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Nutri-Score: Die wichtigsten Fakten zur Lebensmittelampel

Zu fett, zu süß, zu viele Kalorien: Gut jeder zweite Deutsche ist zu dick, Tendenz steigend. Der Nutri-Score soll bei der Auswahl unterstützen und zeigen: Wie nahrhaft ist ein Produkt?

  • EU-weit ist gesetzlich verankert, dass Hersteller auf ihren Produkten Angaben zum Energiegehalt und zu Nährwerten wie Fett, Zucker, Salz und Co. machen müssen.
  • Der Nutri-Score soll mithilfe von Buchstaben und Ampelfarben zeigen, ob ein Produkt hohe oder geringe Mengen dieser Inhaltsstoffe enthält.
  • Der Nutri-Score gibt Auskunft über die Nährwertqualität, sagt aber nichts darüber aus, ob ein Lebensmittel „gesund“ oder „ungesund“ ist. 

Offenbach - Immer mehr Kennzeichnungen sind auf den Lebensmitteln in deutschen Supermärkten zu finden. Eine davon ist der sogenannte Nutri-Score, auch Lebensmittelampel genannt. Die fünfstufige Farb- und Buchstabenskala soll einen Überblick über die Qualität des Nährwertes eines Produktes geben. Das Ziel dieses Systems ist es, eine Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln zu geben und dadurch möglicherweise das Bewusstsein für eine ausgewogene Ernährung zu steigern.

Der Nutri-Score funktioniert als eine Art Nährwertkennzeichnung, bei der sowohl Inhaltsstoffe wie KalorienEiweiß und Fett, als auch der Gemüse- und Obstanteil eines Lebensmittels, meistens bei Fertiggerichten, bewertet werden. Anhand dieser Eigenschaften wird dann eine Punktzahl ermittelt, die eben diese Nährwertqualität eines Lebensmittels anzeigen soll. 

Lebensmittelampel - Was ist der Nutri-Score

Der Nutri-Score soll auf den ersten Blick erkennbar machen, wie die Mengen der Nährwerte in einem Lebensmittel einzuordnen sind. Die Nährwertkennzeichnung auf der Rückseite von Lebensmitteln ist laut einer EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) seit 2016 Pflicht. Die Verordnung schreibt nicht nur vor, dass es eine Nährwertkennzeichnung geben muss, sondern auch wie diese aussehen muss.

So ist beispielsweise eine Mindestschriftgröße festgelegt, in der die Angaben abgedruckt werden müssen, welche Angaben zwingend erforderlich und welche freiwillig sind, oder dass die Angaben zur Vereinfachung beim Vergleich mit anderen Produkten pro 100 Gramm, beziehungsweise pro 100 Milliliter gemacht werden müssen. Dennoch ist es relativ schwierig konkret zu Vergleichen, ob die Menge eines Nährstoffs, die sich in einem Lebensmittel befindet, eher viel oder eher wenig ist, und ob es sich um eher positiv oder negativ bewertete Inhaltsstoffe handelt. Hier soll der Nutri-Score Abhilfe schaffen.

Die Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln ist in der EU seit 2016 Pflicht.

Nutri-Score: Wie gut oder schlecht sind die Nährstoffe in einem Produkt

Das Nutri-Score-Etikett wird dafür auf der Vorderseite des Produkts angebracht. Auch hier werden die Angaben jeweils pro 100 Gramm oder Milliliter gemacht. Anhand einer fünffarbigen Skala soll dann direkt erkennbar sein, wie gut oder schlecht die Nährstoffe in einem Lebensmittel sind. Ein dunkelgrünes A zeigt dabei gleich auf einen Blick an, dass in diesem Produkt vergleichsweise wenig „schlechte“ Nährstoffe, wie Zucker oder Fett, und dafür mehr „gute" Nährstoffe, wie Eiweiß oder Ballaststoffe zu finden sind. Also grünes Licht für den Kauf.

Mit dem Ampelsystem lässt sich also scheinbar gut erkennen, wie gut oder schlecht die Nährwerte in einem Lebensmittel abschneiden. Man muss jedoch aufpassen: Ein besonders guter Eiweißwert kann dabei zum Beispiel auch einen besonders schlechten Fettgehalt in der Gesamtwertung ausgleichen, sodass ein Lebensmittel vielleicht ein grünes B bekommt, obwohl es überdurchschnittlich viel Fett enthält.

Lebensmittelampel: Der Nutri-Score - Woher kommt der Name und woher das System?

Das System wurde im Jahr 2017 von den französischen Gesundheitsbehörden ins Leben gerufen. Die wissenschaftliche Grundlage dafür kommt von unabhängigen Ernährungswissenschaftlern aus Großbritannien und Frankreich. Er wurde an der Universität Oxford in den Jahren 2004 und 2005 erarbeitet. In Frankreich und einigen weiteren Ländern, wie beispielsweise in Belgien, Spanien, der Schweiz und seit 2020 auch in Deutschland, findet der Nutri-Score Anwendung. Die Verwendung des Nutri-Score ist für die Hersteller bisher allerdings in allen Ländern auf freiwilliger Basis.

Der Nutri-Score ist ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln - Das sollte man wissen.

