Ausschreitungen nach Urteil gegen US-Polizisten

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Rund 500 Demonstranten plünderten ein Schuhgeschäft und einen Juwelier, zündeten Mülleimer an und attackierten Polizisten.

Oakland/USA - Der Zorn über das Urteil entlud sich in Gewalt: In Oakland wurde ein Ex-Polizist, der einen unbewaffneten Schwarzen erschossen hatte, wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die Anklage lautete auf Mord.

Ein umstrittenes Urteil gegen einen US-Polizisten hat in der kalifornischen Stadt Oakland Krawalle ausgelöst und das Justizministerium in Washington auf den Plan gerufen. Der Polizist Johannes Mehserle hatte 2009 am Neujahrstag einen unbewaffneten Schwarzen erschossen. Er wurde wegen Mordes angeklagt, die Jury befand Mehserle am Donnerstag aber lediglich der fahrlässigen Tötung für schuldig. In Oakland kam es daraufhin zu gewaltsamen Ausschreitungen, das Justizministerium kündigte eine Überprüfung des Falls an.

Die Bürgerrechtsabteilung des Justizministeriums werde prüfen, ob der Tod des 22-jährigen Oscar Grant ein Fall für die Bundesgerichtsbarkeit sei, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Untersuchung werde allerdings erst nach Verkündung des Strafmaßes für den Verurteilten Mehserle beginnen. Auf fahrlässige Tötung stehen zwei bis vier Jahre Gefängnis, der Richter könnte die Strafe allerdings um bis zu zehn Jahre verlängern, weil Mehserle eine Waffe einsetzte.

Der Polizist hatte den 22-Jährigen Grant wegen mutmaßlicher Auseinandersetzungen in einem Zug festnehmen wollen. Als Grant am Bahnhof von Oakland schon am Boden lag, schoss der Beamte dem Schwarzen in den Rücken. Mehserle sagte aus, Grant habe sich gewehrt, und er habe befürchtet, dieser habe eine Waffe bei sich. Er habe mit seinem Elektroschocker auf ihn zielen wollen, aber versehentlich seine Schusswaffe gezogen.

Demonstranten plündern Geschäfte und zünden Mülleimer an

Die Tat löste Anfang 2009 die schwersten rassisch motivierten Unruhen in den USA seit 1992 aus. Deshalb war auch am Donnerstag die Angst vor Ausschreitungen groß. Das Verfahren war wegen der Spannungen nach Los Angeles verlegt worden. Dass keines der Jurymitglied seine Hautfarbe als schwarz angegeben hatte, trug zu dem Unmut über das Verfahren bei.

Kurz nach dem Schuldspruch entlud sich in Oakland der Zorn von rund 500 Demonstranten. Sie plünderten ein Schuhgeschäft und einen Juwelier, zündeten Mülleimer an und attackierten Polizisten. 83 Personen wurden festgenommen, wie die Behörden mitteilten. “Die Stadt ist nicht der wilde, wilde Westen“, sagte der Polizeichef von Oakland, Anthony Batts. Derartiger Protest werde nicht geduldet. Gouverneur Arnold Schwarzenegger hatte dem Bürgermeister von Oakland angeboten, notfalls könnten Sicherheitskräfte des US-Staats der städtischen Polizei unter die Arme greifen. Doch zunächst blieb das Ausmaß der Gewalt geringer als befürchtet.

dapd

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