei keine Sportart, hat der Engländer folglich kein Verständnis: „Man braucht Können, Ausdauer, Talent, Konzentration und jede Menge Hingabe. Für mich ist das Sport, kein Zweifel.“

Vom Image des Kneipensports hat sich die Professional Darts Corporation (PDC), die Taylor mitgegründet hat, zuletzt bewusst immer mehr entfernt, wenngleich die WM weiter vor einem grölenden, bierseligen Publikum ausgetragen wird. 7.000 Zuschauer feierten ausgelassen im ausverkauften Alexandra Palace in London, während es für die Spieler oben auf der Bühne lediglich Wasser gab. Taylor selbst trinkt – typisch britisch – nur Tee und hat keine Probleme mit der Partyatmosphäre. „Die Leute sind da, um Spaß zu haben – aber natürlich in Grenzen. Für uns ist es großartig, unseren Sport vor solch einem begeisterungsfähigen Publikum auszuüben.“

Anzeige wegen sexueller Belästigung

1999 kannte „The Power“ die Grenzen offenbar nicht, als er zwei betrunkene junge Frauen mit in sein Luxuswohnmobil nahm und anschließend von ihnen wegen sexueller Belästigung angezeigt wurde. Taylor kam mit einer Geldbuße davon, verlor aber Sponsoren und wurde nicht wie vorgesehen zum „Member of the British Empire“ ernannt. Die Fans haben ihrem Idol längst verziehen. Beim WM-Finale, das alleine im Deutschen Sportfernsehen bis zu einer Million Zuschauer verfolgten, feierten ihn die Fans mit einem eigenen Lied: „There is only one Phil Taylor“ – es gibt nur einen Phil Taylor. Wohl wahr.

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