Mammutaufgabe für Ermittler

Boston: Spurensuche mit tausenden Fotos und Videos

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Mithilfe von videos und Fotos wollen die Ermittler dem Täter oder den Tätern auf die Spur kommen.

Boston - Nach dem Terroranschlag von Boston suchen Ermittler weiter den entscheidenden Hinweis auf die Täter. Neue Spuren könnten die Fotos und Videos der vielen tausend Zuschauer zeigen. Eine Mammutaufgabe.

Die US-Polizei hat weiter keine heiße Spur der Bombenleger von Boston. „Die Untersuchungen sind noch in der Anfangsphase“, sagte Rick DesLauriers von der Bundespolizei FBI am Dienstag (Ortszeit). Die Ermittler hoffen, dass die vielen tausend Fotos und Videos, die während des Marathonlaufs entstanden, Hinweise geben. Die Sprengsätze wurden nach ersten Ermittlungen aus Schnellkochtöpfen, Nägeln und Metallkugeln hergestellt.

50.000 Dollar Belohnung ausgesetzt

Die Polizei hat eine Großfahndung mit mehr als 1000 Ermittler aus 30 US-Bundesstaaten ausgelöst. Die Bandbreite möglicher Täter und Motive sei groß, räumte DesLauriers ein. Bislang seien rund 2000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Für Hinweise auf die Verantwortlichen wurden 50 000 Dollar (38 000 Euro) Belohnung ausgesetzt.

Bei den Explosionen an der Marathonstrecke waren am Montag drei Menschen getötet und mehr als 180 verletzt worden. Inzwischen sind alle drei Todesopfer identifiziert. Neben einem achtjährigen Jungen und einer 29 Jahre alten Amerikanerin starb auch eine Studentin aus China.

Boston: Die Trauer nach dem Anschlag

Boston: Die Trauer nach dem Anschlag

Präsident Barack Obama will am Donnerstag an einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer in Boston teilnehmen. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land wehen bis Samstagabend auf halbmast.

Bereits am Dienstagabend erinnerten Hunderte Menschen bei kurzfristig organisierten Gedenkfeiern in Boston an die Opfer. Mit US-Fahnen und Plakaten versammelten sie sich an verschiedenen Orten der Stadt, um gemeinsam zu singen und zu trauern. In einem Park in der Nähe des Anschlagsortes zündeten viele Menschen Kerzen an und sangen die amerikanische Nationalhymne.

Bomben-Anschlag beim Boston Marathon

Bomben-Anschlag beim Boston Marathon

Bei einer speziell für den achtjährigen Martin Richard organisierten Trauerfeier kamen Hunderte Menschen in einem Park im Vorort Dorchester zusammen. Der Junge hatte zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern an der Zielgeraden auf den Vater gewartet, als die Bomben explodierte.

„Mein geliebter Martin starb an seinen schweren Verletzungen infolge der Anschläge von Boston“, sagte der trauernde Vater Bill Richard, der selbst am Boston-Marathon teilgenommen hatte. Er bestätigte, dass seine Frau schwer verletzt wurde und seiner Tochter ein Bein amputiert werden musste. Das dritte Kind blieb unverletzt.

Die 29-Jährige Frau identifizierten US-Medien als Krystle Campbell. „Sie war eine fröhliche, offene Person. Alle ihre Freunde liebten sie“, sagte ihre Großmutter dem Fernsehsenders CNN. Die namentlich nicht genannte chinesische Studentin besuchte die Boston University, wie das Generalkonsulat der Volksrepublik in New York mitteilte. Ihre Familie habe um Anonymität gebeten.

Die US-Behörden haben nach Informationen des Senders CNN bisher keine Hinweise darauf, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida oder eine andere ausländische Gruppe hinter dem Anschlag von Boston steckt. CNN berief sich mit seinen Informationen auf eine namentlich nicht genannte Pentagonquelle.

Junger Mann nicht tatverdächtig

Danach stufen die Behörden einen am Montag vernommenen jungen Mann aus Saudi-Arabien nicht als tatverdächtig ein. Der Student war bei der Explosion verletzt worden und aufgefallen, weil er wegzurennen versuchte. CNN zufolge gab er bei der Vernehmung in einem Krankenhaus an, dass er einfach Angst gehabt habe. Die Behörden glaubten ihm.

FBI-Ermittler DesLauriers präsentierte mehr als 24 Stunden nach der Katastrophe kaum neue Erkenntnisse. Die Behörden hoffen auf den entscheidenden Tipp aus der Bevölkerung. „Irgendjemand weiß, wer dies getan hat“, sagte DesLauriers. Konkret sucht die Polizei nach Hinweisen zu schwarzen Nylontaschen, in denen die Sprengvorrichtungen wohl an den Ort der Explosionen transportiert worden seien.

Es ist der erste tödliche Anschlag in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Er hatte hat weltweit Bestürzung ausgelöst und die Angst vor Terror bei Großveranstaltungen neu entfacht.

dpa

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