Brustkrebs-Screening

Ärzte entdecken mehr Tumore im frühen Stadium

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Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie. Ein winziger Tumor ist in der Brust einer Patientin zu sehen. Foto: Jan-Peter Kasper

Wenn sich ein Tumor in der Brust ertasten lässt, ist es für eine schonende Behandlung manchmal zu spät. Mammographie-Screenings machen eine frühere Diagnose möglich. Oft können Frauen ihre Brust behalten.

Berlin (dpa) - Durch die Früherkennungsuntersuchung Mammographie-Screening haben Ärzte bei Frauen erneut mehr Brustkrebs-Tumore im Frühstadium entdeckt. Das geht aus der jüngsten Datenauswertung für das Jahr 2014 hervor, teilte die Kooperationsgemeinschaft Mammographie mit.

Experten schauen jedes Jahr gespannt auf die Ergebnisse der seit 2009 laufenden Reihenuntersuchung. Denn es ist das einzige so aufwendig organisierte Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland. Eine gesicherte Beurteilung der Langzeit-Effekte wird aber frühestens zehn Jahre nach dem Start erwartet.

In Deutschland wurde nach dem neuen Bericht 2014 bei rund 16 000 Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren Brustkrebs diagnostiziert. Bei 3000 von ihnen wurde eine Vorstufe gefunden, bei 13 000 war der Tumor bereits in das umliegende Gewebe hineingewachsen. Doch bei mehr als drei Vierteln dieser Patientinnen waren die bösartigen Knoten kleiner als zwei Zentimeter und hatten noch nicht gestreut. Das verspreche schonendere Therapien und gute Heilungschancen, heißt es in der Auswertung.

Bevor es das Screening gab, war über die Hälfte (56 Prozent) der entdeckten Tumore in der Brust bereits größer als zwei Zentimeter. 2014 war es nur noch ein Fünftel (21 Prozent). Es gibt noch keine Studien darüber, wie vielen Frauen eine Brustamputation durch die frühe Diagnose konkret erspart bleibt. In der Praxis sind viele Therapien heute aber weitaus schonender.

Das Robert Koch-Institut wertet diese Entwicklung in seinem jüngsten Krebsbericht von Ende November als "ersten Hinweis für einen Erfolg des Programms". Das Screening ist unter anderem wegen der massenhaften Röntgenuntersuchung gesunder Frauen, der Möglichkeit falsch-positiver Befunde und Überdiagnosen nicht unumstritten. Auch die Kosten - 2014 waren es 224 Millionen Euro - sehen manche Experten kritisch. Umgerechnet pro Teilnehmerin sind es rund 77 Euro.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Das Screening soll vor allem die hohen Todesraten senken. Nach den jüngsten Zahlen für 2013 starben rund 17 800 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Ob das Programm an sich für Frauen einen Überlebensvorteil bietet, steht noch nicht fest. Denn auch die Krebstherapien haben sich verbessert.

2014 nahmen rund 2,9 Millionen Frauen am Screening teil. Das sind mehr als die Hälfte der Frauen (57 Prozent), die alle zwei Jahre mit einem Brief zur Untersuchung eingeladen werden. Für eine valide Langzeitstudie wären aber 70 Prozent nötig - ein Wermutstropfen für die auswertenden Wissenschaftler. Viele Frauen scheuen die nicht ganz schmerzfreie Untersuchung.

Mammographie Screening

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