Impfschutz ohne Nebenwirkungen

Corona-Impfung: Ist man ohne spürbare Impfreaktionen vor dem Virus geschützt?

40 Prozent der Menschen in Hessen sind gegen Corona geimpft - und viele von ihnen ganz ohne Nebenwirkungen. Ein schlechtes Zeichen für den Impfschutz?

Kassel – Genau wie im Rest von Hessen sind Hunderttausende Menschen in der Region* inzwischen vollständig gegen Corona* geimpft. Manche von ihnen klagten nach der Impfung über Beschwerden: Fieber, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen*, Müdigkeit sind die Nebenwirkungen, die am häufigsten auftreten. Und weil das Thema in aller Munde ist, wurde in letzter Zeit auch vermehrt spekuliert: Haben die, bei denen das Immunsystem keine Nebenwirkungen auslöst auch weniger Impfschutz?

Einem Faktencheck der Deutschen Presse-Agentur zufolge besteht kein Grund zur Besorgnis. Symptome nach einer Impfung seien „kein Gradmesser für die Stärke des Impfschutzes“, bestätigte etwa Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Menschen könnten komplett symptomfrei sein und dennoch einen starken Schutz ausbilden*. Umgekehrt hätten in Studien zur Zulassung der Covid-19-Impfstoffe aber auch Menschen Symptome gezeigt, die nur ein Placebo bekommen hätten, berichtet die Agentur.

Zwei Arten Immunsystem: Sind Nebenwirkungen ein gutes Zeichen für den Impfschutz?

Richtig sei, dass etwa Fieber und Müdigkeit ein Zeichen dafür seien, dass der Körper nach der Impfung in den Abwehrmodus geht. Diese Symptome kämen in den meisten Fällen aus dem sogenannten „angeborenen Immunsystem“. Das werde nach einer Impfung als erstes aktiviert und signalisiere dem Körper eine potenzielle Gefahr durch einen fremden Eindringling, erklärt Peggy Riese, Impf-Expertin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

Wer keine Nebenwirkungen spürt, sei mit der gleichen Wahrscheinlichkeit geschützt wie Menschen mit stärkeren Impfreaktionen, sagen Wissenschaftler.

Als potenzielle Gefährdung nehme das Immunsystem nicht nur das Virusantigen wahr, mit dem die Schutzwirkung ausgelöst werde, sondern auch etwa Wirkstoffverstärker oder Hilfsstoffe wie Stabilisatoren. Dieser Teil des Immunsystems reagiere laut Riese also sofort, aber eher allgemein.

Corona-Pandemie
InfektionskrankheitCovid-19
VirusSars-Cov-2

Corona-Impfschutz: Auch ohne Impfreaktionen gegen das Virus geschützt

Der spezifische Schutz gegen den Sars-Cov-2-Erreger würde dagegen erst mit der Zeit von den Zellen des sogenannten „erworbenen Immunsystems“ erzeugt. Dabei lernt der Körper, bei einer solchen Infektion auch in Zukunft passgenaue Antikörper zu bilden und etwa mithilfe spezieller T-Zellen, den Killerzellen, infizierte Körperzellen abzutöten. Beide Arten des Immunsystems stehen laut der Wissenschaftlerin in einem sehr komplexen, noch nicht komplett erforschten, Austausch miteinander.

Tatsächlich gebe die Impfreaktion des angeborenen Immunsystems wohl den Anstoß, damit das erworbene System aktiv wird – dieser Impuls sei aber häufig gar nicht oder kaum spürbar. Das bedeutet nach Erkenntnissen der Wissenschaft: Wer keine Nebenwirkungen spürt, ist „mit der gleichen Wahrscheinlichkeit geschützt“ wie Menschen mit stärkeren Impfreaktionen, so Riese. (ska/dpa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare