Gesundheit

Quetschies: Darum warnen Experten vor dem Obstbrei aus dem Beutel

Verbraucherschützer sehen Quetschies als Süßigkeit. Ein Ersatz für Obst und Gemüse sind sie nicht. (Symbolbild)
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Verbraucherschützer sehen Quetschies als Süßigkeit. Ein Ersatz für Obst und Gemüse sind sie nicht. (Symbolbild)

Quetschies sind Fruchtpürees für Kinder. Sie gelten als handlich, praktisch und gesund. Doch Verbraucherschützer warnen vor dem Obstbrei aus dem Beutel.

Kassel - Kinder für Obst zu begeistern ist nicht immer ganz einfach. Einige knabbern begeistert Apfel und Birnenstücke, andere kann man damit jagen. Eine Lösung für frustrierte Eltern bieten sogenannte Quetschies. Das sind Fruchtpürees für Kinder, die in bunten Wegwerf-Plastikbeuteln verkauft werden. Sie liegen in den Regalen und an den Kassen von Supermärkten und Discountern, haben lustige Namen und süße Tiere auf der Verpackung. Ein schneller Griff und schon hat das Kind seine Portion Obst, die es mithilfe des Saugaufsatzes ganz einfach austrinken kann. Sauber, schnell und dazu noch gesund. Doch ist das wirklich so?

Es gibt sicherlich weitaus schlimmere Nahrungsmittel für Kinder als Quetschies. Vor allem, wenn viel Zucker und Fett im Spiel ist. Doch so gesund, wie einige Eltern vielleicht vermuten, sind die Frucht- oder Gemüsepürees im Quetschbeutel auch nicht. Experten von der Verbraucherzentrale Niedersachsen sehen Quetschies durchaus kritisch.

Obst und Gemüse aus dem Beutel? Warum Quetschies mit Vorsicht zu genießen sind

„Bei Quetschies handelt es sich um ein weiteres überflüssiges und überteuertes Lebensmittel für Kinder“, heißt es in dem Bericht. Da wäre zum einen der Kostenfaktor. Denn so ein Fruchtpüree aus dem Plastikbeutel koste viel mehr als frisches Obst und Gemüse. Hinzu kommt der Verpackungsmüll.

Maximale Zufuhr von Zucker pro Tag (Stück Würfelzucker)Alter
Kein zugesetzter Zucker0-1
8 Stück1-3
10 - 16,5 Stück4-14
14 -18 Stück15-18
12,5 - 16,5 Stück19-65+
(Quelle: Lebensmittellupe)

Der nächste Kritikpunkt ist der Zuckergehalt. Denn auch wenn auf den Quetschie-Verpackungen „kein Zuckerzusatz“ steht, ist trotzdem natürlicher Fruchtzucker (Fruktose) enthalten – und das nicht zu knapp. Auch Stiftung Warentest* kam bereits zu dem Ergebnis, dass Quetschies regelrechte Zuckerfallen sind. So waren bei den getesteten Produkten im Schnitt elf Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten, also ähnlich viel wie in Cola.

Der Fruchtzucker hat direkt einen weiteren Nachteil, denn Zucker und auch die Fruchtsäure greift empfindlichen Milchzähne an. „Regelmäßiges Nuckeln an Quetschies kann Karies verursachen, weil die Zähne vom Fruchtpüree umspült werden“, so die Experten der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Video: Früh übt sich - Gesunde Ernährung beginnt schon im Kindesalter

Kritik an Quetschies: Zuckerfalle für Kinder und schlecht für die Ernährungsbildung

Zudem kann das Kind nicht erkennen, was es da gerade isst. In den Quetschies stecken meist mehrere Obst- und Gemüsesorten auf einmal. Sie sind fein püriert. Eine spezielle Sorte herauszuschmecken oder zu riechen ist kaum möglich. Auch das Tasten fällt komplett weg. Bei der Ernährungsbildung punkten die Fruchtpürees deshalb nicht. Wer sein Kind an bestimmte Lebensmittel heranführen möchte, sollte daher auf echtes Obst und Gemüse zurückgreifen.

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Da kann das Kind nicht nur schmecken, riechen und tasten, auch die Kaumuskulatur wird beansprucht. Das fördert wiederum die Sprachentwicklung von Kleinkindern, so die Experten. Ihnen zufolge sind die Fruchtpürees aus der Tüte wie eine Süßigkeit anzusehen. Als Snack für Unterwegs seien sie vertretbar, doch kein Ersatz für richtiges Obst und Gemüse.

Auch Baby-Nahrung wird regelmäßig unter die Lupe genommen. Bei einem Test waren die Ergebnisse besorgniserregend. Nur zwei Produkte wurden als „gut“ bewertet. (svw) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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