Nutri-Score: Welche Produkte werden gekennzeichnet?

Wenn ein Hersteller eine vereinfachte Form der Nährwertkennzeichnung angeben möchte, darf er in den Ländern, die den Nutri-Score verwenden, auch nur den Nutri-Score nehmen und muss ihn auch auf alle Produkte aufdrucken. Es ist also nicht erlaubt, dass ein Hersteller nur seine „gesunden" Produkte kennzeichnet. Nur die EU könnte aktuell eine verpflichtende Kennzeichnung vorschreiben.

Der Name Nutri-Score kommt von dem spätlateinischen Begriff nutritio - „Ernährung“, beziehungsweise aus vom lateinischen nutrire - „nähren“. Und dem englischen score für „Auswertung“ oder „Punktzahl“.

Lebensmittelampel: Wie wird der Nutri-Score berechnet?

Jeder Hersteller berechnet den Nutri-Score seiner Lebensmittel selbst. Kontrolliert wird die Verwendung von der französischen Gesundheitsbehörde Santé publique France. Hier müssen sich Hersteller auch anmelden, wenn sie den Score verwenden wollen.

Die Berechnung des Nutri-Score besteht aus drei einfachen Schritten: 

  • Schritt 1: Zunächst muss der Hersteller den Gehalt von Kalorien, Zucker, gesättigten Fettsäuren und Natrium pro 100 Gramm/Milliliter in dem Produkt prüfen. Diese negativ bewerteten Nährstoffe erhalten positive Punkte von 0 bis 10. Je höher die Punktzahl, desto schlechter das Produkt.
  • Im 2. Schritt werden dann die positiv bewerteten Nährstoffe, also Eiweiß, Ballaststoffe, Obst, Gemüse und Nüsse, geprüft und mit negativen Punkten von -5 bis 0 bewertet.
  • Schritt 3: Die Negativpunkte aus Schritt 2 werden anschließend von der Zwischensumme aus Schritt 1 abgezogen und das Produkt kann anhand der Gesamtpunktzahl in den Nutri-Score eingeordnet werden.

Es ergibt sich dann eine Gesamtpunktzahl zwischen -15 und +40. Teilweise gibt es Unterschiede in der Berechnung. Zum Beispiel werden Getränke anders berechnet als feste Lebensmittel. Unter anderem unterscheidet sich die Punkteverteilung. Wasser ist das einzige Getränk, das mit dem dunkelgrünen A gekennzeichnet werden darf.

Lebensmittelampel: Die Nutri-Score-Ampel

Punkte feste LebensmittelNutri ScorePunkte Getränke
-1 oder wenigerdunkelgrünes AWasser
0 bis +2hellgrünes B-1 und weniger
+3 bis +10gelbes C+2 bis +5
+11 bis +18oranges D+6 bis +9
+19 und mehrrotes E+10 und mehr

Wie sinnvoll ist der Nutri-Score?

Die Bewertungen des Nutri-Score gehen in Deutschland stark auseinander. Ein großer Vorteil des Systems ist die Einfachheit. Die Verbraucherforschung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat gezeigt, dass sich ein großer Teil der Verbraucher für die Einführung des Nutri-Score ausspricht, da sie ihn als hilfreich und leicht verständlich empfinden.

Durch die starke Vereinfachung kann die eigentliche Komplexität einiger Lebensmittel daher aber auch nicht ausreichend abgebildet werden. So kritisiert beispielsweise das Verbraucherzentrum Deutschland, dass die Inhaltsstoffe nicht einzeln dargestellt werden, wodurch bei der Gesamtpunktzahl ein verzerrtes Bild entstehen kann - große Mengen „guter“ Nährstoffe, können große Mengen „schlechter“ Nährstoffe so in der Gesamtwertung ausgleichen. Außerdem werden einige Inhaltsstoffe wie Vitamine oder Zusatzstoffe (zum Beispiel Geschmacksverstärker) in der Bewertung mit dem Nutri-Score gar nicht berücksichtigt.

Nutri-Score: „Es braucht ein einheitliches System, das für alle Hersteller Pflicht ist“

Dennoch setzt die Verbraucherzentrale Deutschland auf einen Effekt, den die Kennzeichnung mit dem Nutri-Score auf das Konsumverhalten haben kann. So bestätigen Studien aus Frankreich, dass sich das Kaufverhalten der Menschen durch die „Lebensmittelampel“ tatsächlich verändert und so zu einer bewussteren Ernährung in der Bevölkerung beitragen kann. Außerdem kann durch den Nutri-Score auch die Produktion der Hersteller beeinflusst werden, indem diese auf „bessere“ Inhaltsstoffe setzen, um ein grünes Nutri-Score Label zu bekommen.

Die Verbraucherzentrale wünscht sich dafür allerdings eine einheitliche Regelung für die EU: „Freiwillige Labels bringen uns nicht weiter“, heißt es. Denn wenn nur einzelne Lebensmittel in den Supermärkten mit dem Nutri-Score gelabelt werden, fehlt wieder die allgemeine Vergleichbarkeit von Produkten. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Hersteller unterschiedliche Labels verwenden und durch verschiedene Kennzeichnungsmodelle völlige Unübersichtlichkeit entsteht. (iwe)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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