Angespannte Lage in Notunterkünften

Tokio - Lebensmittel sind knapp, das kalte Wetter hält an. Vor allem alte Menschen leiden in den Flüchtlingslagern im Katastrophengebiet. Meldungen über verstrahlte Lebensmittel machen den Japanern Sorgen.

Lebensmittelknappheit und Kälte haben den Menschen in den japanischen Katastrophengebieten weiter zu schaffen gemacht. Vor allem die vielen alten Menschen in den Flüchtlingslagern sind erschöpft. Zwar treffen allmählich Hilfsgüter ein und die Reparaturarbeiten, etwa an Gas- und Wasserleitungen, laufen. Doch oft mangelt es noch an ausreichend Heizöl und Öfen. Dem japanischen Sender NHK zufolge fehlen vielerorts Lebensmittel. Verstrahlte Milch und Spinat sorgen für zusätzliche Ängste. Regierungssprecher Yukio Edano sagte am Sonntag, in Fukushima und der angrenzenden Präfektur Ibaraki seien Werte über den erlaubten Grenzwerten bei einer Lieferung Spinat und vier Milchproben registriert worden.

Japanische Nachrichtenagenturen meldeten auch verstrahlten Spinat aus den Präfekturen Tochigi und Gunma. Obwohl keine unmittelbare Gesundheitsgefahr bestehe, würde die Regierung Beschränkungen für den Verzehr von Lebensmitteln aus der Region um Fukushima diskutieren, sagte Edano. Eine Entscheidung werde am Montag erwartet. Zur Versorgung mit Lebensmitteln hieß es beim deutschen Metro-Konzern, in den neun Märkten des Unternehmens im Großraum Tokio werde das Warenangebot langsam knapp. Ein Metro-Sprecher in Düsseldorf sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, Reis, Milch, Wasser, Brot und Fertiggerichte seien “weitgehend ausverkauft“.

Japan-Katastrophe: Bilder vom Wochenende

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Auch frischer Fisch werde derzeit nicht geliefert. “Dass Produkte wie Reis, Brot, Fertiggerichte und Trinkwasser ausgehen, liegt nicht einzig an Vorratseinkäufen in unseren Märkten“, sagte der Sprecher. Hintergrund sei auch die Anordnung der japanischen Behörden, diese Produkte vornehmlich in die Katastrophengebiete des Landes zu liefern. In den Notunterkünften fehlen unter anderem Toilettenpapier, Windeln, warme Stiefel, Babymilch und Reis. In den von Erdbeben und Tsunami getroffenen Gebieten sind nach verschiedenen Medienberichten Hunderttausende in Notunterkünften untergebracht.

Gegen die Kälte versuchten sie sich mit Decken warm zu halten, manche haben die Nacht mit ihren Familien zusammengedrängt im Auto verbracht. Einige der Zufluchtsuchenden litten unter Erkältung, Fieber und Übelkeit. Michio Kobayashi, Arzt im Krankenhaus von Ishinomaki, sagte dem Sender NHK, die Menschen würden nun an den indirekten Auswirkungen des Bebens leiden. Nachdem in den ersten Tagen hauptsächlich Verletzte behandelt worden seien, steige nun die Zahl von Patienten mit Lungenentzündungen, Unterkühlung oder Infektionskrankheiten. “Uns fehlt es an allem,“ sagte er NHK. “Wir brauchen dringend medizinische Versorgungsgüter, Essen und vor allem Heizmaterial.“

dpa

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