Heim-WM

Enttäuschte Handballer hoffen auf kleines Happy End

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Die deutschen Handballer stehen nach dem verpassten Finaleinzug geknickt in der Halle. Foto: Axel Heimken

Deutschlands Handballer müssen den Frust über den verpassten WM-Titel schnell bewältigen. Die Heim-WM soll nun wenigstens mit dem Gewinn einer Medaille enden. Dazu muss das Spiel um Platz drei gegen Frankreich gewonnen werden.

Herning (dpa) - Auf der nächtlichen Busfahrt von Hamburg nach Herning schwor Bundestrainer Christian Prokop die tief enttäuschten deutschen Handballer auf den Kampf um WM-Bronze ein.

"Er hat das Team aufgemuntert", berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer. "Die Jungs wissen, dass sie nur mit guter Stimmung wieder erfolgreich sein können."

Nach dem geplatzten Gold-Traum durch das 25:31 (12:14) im Halbfinale gegen Norwegen strebt die DHB-Auswahl an diesem Sonntag (14.30 Uhr/ZDF) mit einem Erfolg gegen Rekord-Champion Frankreich ein kleines Happy End bei der gelungenen Heim-WM an. "Wir sind Profis und wollen natürlich einen versöhnlichen Abschluss", sagte Prokop vor der Partie um Platz drei in Herning. "Wir werden alles reinsetzen in das letzte Spiel."

Die Niederlage gegen die cleveren Norweger, die am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Co-Gastgeber Dänemark um den Titel spielen, wirkte bei den Spielern auf der Bus-Tour nach Dänemark noch einige Stunden nach. "Natürlich waren die Jungs enttäuscht. Dass da die Stimmung nicht gut ist, ist keine Frage", sagte Teammanager Oliver Roggisch.

Zu hoch waren die Erwartungen zuvor gewesen, zu tief der Fall nach 60 packenden Minuten vor 12 500 Zuschauern in der voll besetzten Hamburger Arena. "Es tut natürlich weh, ein Halbfinale zu verlieren. Ich fühle mich leer, ich glaube das ganze Team fühlt sich leer", schilderte Rechtsaußen Patrick Groetzki die Gefühlslage.

Am Samstag war daher neben der Regeneration vor allem psychologische Aufbauarbeit gefragt. Das geplante Training strich Prokop kurzerhand. Auch wenn es mit dem Wintermärchen 2.0 nichts wurde, winkt doch immerhin das erste WM-Edelmetall seit dem Triumph 2007. "Wir haben den Anspruch, nach diesen tollen Leistungen auch was mitnehmen zu können", sagte Kromer. Und Roggisch betonte: "Die Mannschaft ist bereit, noch mal 60 Minuten alles reinzulegen und die Medaille nach Deutschland zu holen."

Dafür müssen die letzten Kräfte mobilisiert werden, denn der Tank ist nach neun Spielen innerhalb von 15 Tagen nicht mehr voll. "Wenn jetzt eine Mannschaft sagt, dass alle Spieler fit sind, dann läuft irgendwas falsch. Wir haben viele angeschlagene Spieler", berichtete Roggisch.

Spätestens mit dem Anpfiff rückt das in den Hintergrund. "Keiner will nach dem Turnier nach Hause gehen und sagen: Mensch, wir sind Vierter geworden", erklärte Rückraumspieler Fabian Böhm. "Wir sind es den Fans schuldig. Wir haben so eine tolle Atmosphäre in den Hallen gehabt. Wir wollen unbedingt diese Bronzemedaille."

Der 29-Jährige vom Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf war gegen Norwegen mit sechs Toren neben Kapitän Uwe Gensheimer, der sieben Mal traf, die einzige Offensivkraft mit Durchschlagskraft. Noch entscheidender war jedoch, dass die Defensive dieses Mal nicht so glänzte wie zuvor im Turnierverlauf. "Dem Anspruch, die stärkste Abwehr der Welt zu stellen, sind wir leider nicht gerecht geworden. Und vorne hat uns ein Stück weit der Mut verlassen. Das Ergebnis ist so, wie es ist, richtig", bilanzierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Am positiven Gesamteindruck, den die deutsche Mannschaft in den Tagen von Berlin, Köln und Hamburg hinterlassen hat, änderte dies nichts. "Wir haben eine überragende Weltmeisterschaft in Deutschland gespielt", sagte Hanning. "Schade, dass wir das Finale nicht erreicht haben. Aber unter dem Strich können die Jungs auf das, was sie geleistet haben, superstolz sein. Wir haben gezeigt, dass wir wieder in der Weltspitze drin sind."

Auch wenn das Spiel gegen Norwegen verloren ging - der Handball in Deutschland war auf jeden Fall ein Gewinner. 11,91 Millionen Menschen fieberten am Freitagabend vor den Fernsehgeräten mit dem Prokop-Team und bescherten der ARD eine Rekordquote bei dieser WM. "Wir haben viele Sympathien gewonnen. Es ist ganz wichtig, dass wir das nutzen", sagte der Bundestrainer. Und Kreisläufer Jannik Kohlbacher stellte fest: "Wir haben das Gefühl, dass wir Handball-Deutschland immer noch hinter uns stehen haben."

Der Zuspruch nach der bitteren Niederlage war jedenfalls enorm. Schon in den Katakomben der Arena spendete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit seiner Frau einigen Spielern um Kapitän Gensheimer Trost. "Das war eine ganz tolle Zeit. Diese Mannschaft hat begeistert", lobte Steinmeier. DFB-Präsident Reinhard Grindel, der ebenfalls auf der Tribüne die Daumen gedrückt hatte, schickte via Twitter beste Grüße: "Schade, dass unsere Handballer das Finale nicht erreicht haben. Sie haben uns aber mit ihrem Spiel, ihrem Team- und Kampfgeist begeistert."

Das soll auch zum Abschluss gegen den sechsmaligen Weltmeister Frankreich noch einmal gelingen. Kohlbacher gab daher die Devise aus: "Natürlich ist die Enttäuschung groß, aber man kann sich immer noch mit einer Medaille belohnen - und das ist es, was zählt."

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