Traum vom „Hole-in-One“

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Vertrackte Situation: Beim Discgolf wird aus allen Lagen geworfen. Abstecher ins dichte Gestrüpp machen den besonderen Reiz der Trendsportart aus, die in den USA sogar professionell gespielt wird.

An einem kalten, nassen Samstag im Herbst gibt es schönere Orte als dem Ostpark in Rüsselsheim. Dort dreht an solchen Tagen eigentlich nur seine Runde, wer Wuffi oder Bello etwas Auslauf verschaffen möchte. Oder aber, wer aus 100 Metern Entfernung einen Frisbee in einen Korb werfen will. Von Jens Dörr

Discgolf heißt die Sportart, deren Szene im Rhein-Main-Gebiet aus etwa 100 Personen besteht. 65 Hobbyspieler, vom Schüler bis zum Rentner, gehören allein demSV Scheibensucher Rüsselsheim an. Was sie auf „ihrer“ Anlage im Ostpark fabrizieren, ist faszinierender, als es zunächst klingen mag. Michael Hamann war bis vor kurzem der „Capitano“, wie es Jogi Löw formulieren würde, wurde inzwischen von Kai Haas als Vorsitzender beerbt. Mit drei weiteren Discgolfern streift er durch Schneisen des Parks, oft jenseits aller offiziellen Wege, hinweg über Laub und angebrochenes Geäst.

Dann geht‘s ans Putten

Irgendwann hält die Gruppe an und Hamann nimmt Maß. Schleudert den Frisbee, physische Gesetze zu Druck und Aerodynamik ausnutzend, dort hindurch, wo die Bäume ihm etwas Platz lassen. „Man muss die Scheibe an vorgegebenen Hindernissen vorbei werfen und möglichst nah an den Korb heran“, sagt Hamann.

Dann geht’s ans „Putten“, ans Einnetzen aus kurzer Distanz. Nur einer von vielen Begriffen, der aus dem herkömmlichen Golfsport stammt, dem das Discgolf sehr ähnlich ist. Eine Gruppe von Spielern heißt „Flight“, das Erreichen der Platznorm bei der Anzahl der Würfe nennt man „Par“. Statt Ball und Schläger sind beim Discgolf aber Scheibe und ein gutes Händchen Trumpf.

„Putten“ aus dieser Entfernung ist für die Spieler reine Formsache.

Es hat etwas Fesselndes, wenn Hamann oder auch Robin Holighaus, frischgebackener Vereinsmeister, Maß nehmen. Vor allem der erste Wurf ist entscheidend für den Ausgang: „Vor Eichen sollst du weichen“ bekommt in der Randsportart eine weitere Bedeutung. Macht es kurz nach dem Abwurf des Frisbees „klack“, ist das Sportgerät am Stamm gelandet, anstatt Richtung Korb zu gleiten. „Normales Frisbee war uns irgendwann zu langweilig“, sagt Hamann. Daraus resultierte die Motivation, nach und nach 18 Körbe im Ostpark zu errichten und sich Gedanken über Bahnen und Hindernisse zu machen.

Auch bei den Discgolfern gilt das Prinzip: Übung macht den Meister. Mit dem nötigen Talent lässt sich schon nach wenigen Jahren in der deutschen Spitze mitwerfen. Discgolf kommt – wie könnte es anders sein – ursprünglich von der anderen Seite des großen Teichs. Seit den 70er Jahren gibt es den Sport in den USA, seit 2006 beim eingetragenen Verein in Rüsselsheim. „Wir spielen das aber schon viel länger“, sagt Hamann.

Ihm entlocken Fehlwürfe wie seinen Mitspielern auch mal Kraftausdrücke – der harmlosen Gattung, versteht sich. Vor allem, wenn ein nahezu sicherer Wurf daneben geht und zusätzliche, ungewollte Punkte einbringt. „Aus fünf, sechs Metern sollte ein Treffer in den Korb nur Formsache sein“, erläutert der Ex-Ober-Scheibensucher. Ab zehn Metern wird es anspruchsvoller, vergleichbar mit einem längeren Schlag beim Golf vom Rand des „Putting Green“.

Ein „Hole-in-one“ von einem Abwurf aus 100 bis 150 Metern Entfernung, ist wie bei Tiger Woods und Co. natürlich reine Glückssache. Wenn die Scheibe im Korbnetz zappelt, entschädigt das dann aber auch für den trübsten Tag im Park.

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